Liebe Elli,

Die 3000 kcal-Marke wurde gestern auf jeden Fall geknackt – ich habe nicht nachgerechnet und will es auch gar nicht genau wissen. Es fühlte sich auch allen nicht nach fressen an, sondern es war ein essen. Es war viel, es war üppig, es war kalorienreich, es war das was ich sonst nicht esse dabei – aber es war ok. Kuchen, dann Schnitzel Hawaii (wieso muss Käse so viel Kalorien haben?), abends knabberte ich alleine mindestens eine halbe Tüte Chips und Alkohol (insbesondere Eierlikör) gab es auch nicht wenig. Das kuriose daran war: es war ok, ich sagte mir immer wieder: Es ist ein Tag, heute darf ich das. Bei den Chips hätte ich aufhören können, wenn ich gewollt hätte, aber ich wollte es nicht, weil ich in dem Moment vollkommen dahinter stand und es sein durfte – 600 kcal – zu viel, aber doch in Ordnung. Es war kein reinstopfen sondern ein knabber mit Geschmack. Vielleicht ist mein Chipsverlangen jetzt erstmal für einen Monat gestillt und 600 kcal auf 30 Tage verteilt sind 20 kcal, was gar nichts ist. Ja ich setze mich damit auseinander, ja es beschäftigt mich, aber es ist in Ordnung, vielleicht schaffe ich es deshalb mich damit anzufreunden. Heute merke ich wie mein Körper arbeitet, er hat viel zu verdauen, so viel schweres, was er gar nicht gewöhnt ist, doch er arbeitet – ich vertraue ihm, ich vertraue meinem Körper, dass er sich die Stoffe nimmt die er braucht, wenn er halt ein paar Reserven einlagern möchte für schwere Zeiten, dann soll er das. Ich lebe nicht nur noch heute, sondern es kommen noch so viele Tage. Der Tag gestern war lecker, lustig – ein gemeinsames Spaß haben und Zeit zusammen genießen. Versuchungen waren da, aber es war leicht mit ihnen umzugehen. Jedoch ist es heute umso schwerer, die Gedanken wieder kotzen zu gehen, sind permanent da, auch findet sich ab und an ein Fünkchen Wille, das den Gedanken umsetzen will, aber es sind Funken die wieder verglühen. Du hast gestern zu viel gegessen und heute ist du auch? Was soll das denn? Dann geh doch wenigstens kotzen, da kannst du so viel essen wir du willst, wäre das nicht schön? Es ist noch so viel Kuchen da, du müsstest dich nicht mehr beschränken! Ja so redet Doris. Doch sie scheint nicht zu wissen, dass ich gerade überhaupt keinen Bock auf Kuchen habe und mir mein Eis mit Obst gereicht hat. Ja ich fühle mich mega fett und vermeide es mich zu genau im Spiegel anzuschauen, aber das darf ich auch. Ich darf mich schwer fühlen. Heute morgen sagte ich zu meiner Mutter: Ich fühle mich so mega voll. Darauf sagte sie nur: Das geht uns allen so. – und stellte die Brötchen auf den Tisch. Das beruhigte mich, vielleicht ist es sogar normal und gehört zum zufriedenen Leben dazu sich auch mal umfangreicher als sonst zu fühlen. „Es gehört dazu – zu dir“ ist mein Mantra des heutigen Tages. Wenn ich eine Erlaubnis dafür brauche mich mal unwohl in meinem Körper zu fühlen, dann bitteschön, ich geb sie mir: „Liebe Elli, du darfst auch unzufrieden mit deinem Körper sein, du darfst die Kilos nicht leiden können, denn Verbindungen in deinem Gehirn sind noch darauf gepolt, dass du nur zufrieden bist wenn sie Zahl auf der Waage schrumpft und du hungerst. Nun hast du über 10 Kilo mehr als letztes Jahr – also ja du darfst dich auch mal verabscheuen und mal nicht akzeptieren wollen, aber mögen kannst du dich trotzdem. Statt runter geht die Zahl rauf und statt Knochen siehst du jetzt Fett – da wäre es utopisch, das total toll zu finden. Denn du weißt ganz rational, dass die Verbindungen falsch sind und es Zeit braucht bis sie neu geknüpft sind, aber auch das gehört zu dir und du kannst die Geduld mit dir aufbringen. Du darfst es auch mal satt haben zu kämpfen, diesen ganzen Mist darfst du Leid sein, du darfst nach dem Sinn fragen, denn für dich ist es schwer. Niemand kann jemals 100% verstehen, wie du dich fühlst und was du durchmachst, aber du kannst es, deswegen solltest du auch nachsichtig mit dir sein, denn eine bessere Verbündete bekommst du nicht! Achso und trotz allem darfst du dich dennoch schätzen und toll finden ;)“

