Lebenszeichen

Gestern war Aschermittwoch, der Beginn der Fastenzeit welche 40 Tage bis Ostern dauert. Der Name rührt daher, dass sich die sündigen Menschen früher an diesem Tag ihr Bußgewand angezogen und Asche als Zeichen der Reue über den Kopf geschüttet haben. Das Gewand wurde nun 40 Tage bis Ostern getragen, um durch das damit verbundene Buße tun wieder ein „reiner“ Mensch zu werden. Das Fasten hatte den selben Hintergrund und geht auf das Vorbild von Jesus zurück, welcher 40 Tage in der Wüste eine Fastenzeit beging. Es wurde vor allem auf Fleisch verzichtet und neben kleinen Mahlzeiten zur Stärkung nur eine große pro Tag gegessen. Doch es kam nicht nur auf den Verzicht von Nahrung in der Fastenzeit an. Einen wichtigen, vordergründigen Aspekt bildete das Beten und das Festigen der Bindung zu Gott in der Zeit, um sich so auf Ostern vorzubereiten.

Letztes Jahr am Aschermittwoch war ich in Santiago de Compostela und habe der Pilgermesse beigewohnt. Ich bekam das Aschekreuz und sah das Botafumeiro schwingen. Gerade ist es einfach unfassbar, dass all das – der ganze Pilgerweg – nun schon fast ein Jahr hinter mir liegt. Erinnerungen kommen hoch, von dem grandiosem Gefühl dort in der Kathedrale gesessen zu haben und zu wissen: Ja ich habe den Weg gemeistert. Und heute? Heute schreibe ich, dass ich ein leichtes schlechtes Gewissen habe, weil ich hier in letzter Zeit sehr selten unterwegs war bzw. von mir hab hören lassen. Ich kann auch nicht sagen, dass ich denke es wird sich in nächster Zeit ändern. Ich habe oft dran gedacht hier etwas zu schreiben, oft dran gedacht hier von mir hören zu lassen, aber oft kam etwas dazwischen oder die Worte erschienen sinnlos. Ich möchte hier nicht aus Zwang schreiben, weil ich denke ich müsste, ich möchte nicht Worte aneinanderreihen, um etwas geschrieben zu haben. Ich möchte schreiben, weil es mir gut tut und ich Muse dazu habe. Gerade schaffe ich es.

Der zweite Monat des Jahres geht nun schon gedanklich in meinem Kopf auf sein Ende zu und somit lassen sich meine noch verbleibenden Arbeitstage an einer Hand abzählen. Wie es danach konkret weitergeht steht noch nicht fest… es schweben so viele Pläne in meinem Kopf, jedoch nichts konkretes. Nur meine Bachelorarbeit, die ich in Angriff nehmen werde bildet einen sicheren Aspekt.

Vorgestern stand ich mal wieder auf der Waage… Und da zeigte sich eine Überraschung mit der ich nicht gerechnet hatte: genauso viel wie am 30.11.17. Das heißt ich habe einfach mein Gewicht gehalten und das über 2 Monate, über Weihnachten – ohne zu erbrechen. Ja ich hatte Tage des Hungerns, Tage des Fressens dabei – aber zurückblickend im Ganzen betrachten doch ein einigermaßen geregeltes Essverhalten. Mein Fazit welches ich daraus ziehe: Ich mache einfach weiter so. Klar ist meine Nahrungsaufnahme noch lange nicht leicht und problemlos. Doch das Beste an dem Ganzen: Ich kann die Zahl auf der Waage akzeptieren – sie ist ok. Auch meinen Körper stufe ich gerade als ok ein. Obwohl er ja irgendwie gleich geblieben ist, fühlt er sich nun besser an als Ende November. Das zeigt mir: Um mich anzunehmen, muss ich nicht mein Gewicht verringern, sondern aushalten und daran arbeiten, dass sich mein Blick auf mich verändert. Der Drang zu (fr)essen ist noch oft da, oft auch so, dass ich ihm einfach gehorchen muss. Doch das Verlange kotzen zu gehen ist geringer geworden bis kaum noch vorhanden und die Waage hat mir gesagt: Ich brauche es auch nicht. Auch wenn ich mich ungern auf die Waage berufe und ihr auch weiterhin keinen festen Platz in meinem Leben geben möchte… einmal im Monat werde ich beibehalten. Es kommt mir zwar vor als wäre ich die Selbe wie vor einem Jahr in Santiago, als hätte sich nichts verändert, doch das stimmt nicht. Es hat sich etwas verändert in meinem Leben und das was neben der Haarlänge ganz vorne steht, ist der Umgang mit mir selbst. Diesem möchte ich mich in den nächsten 40 Tagen widmen. Ich habe mir vorgenommen jeden Tag eine halbe Stunde einzuplanen, in der ich einfach nur sitze, liege oder spazieren gehe – ohne Handy, ohne Laptop – nur ich, die Stille oder auch mal Musik mit meinen Gedanken, Gefühle und meinem Glauben. Weiterhin werde ich die Fastenzeit begehen indem ich Schokolade faste und es versuche zu vermeiden alleine Alkohol zu trinken. Diese beiden Sachen sind für mich vertretbar und sinnvoll. Ich hoffe, dass ich damit die angestiegenen abendlichen Fressanfälle reduzieren kann.

Was steht sonst so an bei mir? Ich werde mit einer Freundin am kommenden Sonntag für 4 Tage nach Athen fliegen und freue mich schon riesig darauf. Endlich mal wieder raus, die Probleme und Sorgen hier für bestimmte Zeit in den Hintergrund rücken und Kraft tanken. Ich denke, dass ich hier auf jedem Fall davon berichten werde!

Ansonsten wünsche ich euch einen schönen Resttag und sende liebe verschneite Grüße 🙂

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Eure Elli

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6 Gedanken zu “Lebenszeichen

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