Guten morgen Sonnenschein

Welcher Gedanke geht mir gerade durch den Kopf? – Ich will weiteressen.

Was fühle ich? – Ich bin unentschlossen, mein Magen fühlt sich gefüllt an.

Ist der Gedanke wahr bzw. ist es meiner oder Doris ihrer? – Ich glaube Doris, aber vielleicht habe ich noch Hunger?  Zumindest spüre ich keinen physischen, wenn dann ein Innerer.

Wie könnte ich den Gedanken umformulieren? – Ich kann weiteressen, Ich muss nicht weiteressen, Ich höre auf zu essen, Doris will weiteressen, Ich muss weiter essen Ok Gedanke entschärft -> der ist eindeutig falsch

Was würde es verändern, wenn ich den Gedanken ausführe? – Ich würde weiteressen, vll nur etwas dann wäre es ja nicht schlimm. Ich würde vll in einen FA hineinschlittern. Ich würde dann Zeit verschwenden und überm Klo hängen, statt entspannt fern zu sehen und noch meinen Unitext zu lesen. Meine Speiseröhre würde wieder schmerzen.

Was würde es an meinen Gefühlen ändern? – Ich wäre vll glücklich (bin ich etwa gerade unzufrieden?) Die Unentschlossenheit und das in der Luft hängen wäre weg, ich wäre vollbeschäftigt (habe ich etwa gerade keine Aufgabe oder will ich das nicht machen, was ich mir vorgenommen habe?) Ich bekomme ein Völlegefühl (danke darauf verzichte ich gerne)

Was sehe ich oder höre ich gerade? – Ich höre die Tasten der Tastatur, die Autos vorbeifahren, Vögel zwitschern und meinen Bauch grummelnd verarbeiten.

Ich atme jetzt 3 mal bewusst ein.

Was wollte ich machen? – essen, doch ich werde nicht weiter essen.

Was könnte ich stattdessen machen? Blog schreiben.

Ob es ein Fressanfall geworden wäre oder einfach nur 2 Löffel Jogurt weiß ich nicht, auf jeden Fall erkläre ich jetzt die Küche für geschlossen und den Tag als kotzfrei! Endlich mal wieder Tag ohne zu kotzen und ich muss sagen ich habe es richtig genossen und es ging relativ leicht heute. Außer dem geschilderten kritischen Moment nach dem Abendbrot war Doris ziemlich leise. Ich werde jetzt versuchen, in den kommenden Tagen öfters mal einen Gedanken der mich plagt so zu hinterfragen und damit vielleicht auch mit der Zeit auf Gefühle zu stoßen, die mich beschäftigen. Heute habe ich relativ lang (bis 8 Uhr) geschlafen. Nach einer langen Entscheidungsphase aß ich um 9 dann Frühstück. Regelmäßig essen und nicht kotzen lautete mein Plan, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. 4 Mahlzeiten nahm ich heute ein und versuchte immer wieder auf mein Hungergefühl zu hören. Zur Zeit sehr schwer, denn durch Phasen, des entweder kotzens oder hungerns, wie die letzen Wochen stellt sich das Hungergefühl immer schnell ab, beziehungsweise ist dauernd da, sodass ich es nicht mehr wahrnehme. Ich versuchte mich an Schüssel und Tellergröße zu orientieren, da ich bemerkte, mit meinem Sättigungsgefühl komme ich nicht klar. Zudem benutzte ich ab und an die Waage um mich zu beruhigen bei als kritisch eingestuften Lebensmitteln. 100 g Eis sind ok, die erlaubte ich mir zum Nachmittag. Es war aber auch warm heute. Nachdem ich etwas die Wohnung geputzt hatte, Telefonate geführt hatte, schnappte ich mir mein Unikram und fuhr mit dem Fahrrad auf eine Wiese. IMG_20170528_160351

