Zuhören

Worte wo seid ihr?

Ich suche euch. Ich starre auf die schwarzen Tasten mit den weißen Buchstaben und hoffe, dass meine Finger daraus Worte entstehen lassen. Doch die Verbindung zu meinem Kopf scheint zu fehlen. Nur mühsam gruppieren sich die Buchstaben und wie so oft hinterfrage ich mit einem Wieso? Fehlt der Elan? Nein, ich will schon seit einigen Tagen wieder etwas schreiben, aber entweder verschwanden Ideen unter der Müdigkeit, Überlegungen wurden durch Aktivitäten verhindert oder eine Leere füllte meinen Kopf. Gestern hatte ich mal wieder eine Stunde bei meinem Therapeuten, eine Stunde die mich bestätigt hat, trotz der Zweifel nach den letzten Sitzungen doch weiterhin hinzugehen. Auch wenn ich mich derzeit, was die Essstörung angeht, stabil fühle, es gibt dahinter etwas aufzuarbeiten. Gestern tat es einfach gut reden zu können, ich bin mit einem wahren Gefühl der Erleichterung aus dem Raum raus. Ein völlig anderes Gefühl als die letzten Male, als ich die Gespräche irgendwo zwischen nutzlos und wieso noch? einstufte. Es liegt vielleicht auch daran, dass ich mich gestern noch ein Stück mehr öffnete und über Gefühle redete und wir überlegten, wie genau ich denn nun was verändern könnte, statt immer nur nach einem Warum zu fragen. Was bringt es mir zu wissen, wieso ich so bin wie ich bin, wenn ich damit nicht klar komme oder wenn ich daran nichts ändern kann? Ich kann gut mit Menschen, ich kann auf sie eingehen, sie unterhalten, versuche sie zu verstehen und manchmal auch Ratschläge geben, zusammengefasst kann ich auf zwischenmenschlicher Ebene alles außer über mich (wirklich mich) zu reden. Der Blog hier hat mich sehr unterstützt zu lernen mich zu öffnen und mich (auch mir) zu zeigen. Inzwischen gibt es einige Freundinnen bei denen ich es schaffe auch ab und an über mein Inneres zu reden, aber es gibt auch viele Beziehungen, unter anderem zu meiner Familie, bei denen es nicht geht. Ich frage mich immer was es bringen soll über meine Gedanken und Gefühle zu reden, denke das interessiert eh keinen, im Grunde ist es auch unwichtig und am Ende ist es eh nur belastend. Diese Gedanken habe ich und diese Bewertung nehme ich jedoch nur von meiner Seite aus vor, andere ermutige ich über sich zu reden und habe kein Problem damit. Ich bin halt als die groß geworden, die immer zuhört, das war schon immer eine Stärke von mir und ich helfe auch gern. Nur mir selbst habe ich nie zugehört, wozu auch? Doch zum Glück habe ich im letzten Jahr eine Verbindung gefunden bzw. gestärkt, die auch auf umgekehrten Weg funktioniert. Einen Weg für den ich eigentlich keine großen Worte brauche, wo es nicht schlimm ist, wenn sie mir mal fehlen. Es ist Ansprechpartner bei dem ich weiß, dass er immer da ist und mir zuhört. Doch auch bei ihm fällt es mir manchmal schwer zu reden oder ihn überhaupt in Betracht zu ziehen. Manchmal sind meine Angst zu enttäuschen, die Scham ihn nicht zu wertschätzen, meine Zweifel ob es nicht doch belanglos und lächerlich ist oder Vorwürfe Hilfe nicht zu verdienen zu groß, um mich wirklich im anzuvertrauen, auch wenn ich weiß, dass er meine Anliegen auch so kennt ohne das ich mich an ihn wende. Aber ich glaube, er möchte gerne gebeten werden zu helfen, denn so sieht er, dass es sich lohnt da zu sein. Im Grunde genommen ist es seine einzige Bedingung, die er erwartet: das ich mich an ihn wende, aus Vertrauen und Liebe heraus – egal mit wie vielen Worten. Doch Gott sind auch die Verbindungen zwischen den Menschen wichtig. Ich nehme mir vor in dieser Beziehung zu lernen. Gestern habe ich nach der Therapie wundervolle Stunden mit einer Freundin verbracht, einer bei der es geht auch mal über mich zu reden. Gemeinsam schaffen wir es aber auch Probleme Probleme sein zu lassen und zu lachen. Und nun sind es doch einige Worte mehr geworden als gedacht, aber das hinterfrage ich jetzt mal nicht. Ich lasse mein Leben mal weiter dahinplätschern, das sich zur Zeit wie irgendetwas zwischen einem glitzernden ruhigem See und einem breiterem Fluss anfühlt – gut und ok, auch wenn Therapeuten nie annehmen wollen, dass es so ist.

Ich wünsche euch einen schönen und gesegneten Abend!

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Und die Mützenzeit beginnt 🙂
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2 Gedanken zu “Zuhören

  1. Du hast eine große, schöne Seele! Auch Dein Eintrag heute, erzählt von ihr. Und es tut gut das zu lesen und mit- und nachempfinden zu dürfen. MIR tut es sehr gut! – Dankeschön, liebe Elli! Und weiter einen so guten Weg für Dich. DU bist es, die ihn beim und mit Deinem Gehen entstehen ließ und länger werden lässt. Er, DIESER Weg, soll ganz, ganz lang werden.

    Dir auch ganz viel Segen und sehr liebe Grüße!

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    1. Lieber sternfluesterer, danke für deine Worte, ich freue mich von dir zu hören! Es tut gut zu lesen, das es dir gut tut. In letzter Zeit habe ich es leider nicht geschafft hier so viel zu sein. Ich schicke dir ganz ganz liebe Grüße zurück!

      Gefällt 1 Person

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