Ich fühle mich derzeit…

… oft schlank. Oh man das zu schreiben ist echt komisch, aber es ist die Wahrheit. Ich befinde mich zwar immer noch auf einer Achterbahnfahrt der Wahrnehmung – mal so mal so, aber in den letzten Tagen war es öfter mal ein – ich bin doch schlank und es ist ok so, ich möchte nicht mehr viel dünner sein. 4 Monate der Abnabelung von Doris hat es gebraucht, um das zu erreichen. 120 Tage, in denen ich mich mit 5 Kilo weniger dicker und unwohler gefühlt habe als heute. Zur Zeit spiegelt mich der Spiegel realer wieder, bzw. ich sehe mich in meinem Spiegelbild realer und weniger verzerrt glaube ich. Ich sehe, das ich zugelegt habe, aber finde es nicht mehr schlecht oder gar falsch. Vor 10 Tage zeigte die Waage 58 kg – noch immer eine Angstzahl, aber ich fühle mich nicht wie die Zahl. Mein Gewicht heute: 28.09.17 – mein heutiges Lebensgewicht, so fühle ich mich – im Leben. Auch wenn mir das graue Wetter etwas die Freude nimmt raus zu schauen… Ich bin nicht mehr so dünn, wie eine Schaufensterpuppe und passe in keine 36er Hose mehr, aber das will ich auch gar nicht mehr. Meine Ideale haben sich mit meinem Weg weg von der Essstörung verändert, genauso wie ich mich verändert habe. Und wie schon oft geschrieben, Veränderung macht Angst, da Veränderung Unsicherheit, Ungewissheit, Kontrollaufgabe und Haltlosigkeit bedeutet. Vielleicht ist ein erster Schritt der Veränderung bei mir gerade abgeschlossen, sodass ich die Veränderung akzeptieren kann? Sodass ich die Situation jetzt als richtig ansehe und nicht mehr den Halt von vor der Veränderung anstrebe. Sehe ich jetzt schlanke Frauen und Mädchen auf den Straßen, denke ich mir oft – die ist aber dünn, so willst du nicht wieder aussehen und bin zufrieden mit meinem derzeitigen Körper, auch wenn ich ihn alles andere als perfekt einstufe. Noch vor einigen Wochen kannte ich solche Gedanken kaum. Da dachte ich immer: Die ist aber schön dünn, so möchte ich sein, ich möchte in eine 34 oder 36 passen. Ich möchte genauso aussehen, aber was bin ich? Viel dicker… Ich denke man fühlt sich so, wie man sich selbst bewertet – dabei sollte man sich nicht in schlank oder dick bewerten, sondern in ich bin richtig. Wir haben als Menschen keinen natürlichen Einfluss auf unseren Körperbau, wo das Fett ansetzt, wo Muskeln entstehen, welcher Hauttyp wir sind… Das kann manchmal frustrierend sein, vor allem wenn man ein Wunschbild von sich im Kopf trägt, eine Vorstellung, wie man in einer Hose aussehen möchte und dann aber die Oberschenkel zu breit sind. Zu dünn oder zu dick – Menschen werden eingeordnet und in einem gewissen Maße ist es auch gut, um zu helfen, wenn es die Gesundheit betrifft, die darunter leidet. Doch in meinen Augen herrscht in der Gesellschaft schon fast ein Zwang sich und andere zu aufzuwerten oder zu entwerten. Neulich fragte mich mein Bruder „Wer von euch Schwestern ist eigentlich die Dickste?“ Wieso will er das wissen, findet er mich dick?, spuckte gleich in meinem Kopf…. Im ersten Moment habe ich schon geschluckt, ich wollte mich nicht einordnen, hatte Angst das ich das sein könnte. Aber was wäre denn so schlimm daran? Wäre ja immer noch ich… Ich antwortete: „Ich bin als Älteste die Kleinste“ Eine Antwort die ihm reichte. Ich sah wieso er gefragt hatte. Er sortiert die Einweckgläser im Fensterbrett. Alle unterschiedlich groß und breit. Es waren 6 Gläser für Mama, Papa und die Kinder. Papa bekam das Höchste und Breiteste, er selber war das Kleinste. Er stellte sie nun der Größe nach auf und sagte, weil du die Älteste bist bekommst du das breitere als M… und weil Mama die Kleinste von den Mädchen ist bekommt sie das… Es ging ums einordnen. Er verfolgte keinerlei Absicht damit mich zu entwerten, sondern wollte nur zuordnen. Geht es beim beschreiben mit dick oder dünn nicht auch nur darum? Um jemand einzuordnen oder zuzuordnen. Irgendwann einmal hieß dick, fruchtbar und begehrenswert, heute heißt schlank, hübsch und erfolgreich – komisch, wie sich das verändert oder? Und es ist so falsch – nur nach dem Äußeren zu ordnen. Doch es ist fest verankert in den Köpfen, nicht zu lösen. Das was wir können, ist dennoch versuchen zufrieden zu sein, mit dem wie wir sind und nicht zu versuchen uns zu verstellen um in ein Bestimmtes Schema zu passen – doch das ist gar nicht so einfach bzw. manchmal schier unmöglich. Wie weiter oben schon geschrieben – wie wir aussehen, darauf haben wir im natürlichem Maß ganz wenig Einfluss. Es ist wie mit dem Wetter – es regnet oder es scheint die Sonne, welches Wetter gerade ist, wenn die Gartenparty geplant ist, darauf haben wir keinen Einfluss. Was ist also zu tun? Sich dem Wetter beugen und wütend zu Hause bleiben oder mit Regenschirmen tanzen, sich trotzdem trauen raus zu gehen, auch wenn man mit dem Wetter nicht zufrieden ist. Irgendwie hinkt dieser Vergleich zwar vorne und hinten, aber das was ich damit sagen will: Ich habe verstanden, das ich mein körperliches Aussehen genauso wenig verändern kann wie das Wetter und habe glaube ich gelernt, wenn ich unzufrieden und vom Regen durchnässt bin, trotzdem noch ich bin. Im Endeffekt kommt es nicht darauf an, ob das Glas breit oder hoch ist, sondern mit was es gefüllt wird. Eine wichtige Zutat die ich zu fühlen begonnen habe in meinem Leben ist Hoffnung – hoffen = es ist noch nicht wie es sein soll, aber es wird vielleicht kommen. So wie die Sonne heute hoffentlich…