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Fotoshooting mit Raupe 🙂

Ich genoss die Sonne und bin noch etwas farbiger geworden, und da es so schön und erholsam war einfach nur dazuliegen, blieb der Hefter geschlossen – muss auch mal sein. Ich blicke zurück auf einen entspannten und ruhigen Tag, denn ich ohne Doris genossen habe. Schon den ganzen Tag geistert mir das Lied: Guten morgen, guten morgen, guten morgen Sonnenschein… im Kopf herum und verursacht immer ein leichtes Lächeln. Die nächsten Tage werde ich versuche, weiter meinen Plan zu verfolgen – geregelte Mahlzeiten und Gefühlskontrolle. In der Therapie hatte ich es letztes Jahr geschafft meinen emotionalen vom physischen Hunger zu trennen, das versuche ich mir wieder anzueignen. Gefasst und ruhig schaue ich auf die vor mir liegenden Tage – irgendeine komische Leere ist auch da. Eine Therapeutin erzählte mal, das das jedoch normal ist, wenn man die Gefühle nicht wirklich benennen kann. Ich sprühe nicht vor Motivation Doris in den Arsch, aber der Wille ist da sie zumindest für einige Tage auf eine einsame Insel zu schicken – ich kann es schaffen. Doch unter Druck setze ich mich nicht, ich entscheide Mahlzeit für Mahlzeit was möglich ist. Jetzt genieße ich das Fernsehprogramm gemütlich zurückgelehnt auf der Couch.

Einen schönen Abend wünsche ich euch allen ❤

 

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11 Gedanken zu “Guten morgen Sonnenschein

  1. Dieses „in sich rein hören und reflektieren“ macht echt so viel aus. Ich war jetzt ganz neidisch, dass du physischen und psychischen Hunger schon mal trennen konntest. Beim Lesen schüttelte ich den Kopf und dachte „waaaaas? Das geht wirklich?“. Es wäre alles so viel einfacher ohne unsere Monster.. aussetzen klappt auch nicht. Schön, wenn du den Tag so positiv genutzt hast ❤ ich schick dir ganz viel Energie und Kraft

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    1. Ja es geht… Nach ca. 2 kotzfreien Monaten konnte ich dann sagen ok ein Stück Schokolade für das Gefühl, weil ich traurig bin… Auch das widerstehen war einfacher. Hat nicht immer funktioniert, aber war möglich, habe viel auf Signale meines Körpers gehört, habe ich ein Hungergefühl und ist es verständlich jetzt Hunger zu haben? aber vorneweg, wenn ich das Verlangen hatte zu essen, meist vorausgesetzt das es emotional ist, geschaut was für Gefühle da sind und vor allem wieso sie nicht da sein sollen, vor allem kann man sich dann immer sagen, wenn du jetzt isst, was bringt es? Die Gefühle und die Ursache ist dadurch ja nicht gegessen…
      Ich denke es kann jeder schaffen, aber es braucht Zeit und man muss sich mit sich auseinander setzen… Ich habe auch versucht es körperlich zu orten… Der physische Hunger sitzt bei mir unterhalb des Brustbeins – ist da eine leere, dann habe ich Hunger. Die anderen Gefühle sitzen oben im Brustkorb, meist ein drückendes Gefühl oder Leere – hab meinen Therapeuten auch erst für verrückt erklärt, als er mir erzählte das jedes Gefühl im Körper einen bestimmten Platz hat und sich anders anfühlt… Doch da ist nen bissl was wahres dran.
      Einfach mal auf Pause drücken – ja das wäre toll…
      Danke 🙂

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  2. Klasse wie du die Gefühle und Gedanken prüfst, sie gegenüber stellst und gegen Gutes austauscht. Du hast die dir von Gott gegebene Autorität und Kontrolle! Hilft super wenn man für das Gegenüberstellen biblische Wahrheiten nimmt. Be blessed 😉

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    1. Danke für den Zuspruch, das ist echt genial, wie du immer einen passenden Bibelspruch parat hast! Ich finde den wirklich gut.
      LG und einen gesegneten Tag wünsche ich dir 😉

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  3. Hut ab davor, dass Du Doris in dieser unruhigen Situation abgewimmelt hast. Das ist etwas, das ich im Augenblick nicht kann. Freu mich übrigens sehr für Dich, dass du gestern kotzfrei geblieben bist.
    Ohne Küchenwaage geht auch bei mir gar nichts. Bzw. achte ich beim Einkauf schon immer auf Gewichtsangaben auf Packungen 😉 Ein bisschen Kontrollfreak darf man schon sein, wenn man eine Essstörung hat – leider geben wir die Kontrolle ja viel zu oft an Doris & Co ab. Also Glückwunsch dazu, dass Du Doris gestern kontrolliert hast! Vorgestern hättest du das vermutlich nicht für möglich gehalten, aber du siehst, es geht. Und selbst wenn Doris heute rauskommen sollte – mach Dir keinen Druck. Du siehst, dass Du stark bist. 🙂 Alles Liebe & einen „guten“ Tag für Dich ❤

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