Wenn nichts nach Plan läuft…

Ich hatte einen Plan, keinen der jede Minute schon im Voraus bestimmt, aber einen, der meinem Tag grob Gestalt geben sollte – zur leichten Orientierung, zum Halt geben und entlanghangeln. Doch schon ab der ersten Sekunde verlief dieser Tagesplan anders als gedacht und das sollte nicht das einzige Verlieren des roten Fadens bleiben.

  1. Ich verschlief. 6 Uhr wollte ich aufstehen, irgendwie klingelte mein Wecker nicht… um 6:40 Uhr wachte ich auf – immer noch rechtzeitig, aber wie sollt ich jetzt in Ruhe und Gemütlichkeit frühstücken? Und wo zum Teufel ist mein Hungergefühl? Normalerweise ist es morgens deutlich zu spüren – habe ich gestern zu viel gegessen? Eigentlich hatte ich mich doch gut mit allem gefühlt. Ich ließ es trotzdem nicht ausfallen. Hatte zwar die Erlaubnis Hunger nicht, was mich etwas beunruhigte, aber ich wollte ja aus dem Haus gehen, zur Uni – da kann ich nicht warten bis sich das Hungergefühl mal bequemt aufzuwachen. Also wie angewöhnt: sorgsam zubereitet, Tasse Kaffee dazu, Radio an, Kerzenschein, Bibel lesen und schauen, was ich tagüber so erledigen muss. Ein gemütlicher Start in den Tag – Kraft tanken für den Alltagswahnsinn und den Kampf gegen Doris und heute fehlten mir 40 min. Die sparte ich halt beim Haarstyling – verschlafen tut jeder Mal 😉
  2. Pünktlich traf ich vor dem Vorlesungsraum ein – noch verschlossen, aber komisch das auch kein anderer hier schon wartete. Ich checkte meine Mails: „Die Vorlesung entfällt wegen Stimmproblemen…“ – Echt jetzt? Aber ok ruhig bleiben – so ist das Leben – manchmal einfach unerwartet klopft es an.
  3. Geschenkte Zeit, die eigentlich verplant war – was nun? Doris klopfte, Gedanken an einen Fressanfall – doch Lust? _ Fehlanzeige. Meldeamt und Einkaufen standen auf der gedanklichen to-do Liste als Punkte hinter der Vorlesung. Zuerst Amt – das einkaufen löste leichte Panik aus, die Angst vor einem Fressanfall war da. Verdammt wieso muss ich mir denn auch Angst einreden? Damit er gerade kommt? Ich nahm die Gefühle und Gedanken wahr ließ sie stehen. Hungergefühl? Immer noch nicht. Wieso wartete ich darauf, auf die Beruhigung dadurch. Ok – Amt, warten, ummelden… Geht nicht ohne Wohnungsgeberbescheinigung – ja aber was soll ich denn machen wenn mir der Vermieter die nicht zuschickt, ich habe schon zig Mails geschrieben. Immer nur: „Ich melde mich zurück…“. Würde auch gerne, dass er die Möbel mal abholt, die mir hier den Platz versperren… Ich soll ihm jetzt eine Frist setzen, sagte mir die freundliche, verständnisvolle Frau, sonst kümmert sich das Amt. Ummeldung gescheitert, aber ich habe die Nachricht geschrieben – bin gespannt…
  4. Einkaufen: zu viele Gefühle und Gedanken, dabei fühlte ich mich eigentlich noch ganz gefasst und ruhig. Trotzdem geht das schief ohne Plan, das wusste ich, aber ich drücke mich nicht – also was brauche ich? Ich notierte im Kopf: Jogurt Natur, Rotkohl, Apfelmus, Möhren. 4 Sachen mehr nicht! Ich kann es schaffen, muss nur bewusst da rein gehen, nicht unsicher werden oder mich nicht entscheiden können, nicht angetriggert werde und das unbändige Verlangen nach irgendetwas hochkommt. Doris wütete, redete mich Engelszungen – irgendwann wusste ich vom vielen Fressanfall hin und her, ja und nein gar nicht mehr ob ich jetzt einen wollte oder nicht. Aber im Zweifel zur Zeit: Nein! Rotkohl gab es nicht … Dafür Weintrauben die mich anlachten, Radieschen und Kohlrabi im Angebot je 2 ersetzten die Möhren. Jogurt – leeres Fach. Im Ernst? Füllen, die denn nicht auf? Oh schau mal da: Pfirsiche und etwas Milch als Ersatz… Vielleicht hole ich später noch irgendwo anders Jogurt. So jetzt aber schnell zur Kasse, das Suchmuster: Wo gibt es billig Fressmittel, hatte eingesetzt… Von wegen 4 Artikel, aber ok. Ich werde immer besser und keine als „rot“ eingestuften Lebensmittel sind dabei.