Was eurem Glauben bisher an Prüfungen zugemutet wurde, überstieg nicht eure Kraft. Gott steht treu zu euch. Er wird auch weiterhin nicht zulassen, dass die Versuchung größer ist, als ihr es ertragen könnt. Wenn euer Glaube auf die Probe gestellt wird, schafft Gott auch die Möglichkeit, sie zu bestehen. – Kor 10, 13

Mein Glaube hilft mir bei dem Kampf sehr, immer öfter spüre ich, dass Gott sich einfach meine Gedanken anhört und wahrnimmt. Er muss es mir nicht einfacher sein und das will ich auch gar nicht, denn irgendwo ist es mein Kampf für den ich die Verantwortung trage und den ich ausgelöst habe. Ich gebe mir die Schuld an der Essstörung und ja vielleicht ist es falsch, aber ich sehe das so, ich habe mein Leben selbst ins Wasser gefahren, jetzt muss ich es auch wieder rausziehen. Aber das geniale an Gott ist, dass er mich trotzdem liebt, auch wenn ich noch weiter untergehen würde, stände er immernoch am Strand und würde da sein und darauf warten, dass ich umkehre und es mir anders überlege. Gott ist da und hilft, wenn er es für nötig hält, aber er hält sich auch zurück, wenn ich es alleine schaffen soll/kann. Wenn ich mich nicht anstrenge oder es nicht schaffe, habe ich eine zweite Wahl. So glaube ich. Es ist ein Aspekt meines Glaubens, dass ich darauf vertraue das Gott bei mir ist, wenn ich ihn brauche und er einen Plan hat und für Möglichkeiten sorgt, die mir helfen – doch es ist und bleibt immer meine Wahl diese anzunehmen. Gott schickt mir Kraft und Beistand, wie Sonnenstrahlen die Erde erleuchten, erwärmt er die Situation – entweder ich nehme die Sonnenstrahlen wahr oder ich kehre ihnen den Rücken zu und laufe mit der Sonnenbrille in den Keller.

Die nächsten Tage ist Sonne angesagt, das Gewitter hält sich hoffentlich in Grenzen. Bis Mittwoch steht Bruder-Schwester-Zeit an. Kino, Minigolf, Labyrinth, Skateboard fahren, vielleicht Kletterwald, zu McDonalds gehen und Eisbecher essen – drei Tage bei der großen Schwester, er freut sich schon lange darauf und ich mich auch. Über das Essen mache ich mir zwar etwas Gedanken, gerade nach gestern und den letzten Tagen, aber wäre ja auch komisch wenn nicht oder? Ich vertraue darauf, dass es vor allem Tage werden in denen wir Spaß zusammen haben – die große Schwester ist halt cool ;p

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6 Gedanken zu “Liebe Elli,

  1. Meine Sonnenstrahlen sind wahrlich nicht göttlich. Wie könnten sie das auch. Aber ich schicke Dir trotzdem welche und ganz viele, für die „drei tollen Tage“ und darüber hinaus. 🙂

    Sehr liebe und respektvolle Grüße an Dich, liebe Elli!

    Gefällt 1 Person

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