Ganz Liebe Grüße und eine Portion Hoffnung für jeden! Eure Elli 😉

4 Gedanken zu “Ich fühle mich derzeit…

  1. Ich traue mich jetzt was zu schreiben, liebe Elli, was Du, wie ich hoffe, wie ich eigentlich zu wissen glaube, richtig einordnen wirst. Wenn nicht, dann habe ich etwas verkehrt gemacht, aber ich traue mich trotzdem, weil Dein Text so ungeheuer schön ist und weil mir diese Worte, ganz spontan einfielen als ich ihn zu Ende gelesen hatte: Elli, ich mag Dich, hab‘ Dich gern, hab‘ Dich im Herzen lieb, so wie Du bist!

    Dafür brauche ich Dich nicht sehen. Deine Ausstrahlung, in, durch und zwischen Deinen Zeilen, lässt Dich schön sein. Und das ist was anderes, ist mehr als „hübsch“.

    Seit einiger Zeit bist Du eine richtige „Strahlefrau“. Dass Du so schreiben kannst, wie Du das gerade tust hat soviel mit Dir und einem wunderbaren Wandel Deinerselbst zu tun – und dieser Wandel ist so überzeugend, weil Du ihn so schlüssig beschreibst, vielleicht sogar unbewusst – so, dass ich ganz große Zuversicht habe, dass Du Deine Krankheit besiegen wirst.

    Was Du über „Veränderung“ geschrieben hast, entspricht genau meinem Empfinden. – Meine Situation ist insoweit gerade eine ganz ambivalente. Ich möchte auch Veränderung (ungeachtet aller Ängste und Bedenken davor), aber meine (leider wieder häufiger auftretenden) Symptome signalisieren mir, dass es noch immer nicht wirklich funktioniert. Dieses Empfinden wiederum, ist wie der Anfang eines Soges, gegen den ich ankämpfe, aber immer schaffe ich es nicht, ihm Paroli zu bieten. Leider …

    Um so mehr Freude schenken mir Deine Zeilen. Ich bin dankbar dafür, auch wenn Du sie ja nicht für mich geschrieben hast. Aber das Miterlebendürfen von mehr Freiheitsempfuinden bei einem, der schön ist in dem Sinne, wie ich es oben auszudrücken versucht habe, ist wie einen Sonnanaufgang zu sehen.

    Das mag sehr, sehr pathtisch klingen – sieh‘ es mir bitte nach – aber ich empfinde halt so. Das bin ICH …

    Viele aufrichtig liebe und freundschaftliche Grüße an Dich!

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    1. Lieber sternfluesterer, deine Worte zu lesen tuen mal wieder so gut. Du hast eine Art einfühlsam zu verstehen. Und deine Worte, zu Beginn: Ja ich verstehe wie du es meinst und normalerweise tue ich solche Worte innerlich ungläubig ab, weil ich erst dabei bin so etwas anzunehmen zu lernen.. Anders bei deinen Worten, die haben gleich mein Herz erreicht und ich spüre, dass du es ernst meinst. Danke, dafür!
      Die Zeilen habe ich für jeden geschrieben, der sie ließt, ob er nun genau so empfindet oder anderer Meinung ist – es kann beides etwas bewirken, umso mehr freue ich mich dein Rückmeldung zu lesen 🙂 Genau so bist du und so wie du bist, bin ich auch froh dich hier kennengelernt zu haben!
      Ganz ganz Liebe Grüße zurück 😉

      Gefällt 1 Person

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