  5. Mein Mittag: fiel aus bzw. wurde ersetzt. Wieder zu Hause war es noch keine Zeit zum Mittag essen und Hunger hatte ich auch nicht merkbar. Wo ist denn nur mein Hungergefühl? Ich brauche es als Erlaubnis zum essen. Das Verlangen zu essen war präsent, war stark, zwingend. Dann aß ich halt etwas Salat als Zwischenmahlzeit. Einmal angefangen war es schwer bis unmöglich aufzuhören zu essen. Wenn ich doch nur merkbar Hunger hätte – es war rein emotionales Essen, ich konnte nicht aufhören Doch ich schaffte es zu bestimmen den Fressanfall aus Salat und Jogurt mit Apfelmus und Kohlrabi zu gestalten.Ich esse, aber kotze nicht! Da blieb ich stur. Was fühlte ich mich fett und voll. Es war im Endeffekt ein Salatkopf, ein Kohlrabi, einige Radieschen, 500 ml Milch mit etwas Joghurt und Apfelmus, ein Glas Rote Bete und einige Scheiben Hähnchenwurst. Kalorienmäßig ertragbare Lebensmittel. Zur Mittagszeit von 12 bis 15 Uhr zwang ich mich nicht weiter zu essen trotz Verlangen. Ich setzte mich an meine eine Hausarbeit und füllte meinen Arbeitsvertrag aus, was die alles für Nummern wissen wollten… Warteschleife, Warteschleife – was haben, die doch für tolle Musik. Mein Nachmittag hatte ich mir weniger frustrierend vorgestellt, ja der Fressanfall und das einfach nicht aufhörende Verlangen zu essen frustrierten mich. Ich hatte noch nicht mal Lust auf etwas bestimmtes, wollte nur essen.
  6. Eis am Nachmittag – hatte ich nicht geplant, aber plötzlich Lust auf etwas Süßes. Es waren 3 essfreie Stunden rum, also ok. Aus wenig wurde mindestens eine große Eisbechergröße. Nichts wie weg hier… Dann fahre ich halt früher zur Uni.
  7.  – denkste! 40 Minuten Verspätung, immer 5 min wurden Stück für Stück drauf geschlagen und dann fängt es auch noch an zu gewittern. Erbarmungslos niederprasselnder Regen, Blitze, Donner – dann endlich der Zug. Trocken zur Uni? Hatte ich mir so vorgestellt. Aber wer braucht schon einen Regenschirm im Rucksack, wenn er sich in der Wohnung an der Garderobe besser macht. Wer rechnet auch damit, dass sich die vorhergesagten Regenwolken gerade dann fassartig entleeren, wenn man gerade auf dem Weg zur Uni ist?

So Schluss jetzt, sieben Punkte die nicht wie geplant liefen, die nicht zur haltgebende Struktur passten, aber trotzdem einfach irgendwie zum Tag dazu gehörten, ihn zu dem gemacht haben der er geworden ist. Ich sage: Ich habe nachgegeben, war überfordert, unsicher, aber habe auch integriert und ausgehalten. Und nun 2 Punkte die definitiv super gelaufen sind.

  1. Mein Referat: selbstsicher und überzeugend vermittelte ich mein angelesenes Wissen in dem Vortrag. Die Abschlussnote tendiert Richtung gut bis sehr gut, je nachdem wie die Hausarbeit wird, die mit dem Referat zusammen die Note bildet.
  2. Ich bin kotzfrei geblieben! – Braucht es da noch mehr Worte?

Gute Nacht vielleicht 😉

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3 Gedanken zu “Wenn nichts nach Plan läuft…

  1. Glückwunsch! Du hast nicht das Handtuch geworfen! 🙂 Ein typischer Tag im Sinne von „Wäre ich doch im Bett geblieben“ 😉 Aber auch aus Chaos und „Planlosigkeit“ kann Gutes entstehen. Tolles Referat, kotzfreier Tag – du kannst stolz auf dich sein 🙂

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