Livorno und ein wenig Gefühlsduselei

Nur rum liegen und lesen und mal einen Strandspaziergang? … Erschien mir heute morgen zu langweilig, also setzte ich mich eine viertel Stunde in den Bus und fuhr nach Livorno, die nächste große Stadt hier. /Zunächst eine kleine Randbemerkung: Das Busfahren hier ist vor 10 und ab 16 Uhr kostenlos hier in der Gegend, meiner Vermutung nach damit die Leute zur Arbeit kommen. Meinen Euro wollte der Busfahrer hin und zurück nicht annehmen. In Deutschland hätte ich für den Weg 5 Euro gezahlt…/ Gegen 10 kam ich an, fand nach etwas suchen und fragen dann doch eine Touristinformation und bekam einen Stadtplan. Livorno ist eine Hafenstadt, mit einem kleinen, aber auch einem großen Frachthafen.

In diesem Zusammenhang gibt es einige alte Festungen zu sehen, auch wenn sie für mich, genauso wie die Kirchen, nichts besonderes darstellten.

Das beste waren die Viertel, die Venezia Nuovo (neues Venedig) genannt werden.

Flüsse, Boote und Brücken zwischen den Häusern, wenn auch bestimmt nicht so schön und ausgebaut wie in Venedig. Venedig, diese Stadt habe ich noch nicht gesehen, aber reizen tut sie mich schon lange. Die Sonne strahlte heute wieder vom blauen Himmel, jedoch blieb der Wind, weshalb mir auch heute kein Meergang vergönnt war. Schlimm finde ich das nicht – kann man halt nicht ändern. Tja und das war es auch schon was ich an Aktivität für heute zu berichten habe. Eine besondere Begegnung hatte ich heute mit einem Italiener der mich hilfsbereit ansprach, als ich versuchte meine Karte im Wind zu bändigen. Ich fragte ob ich zu dem Ziel welches ich hatte, auf dem richtigen Weg sei – er bejahte und ich ging weiter. Als ich an der nächsten Ecke stehenblieb um ein Foto zu machen, kam er von der gegenüberliegenden Straße nochmal auf mich zugeeilt – ca. 35 Jahre, mittellanges blondes Haar (ohne seine sonnengebräunte Hautfarbe hätte ich ihn eher nach Schweden oder Finnland geordnet) und eine Holzleiter geschultert – seiner Mimik nach froh mich nochmal zu treffen. Er könne mir helfen…, sagte er und erklärte mir wohin ich unbedingt laufen soll und was sehenswert ist, außerdem führte er mich zu einem guten und normalpreisigem Restaurant mit dem besten Wein der Stadt (entweder habe ich nicht den gleichen Geschmack oder den falschen gewählt…, die Pizza war jedoch grandios). Das Geheimnis der Leiter: Er ist Restaurateur und erzählte mir so einiges über Gebäude an denen wir vorbeikamen. Mit leuchtenden Augen berichtete er mir und er sprühte vor kindlichem Stolz und freute sich mega darüber mir “verlorener Touristin“ “helfen“ zu können. Es war nett Antonio zu treffen, wenn auch etwas überraschend und ein wenig aufdringlich, bin ich froh darüber. Gegen 5 erreichte ich dann das Hostel wieder, ließ mir am Strand noch etwas die Haare zerzausen und setzte mich mit Musik in den Ohren in den Garten des Hostels in einen Liegestuhl. Und nun überkam mich die Muße zu schreiben und zu berichten. Meine Erlebnisse zu teilen.

Heute fühle ich mich zum ersten Mal seit den Tagen etwas einsam, woran das liegt weiß ich nicht. Es ist kein einsam sein im Sinne von verloren oder hilflos sein,kein negativ angehauchtes Einsam, sondern ein eher positives, ich bin hier alleine und vermisse meine Leute um mich her, die Familie, Freunde und auch meine Arbeit etwas. Hier alleine in dem 10 er Zimmer, Kinder die zusammen draußen spielen… man darf sich auch mal alleine fühlen oder? Doch es scheint als habe ich so etwas bisher nie an mich rangelassen – Heimweh fühlen ist sehr selten für mich, erlauben es zu haben war irgendwie verboten, dabei ist es doch nichts für das man sich schämen muss, nichts negatives. Es fühlt sich auch nicht schlecht an, es schließt die Vorfreude auf zu Hause mit ein. Was soll falsch daran sein, wenn ich mir gerade wünsche in meinem Bett zu Hause zu liegen, in der gewohnten Umgebung? Trotzdem bin ich froh hier zu sein und glücklich das gemacht zu haben und zu machen. Auch so ein Widerspruch darf glaube ich sein, nichts was man unterdrücken oder wegessen müsste… Oh man manchmal komme ich mir derzeit vor wie ein Kindergartenkind, das seine Mama fragt “Was ist das?“ und ihr eine abgewischte Träne hinhält. Gerade jetzt bei dem Schreiben der letzten Zeilen oder gestern als ich am Strand stand und vor Freude einfach nur blöd aufs Meer raus gegrinst habe. Mich so “klein“ damit zu fühlen empfinde ich auch irgendwie als unangenehm und peinlich, nicht schicklich. Doch das zu unterdrücken wäre ja das was ich bisher auch gemacht habe. Deswegen schreibe ich hier. Es ist doch nur das was ich spüre und das kommt vom Inneren, von mir – richtig oder falsch wird ein Gefühl erst, wenn ich aus ihm heraus handle – jetzt ist es erstmal nur da und darf da sein, ganz neutral. Etwas was ich derzeit versuche: Gefühle nicht von vornherein in eine Schublade zu stecken. Zum Beispiel können Wut (über etwas unrechtes) oder Trauer (zur Reinigung) durchaus gut und notwendig sein, je nachdem wie man damit handelt. Das ich scheinbar Gefühle immer wieder unterdrückt habe, spüre ich in letzter Zeit öfter. Ja die Nebelhülle der Essstörung schwindet… Morgen geht es zurück nach Pisa für die letzten 1 1/2 Tage.

Ganz liebe Grüße eure Elli 😉

Ein Gedanke zu “Livorno und ein wenig Gefühlsduselei

  1. Du bist ein bezauberndes „Kindergartenkind“ – es ist so berührend, die Gedanken, die Du in Deinen letzten Zeilen sichtbar werden ließest zu lesen. Das ist soooo schöööön! Schön, dass Du so zu fühlen vermagst, wie Du das beschrieben hast. Hinterfrage es nicht, liebe Elli, lass es einfach so sein. Es SOLL so sein – und ich wünsche Dir, dass es bleibt oder wenigstens immer, immer wieder kommt.

    Genieße noch die verbleibende „italienische Zeit“ – und dann wünsche ich Dir eine glückliche, gesegnete Heimkehr.

    Ganz viele, nur sehr liebe, Grüße an Dich!

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