Calambrone

Gestern (11.09.) ging es von Florenz wieder nach Pisa. Nach der erholsamsten Nacht der bisherigen Reise und 1 1/2 h Zugfahrt spürte ich Taten- und vor allem Bewegungsdrang. Ich hatte mir ein Hostel 20 km entfernt am Meer gebucht in dem kleinen Örtchen Calambrone, da es eventuell noch einige Regenschauer geben sollte. 20 km – die kann ich auch laufen, dachte ich und spazierte mit meinem Rucksack los. Es war gegen 11 Uhr, ich würde un die 4 Stunden brauchen und könnte im Hostel eh erst ab 15 Uhr einchecken. Zu Beginn hatte ich Freude daran zu laufen und die Natur zu genießen, der Weg führte am Fluss entlang aus der Stadt heraus. Dann schickte mich Google Maps auf eine Landstraße, die wie in Italien eigentlich jede Straße schnell befahren war. Es war unbequem und ungemütlich auf den viel zu schmalen Seitenstreifen zu laufen. Zudem hatte ich den Fehler begangen in meinen Turnschuhen ohne Strümpfe loszustiefeln… War es zu Beginn angenehm gewesen, wurde mit der Zeit eine Blase spürbar, auch der Rucksack (garantiert 10 kg) drückte und rieb auf den Schultern. Und ich will auf den Jakobsweg gewesen sein? Zumindest machte sich ein Pilgerfeeling in mir breit, was mir zu Beginn noch gute Laune gab. Nach einer Stunde Landstraße wurden immer noch 10 km, 6 davon weiter auf der Straße, angezeigt, ich hätte gerade mal die Hälfte geschafft und fühlte mich nach den 2 h, als wäre ich den ganzen Tag gelaufen. Wieso hatte ich bloß diese Idee? Weil ich es trotzdem genossen hatte zu laufen, und dabei abzuschalten zumindest bis die Gedanken ans aufhören und do Schmerzen kamen, es waren auch garantiert gefühlte 40°C. Tja manchmal bekommt man die Antwort auf das warum sofort und auch auf die Frage “Wie mache ich jetzt weiter?“ In dem kleinen Ort in dem ich gelandet war, stand ich unerwartet vor einer romanischen Kirche, im Inneren erwarteten mich wunderbare mit bunten Bildern bemalte Wände.

Der richtige Ort für ein Gebet, das spürte ich. Immer wieder waren mir gegen Ende der ersten 10 km der Gedanke “Du hast so viel gegessen die letzten Tage, die Kalorien musst du jetzt verbrennen“ durch den Kopf. Ich war unfähig zu sagen ob ich oder die Essstörung mich vorantrieb. Die letzten Tage kaum präsent, reizte sie mich die restlichen 10 km ohne Mittag zurückzulegen und das Hungergefühl voll auszukosten. Etwas leichtfertig versprach ich entweder etwas zu essen oder den Bus zu nehmen und dann erst etwas zu essen, je nachdem was als erstes meinen Weg kreuzt. Es war ein Busschild, kaum stand ich da und inspizierte die Abfahrtszeiten hielt ein Auto an. Der Fahrer fragte wohin und möchte mich darauf aufmerksam, dass ich dafür auf der falschen Straße sei. Er nahm mich ein Stück mit und setzte mich unweit von der Richtigen ab. Kaum ausgestiegen kam der Bus… Ich noch einige Meter entfernt rannte wild winkend auf ihn zu – der Fahrer wartete und lachte mich beim Einsteigen amüsiert an. Gibt es einen augenscheinlicheren Weg um gesagt zu bekommen “Genug jetzt!“?

Also fügte ich mich der Fügung und stieg in dem Ort 3 km vor dem Hostel aus um etwas am Strand entlang zu laufen, auf dem Weg kreuzten etliche Restaurants den Weg, sodass ich zu Pasta nicht mehr nein sagen konnte. Satt und heile erreichte ich gegen 3 das Hostel. Den 10-Frauen Schlafsaal hab ich für mich alleine. Ein bisschen entspannen am Strand war mein Plan, denn ich muss zugeben die letzten Tage waren zwar schön aber den ganzen Tag umher laufen und etwas anschauen ist anstrengend – irgendwie wundert es mich da gar nicht, dass mein Eiskonsum immens angestiegen ist. Naja jedenfalls wurde mein Traumbild, von am Strand liegen, weggepustet.

Der Wind ließ kein Haar dort wo es war.

Ich begnügte mich damit am Meeresrand entlang zu spazieren und genoss das Gefühl, wie der Wind in Haar spielte, auch wenn ich es gleichzeitig verfluchte. Ansonsten steppt hier in dem Örtchen kein Bär, außer einem Supermarkt und Restaurants (die Montag geschlossen haben… wieder Fügung das ich unterwegs ordentlich gegessen hatte) und Hotels gibt es hier nichts, und natürlich das Meer.

Am Abend hatte ich also noch Zeit und Lust etwas zu lesen und so ließ ich den Abend zur Abwechslung mal liegend ausklingen und war zufrieden mit dem Tag – hätte, wäre, wenn…egal, es war so wie es ist, weil es mein Tag war.

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2 Gedanken zu “Calambrone

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