​Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt 

Ja – Nein, positive – negative Gefühle, auf – ab, himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt und dann gibt es da irgendwas dazwischen, und nicht nur irgendwas nein ganz viel – viele Gefühle, Gedanken, Schattierungen… So eine Sitzung ist immer eine komplette Achterbahnfahrt (genauso wie zwischen Zeit jeder Tag…), Gefühle kommen und gehen, meist nicht nur einmal ins Gegensätzliche. Manchmal gehe ich raus wie ich gekommen bin, manchmal nicht. Letzte Woche bin ich Motiviert und ruhig rein und wütend und durcheinander raus, heute bin ich komplett durcheinander rein und ruhig und doch relativ gelassen raus. Ob es am Therapeuten liegt, an den Themen, die Gefühle hervorrufen, an den Gedanken die mir so durch den Kopf schießen, an mir… Es ist unterschiedlich – Fakt ist so eine Sitzung ist Arbeit, Kopfarbeit. Er arbeitet auf Hochtouren, meist habe ich es gar nicht mitbekommen, „war doch nichts“… Hab halt drinne gesessen und geredet – Unterdrückung der Gefühle… doch heute war mal wieder so eine Sitzung, da spüre ich die Anstrengung danach. Die Sitzung war hilfreich und klärend, zwischendurch aufwühlend, ich setzte meine Maske auf und ab, Trauer, Wut, Zuversicht… Eine ganze Gefühlspalette brachte ich dem Therapeuten entgegen. Doch auf dem Weg zum Zug spürte ich eine Gelassenheit und Zufriedenheit – FA? Die Gedanken daran sind ständig präsent, doch reizen mich komischerweise gar nicht. Es ist eine Art der Befriedigung glaube ich – ich esse und behalte es drinne – es klappt. Ja mein Körpergefühl ist beschissen, aber ich fühle mich trotzdem gut, ich bin gerade im Reinen mit mir. Ich versuche das Leben/den Alltag in den Vordergrund zu stellen und die Essstörung bzw. den Kampf einfach nebenher laufen zu lassen. Es gibt so viel was viel spannender ist als sich mit der „Ist alles wieder rausgekotzt?“- Frage zu beschäftigen. Elisabeth von Thüringen zum Beispiel, komme gerade auf der Vorlesung. Eine wirklich interessante Frau des Mittelalters, sie stammte aus einer Königsfamilie und gab ihr Leben am Adligen Hof, ihren Luxus auf, widmete ihr Leben ganz der Nachfolge Jesu, eröffnete ein Hospital und kümmerte sich dort eigenhändig um Arme und Kranke. Ja in manchen Aspekten finde ich es etwas krass mit welcher Radikalität sie es Tat – wusch Leprakranke und küsste ihnen sogar die Füße, ließ sich geiseln wenn sie gegen ihr Gelübde verstieß und bestrafte sich mit Nachtwache oder langen Askesen (hungern) und vielem anderen – ja sie war nicht freundlich zu ihrem Körper finde ich. Es ist zu krass was sie tat, das hätte Jesus garantiert nicht verlangt… Schoss es mir immer wieder durch den Kopf. Schwach und ausgezehrt soll sie wohl ausgesehen haben – heute würde dies mit Essstörung abgestempelt, ging mir durch den Kopf und da sagt dir Dozentin: Dies wird auch als holy Anorexia (heilige Magersucht) bezeichnet. Ok es triggerte etwas – Doris rief, „Wenn es sogar die heilige Elisabeth gemacht hat, dann darfst du das auch“, doch ich finde es falsch und habe gar nicht groß das Verlangen zu hungern, genauso wenig nach einem Fressanfall zumindest jetzt gerade bin ich mir da total sicher. 

Und wieder ein kotzfreier Tag mehr! Das Thema mit Elisabeth wird mich noch etwas beschäftigen, aber für heute ruft mich meine Wohnung und die gemütliche Couch.  

2 Gedanken zu “​Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt 

  1. Liebe Elli, ich bin mächtig stolz auf dich. Dieses sinmvollere gestalten der Zeit, genau das habe ich mir immer wieder vorgehalten. Und wenn ich für Beschaffung, FA und Klo im Schnitt zwei Stunden (eigentlich für mich zu wenig angesetzt) am Tag brauche, dann sind das in der Woche 14 Stunden. Klar das Körpergefühl ist mies, aber ich versuche immer dran zu denken, dass es auch besser wird. Hab einen schönen Tag ❤

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