Florenz

Ich komme zu nichts… keine Hausarbeit, kein sortieren der Bilder, kein großes Beantworten der Nachrichten, die ich bekomme, nicht zum Buch lesen… und es ist gut so! Ich bin ganz hier, ganz in Italien, ganz im hier und jetzt – bei dem Geigenspieler dort drüben, bei dem grandiosen Gebäude dort, bei dem beeindruckenden Ausblick, bei dem leckerem Eis, in dem Flair…

und ich genieße es, hänge meinen Gedanken nach oder denke gar nichts groß, lächle in den Tag und lass mich fallen im Gefühl des Nichts-Müssens. Ich habe keinen Stress, kein straffes Programm, wenn ich nichts anschaue dann ziehe ich es vor das was da ist wahrzunehmen oder mich auszuruhen statt mich abzulenken. Der Tag lächelt zurück, nicht unbedingt mit Sonnenschein, der versteckte sich heute hinter den Regenschauern, aber durch die Stadt und die Menschen. Die letzten beiden Tage habe ich mir Florenz angeschaut – habe ich schon erwähnt, das ich fasziniert von der Stadt bin? Sie ist nicht im Gesamten schön in meinem Augen, sondern besonders ab vielen Orten, wie dem Plazza Duomo, die Aussicht von der Gegend auf den Bergen, unter anderem dem Michelangelo oder die Atmosphäre und Sicht an den Brücken am Fluss

.

Seit den beiden Tagen und so einigen Begegnungen frage ich mich intensiv was ich an mir habe. Ich bin in meinen Augen nicht ungewöhnlich hübsch und habe nun echt nicht die besten Klamotten mit, ich bin froh darüber, dass die noch einigermaßen sauber sind. Man weiß ja, dass die Italiener Casanovas sind und auch mit Komplimenten nicht geizen… aber bei so jemanden wie mir? Es wird ein Lächeln ausgetauscht und ein Blick mehr zugeworfen, und nicht nur einmal bella gesagt… Doch ich will von vorne anfangen. Am Samstag kam ich müde und nicht gerade ansehnlich in meinen Augen mit dem Zug in Florenz an. Ich suche mir meinen Weg zum Hostel und gelange zur Kathedrale und bleibe mit einem Wow vor ihr stehen.

Ich folge in Gedanken versunken den Gässchen in Richtung Hostel, das spricht mich ein junger Italiener aus seinem Ledergeschäft heraus an – Romino. Er war nicht hässlich, aber auch nicht mein Traumtyp. Wie es mir geht – gut. Was ich hier mache – Urlaub und mein Hostel suchen :p. Woher ich komme, ob es mein erstes mal in Florenz ist …. wir plaudern eine Weile und er fragt ob ich am Abend mit ihm ausgehen möchte, gute italienische Spaghetti essen. Er müsse bis 8 arbeiten, dann soll ich ihn abholen. Ich dachte mir wieso nicht? Er machte einen freundlichen und aufrichtigen Eindruck. Doch es war ja fast noch ein ganzer Tag bis dahin. Auf dem Weg zum Hostel grübelte ich, wieso ich… ich hatte 2 Tage nicht geduscht, habe irgenwo geschlafen, Augenringe, meine Haare lagen struppig irgendwie nur nicht so, wie sie sollten und wenn ich an mir herunterblickte sah ich das viele Eis der letzten Tage ganz eindeutig an Bauch und Oberschenkeln – bereuen oder besonders schlecht finden tat ich es nicht. Naja es war gänzlich unverständlich für mich, später sagte er mir er hätte meine Augen und dann mein Lächeln gesehen und musste mich ansprechen – Italiener halt … Im Hostel angekommen war meine erste Amtshandlung, die mobilen Akkus aufzuladen, ich schwebte schon in Gefahr bald gänzlich abgeschnitten zu werden von der mobilen Welt. Bilder schießen und sich auf Google Maps suchen zieht Akku. Ansonsten war ich sparsam mit dem Handy umgegangen, wollte es auch so, weil es gut tut mal etwas abgeschnitten zu sein von den zig tausend Kommunikationsmöglichkeiten, die uns der kleine Begleiter liefert. Dann genehmigte ich mir eine lange Dusche – wie toll so etwas ist, wenn man sich selbst schon nicht mehr riechen kann. Da ich die Erste in dem 4er Zimmer war konnte ich das voll ausnutzen. Der Standard des Hostels für 11 Euro die Nacht überraschte mich – es sah schön aus, das Bett war bequem, es gab ein Handtuch und Duschgel. Doch ich wollte mir Florenz anschauen, also verließ ich den Traum und besuchte einen tollen Ort nach dem anderen bis zum Abend.

