Die Sonne ist angekündigt

Heute morgen blicke ich auf einen kotzfreien Tag zurück und es fühlt sich gut an. Doch komischerweise sitze ich heute früh nicht mit der Grundstimmung „Ich bleibe heute kotzfrei!“ am Frühstückstisch. Ich esse einfach und es steht fest, dass ich nach dem Frühstück nicht kotze, ich gehe dann zur Uni, und auch so haben mein Müsli und ich uns angefreundet. Doch was heute noch kommt, weiß ich nicht – Doris ist so ungewöhnlich still. Die Gedanken an einen Fressanfall sind da, aber das Verlangen ist kaum zu spüren – Wieso sollte ich? Heute wird ein voller Tag, Vorlesungen, ambulante Therapie, ausnahmsweise heute schon, vielleicht noch ein Treffen mit Freunden zwischen den Vorlesungen. Die Letzte ist dann um 8 zu ende und dann werde ich erst wieder in die Wohnung gehen, den ganzen Tag außerhalb verbringen, von daher lass ich dem Verlangen den Tag über keine Chance sich auszubreiten. Ich mag solche Tage, man kann sich immer an den nächsten Punkt halten, immer Eins nach dem Anderen abhaken. Solche durch Termine verplante Tage sind ein bisschen Gift für Doris, klar zum Kotzen ist immer Zeit und ein Fressanfall schafft es in jede noch so kleine Zeitlücke. Auch heute warten Lücken auf Doris, die sie nutzen wird zum sanften Verführen. Doch die Gedanken auszuführen, das ist anstrengend, erfordert jede Menge Verstellung damit es niemand mitbekommt, Planung damit trotzdem alles seinen geregelten Gang geht, Kraft die Maske aufrecht zu halten und das sind nur 3 Aspekte – ich bin perfekt darin, habe es ausgefeilt, routiniert, Doris und ein „normales Leben“ zu einer perfekten Symbiose zusammengefügt. Ich habe aber gemerkt, dass es ohne Doris das „normale Leben“ so viel mehr bietet, es erlaubt in Freistunden zwischen den Vorlesungen zum Beispiel die Sonne zu genießen, statt zu überlegen, auf welche Toilette ich gehe oder wo ich mir als nächstes etwas zu essen hole, während ich einen Uni-Text noch kurz vor der Vorlesung lese, weil ich den Tag davor die freie Zeit dafür mit ausgiebigen Fressanfällen vergeudet habe. Ich habe beschlossen, ich werde mir Stück für Stück eine Routine erstellen ohne Doris. Zur Zeit ist es statt der Ausführung von Doris Anliegen, der Kampf gegen Doris, der mit dem „normalen Leben“ harmonieren muss, aber es gibt auch schon Momente, des einfach freie Zeit genießen und mich nicht ständig im Kreis zu drehen, nicht zur Ruhe zu kommen. Ich werde es ausbauen, wie gestern einfach ab und an nur mal in der Sonne zu sitzen, auch wenn ich dabei gegen die negativen Gedanken ankämpfe, kann sich Doris nicht zwischen mich und die Sonne stellen, auch wenn sie sich noch so aufbläst, denn ein Kugelfisch schwimmt ja hauptsächlich unter Wasser.

Ich bin gespannt was der Tag bringt – auf jeden Fall soll es Sonne geben, laut Wettervorhersage 🙂

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3 Gedanken zu “Die Sonne ist angekündigt

  1. Es hört sich weicher an, was du schreibst. Nicht mehr so nach Kampf um jeden Preis. Mehr ein Fließen lassen. Kleine Schritte machen. Dir einen guten vollen Tag. Ich gehe nachher noch in die Jakobskirche in Weimar und zünde dir eine Kerze an.

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    1. Ja, ich glaube wenn ich mich kaputt kämpfe, bringt es nichts… Ich werde versuchen, das Leben und die Sonne/ Gott auch einen Teil einfach übernehmen zu lassen.
      Danke für die Ermutigung, ich wünsche dir auch einen gesegneten Tag 😉

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