Dann traf ich mich mit Romino. Er ging mit mir in ein leckeres Restaurant, dann einen Aperol Sprizz trinken, zeigte mit die Stadt bei Nacht. Wir verstanden uns gut, es waren tolle romantische Stunden mit ihm.

Gegen 2 Uhr setzte er mich in ein Taxi zum Hostel. Er vemittelte mir das Gefühl besonders und wunderschön zu sein, weil ich ich war. Was mein Blick in den Spiegel nicht bestätigte, aber ich nahm das Gefühl für die Stunden an. Ein Abenteuer auf das ich mich nicht eingelassen hätte, wenn ich kein gutes Gefühl dabei gehabt hätte, doch meine Menschenkenntnis hat mich nicht enttäuscht. Am nächsten Tag startete ich früh um in die Kathedrale und viel mehr zu gehen.

Das Wetter war leider nicht traumhaft, es regnete und das auch ziemlich stark, wurde aber am Nachmittag besser. Meine Güte Laune und Tatendrang ließ ich mir nicht nehmen. Um die Mittagszeit schlenderte ich eine Straße entlang, als mich ein Mann vor einem Imbiss ansprach. Ob ich schonmal das probiert hätte, ich verneinte. Er kaufte 2 von dem, was wie eine Mischung aus Burger und Döner aussah und wie Schnitzel im Brötchen schmeckte und auch 2 Wein. Er ist Touristenführer und so unterhielten wir uns auch etwas auf deutsch. Ist es weil ich alleine unterwegs bin oder meine Ausstrahlung? Ich möchte mich mal sehen, wie die mich sehen. Andere sehen strahlende Augen, ich unordentliches Haar, andere sehen mein Lächeln und schlanke Figur, ich das Fett am Bauch und die breiten Oberschenkel… Doch ich muss sagen das rummeckern und unzufrieden sein mit mir hat nachgelassen, ich sehe mehr in mir als die Stellen an meinem Körper die ich nicht mag. Ich mag mich mit meinem Charakter und lächle mir selbst zu. Ich sehe in mir eine gute Freundin, die man ja auch mag, weil sie sie ist und auch mag wenn sie mal nervt oder sich daneben benimmt. Das Essen stellt anders als erwartet keine Probleme dar. Abends esse ich in einem Restaurant was größeres und tagsüber hole ich mir Eis (auch mehrmals :)) oder eine andere Kleinigkeit wenn ich Hunger habe. Über Kalorien denke ich nicht nach, ich vertraue darauf das mein Körper mir sagt wenn er was braucht – ich bewege mich ja den ganzen Tag. So stellte das Buffetessen gestern Abend im Hostel mit meinen Zimmerkolleginnen keine Herausforderung dar. Wir (eine Koreanerin und Rumänin) verbrachten einen angenehmen Abend miteinander und tauschten Reiseerfahrungen aus. Die Nacht war länger und bequemer als die vorherigen und so sitze ich gerade relativ ausgeschlafen im Zug nach Pisa von dort aus geht es an ein Örtchen am Meer für 2 Tage. Ich habe fürs erstmal genug gesehen und erlebt, zum Glück nur Gutes bisher.

Liebe italienische Grüße – eure Elli 😉

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7 Gedanken zu “Florenz

  1. Ich bewundere Deine Stärke und vor allem Dein positives Denken 🙂 Es ist schön, von Dir zu lesen und dass es Dir immer ein Stück besser geht ❤ Behalte die Sonne im Herzen und geh Deinen Weg – ich bin sicher, dass Du irgendwann auf die "bulimischen" Phasen in Deiner ES zurückblicken kannst und es Dir fast unwirklich vorkommt. Alles, alles Gute 🙂

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  2. Hallo Elli,
    Florenz, eine wirklich inspirierende und bezaubernde Stadt, die ich im vergangen Jahr ebenfalls kennenlernen durfte. Ein wenig beneide ich dich sogar, aus sicherer Entfernung. 🙂
    Es ist immer wieder erfrischend, deine Artikel zu lesen. Ich empfinde dich als die starke und lebenshungrige Frau, die du gelegentlich aus dem Blick verlierst.
    Deine symphatische Art und deine strahlende Attraktivität macht dich zu einem wundervollen Menschen. Komplimente sind manchmal komisch, ich weiß. Aber du darfst dich gern darüber freuen.
    Ich wünsche dir weiterhin eine tolle und spanndende Zeit.
    Viele Grüße
    Michaela

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