Was mich hält

Ich mag das Wort fett nicht, denn es beschreibt nicht ganz das was ich fühle, aber ein anderes Wort ist schwer zu finden. Ich weiß das ich nicht fett bin, ich fühle mich aber dick. Nicht im Vergleich zu anderen sondern im Vergleich mit dem Bild was ich von mir im Kopf habe. Ich bin umfangreicher als ich im Kopf sein möchte. Doch dieses Bild wird schon blasser, die Vorgabe die ich erreichen muss, sehe ich nicht mehr als Ziel an, die Schablone in die ich passen muss, sehe ich als unpassend an. Es ist schwer zu sagen so bin ich gut und richtig, wenn die innere Stimme schreit du bist zu fett und ungenügend, einfach falsch. Seit 2 Wochen stand ich nicht mehr auf der Waage und will es auch gar nicht, ich will es nicht wissen. Immer wieder übermannen mich von Innen Wellen des Unwohlseins, die mir sagen ich wäre falsch und darf mich nicht gut fühlen mit meinem Körper. Sie verdrängen die Zufriedenheit mit meinem Leben und dem starken Gefühl alles im Griff zu haben. Unsicherheit, Zweifel, Haltlosigkeit – alte Bekannte besuchen mich. Ich bin zu voll mit Unruhe, mein Leben ist derzeit ein hin und her – Arbeit, Geburtstage, Kirmes, Familie, Freunde, Hausarbeit, Tätigkeiten in Vereinen und der Kirche – jeden Tag bin ich am herumfahren, ich esse nicht unbedingt unregelmäßig, aber jeden Tag anders, doch es funktioniert. Ich hungere nicht, esse manchmal zu viel mit einmal, weil ich so die Ruhe bekomme die ich im oft stressigen Alltag brauche. Ich bin aber daran das umzupolen, zu lernen aufzuhören und dann lieber eine Seite im Buch zu lesen oder ein Lied zu hören. Routine suche ich vergeblich – eine gelebte Essstörung, die Halt gibt habe ich nicht mehr, auch den aktiven Kampf gegen sie, der eine Zeit lang Halt gegeben hat habe ich hinter mir gelassen – was hält mich derzeit über Wasser? … Ich… Mein Vertrauen in mich … Geduld, das jede Phase mal vorbei geht … Mein Glaube an Gott und das ich den richtigen Weg gehe, das er seine Hand über mir hält. Mein Leben mag zu voll sein mit Unruhe, Veränderungen, Anforderungen, mein Kopf zu voll mit Gedanken und Problemen, die noch nicht mal vordergründig meine eigenen sind – doch ich komme damit klar damit, es überfordert mich nicht, ich habe gelernt mit mir als Begleiterin mein Leben zu meistern. Ich vertraue darauf, dass alles sich schon regeln wird mit der Zeit… wenn es der richtige Weg ist. Doch derzeit bin ich zu voll mit Trubel und Abhängigkeit und zu leer mit Ruhe und Raum für mich. Deswegen freue ich mich umso mehr auf meinen Pisa-Aufenthalt – Nur mein Rucksack und ich – Freiheit und Selbstbestimmung – loslassen und runterkommen – Verpflichtungen mitnehmen und auch die Probleme und Gedanken, aber Raum haben mich damit auseinanderzusetzen und Zeit zu haben zum abschalten – Verpflichtet nicht zum müssen sondern können. Doch es schwirrt mir die Frage im Kopf herum – Was wenn das Leben und der Trubel mich gerade von Doris fernhalten, weil sie darin einfach keinen Platz findet und wenn das dann wegfällt sie penetrant zurückkommt mit ihren Forderungen? Auf dem Jakobsweg war es so. Davor war ich zwar nicht so lange kotzfrei, aber trotzdem durch den Klinikaufenthalt gefestigt. Was wenn ich zu sehr mit meiner Unzufriedenheit mit mir selber konfrontiert werde? Ist es nicht mega egoistisch wegzulaufen, eigentlich ist doch alles super hier, lasse ich nicht viele im Stich wenn ich fahre? Aber nein, der Flug ist gebucht, ich fliege. Dieses Mal nehme ich mich als Freundin mit und ich habe gelernt den Halt darin zu sehen. Ich habe gelernt trotz Unzufriedenheit zufrieden zu sein. Auf den Jakobsweg bin ich nur für mich gegangen, aber mit zig Anforderungen an mich. Diese Reise mache ich auch für mich, aber dieses mal fühlt es sich freier an. Den Kampf in der Klinik gegen die Essstörung habe ich nicht nur für mich gemacht, es war viel Zwang und Verpflichtung gegenüber Schwestern und Therapeuten da und die ständige Konfrontation mit der Zunahme ließen kaum Raum zur Akzeptanz. Die Zeit war nötig und hilfreich, aber es hat das annehmen der Veränderung gefehlt. Die Essstörung durfte in dem begrenzten Raum nicht sein. Doch das was man nicht darf, will man umso mehr oder? Mein letzter aktiver Kampf, dieses Jahr war härter und hat länger gedauert, es gab mehr Rückfälle und keine Schwestern die mal die Doris eingesperrt haben, ich habe es selbst gemacht – für mich. Die Essstörung durfte sein, aber ich wollte nicht. Und ich habe gelernt anzunehmen das Veränderung dazu gehört und ich mir viel besser Halt gebe, als eine Essstörung. Ich habe mich von Doris getrennt, indem ich sie weggeschickt habe und nicht indem ich vor ihr eingesperrt wurde. In der Klinik habe ich die Grundlagen mit auf den Weg bekommen, verstanden habe ich erst im Leben zum Leben hin. Ein Leben das ich erlebe und genieße und nicht ein Leben indem ich gelebt werde und eingeengt von Gedanken an die nahste Toilettenschüssel. Ich hoffe, dass ich es schaffe, das auf lange Sicht zu festigen und festzuhalten – mich zu halten wenn ich mal wieder fallen sollte. Mich halten auf jeden Fall zur Zeit einige Kilos mehr im Leben, als noch vor einem Jahr. Heute steht nochmal arbeiten bis 20 Uhr an und dann startet der Zug morgen gegen 6 Uhr und am Nachmittag sende ich dann schon italienische Grüße. Geplant ist noch nichts, Hostel auch noch nicht gebucht – es wird abenteuerlich, aber ich freue mich und werde berichten, wenn der Handyakku es zulässt 😉

Ganz liebe Grüße eure Elli 🙂

  • Ferngehalten – hat Doris mich von mir
  • Abgehalten – hat Doris mich vom Leben
  • Hingehalten – hat Doris mich dem Teufelskreis
  • Ausgehalten – habe ich die Veränderungen
  • Anhalten – möchte ich die eigenen Entwertungen
  • Beibehalten – möchte ich den Weg weg von Doris
  • Aufrechterhalten – möchte ich die Selbstakzeptanz
  • Einhalten – möchte ich die Orientierung an meinem Selbstwert
  • Festhalten – tut Gott mich und möchte ich mich
  • Erhalten – möchte ich mein Leben
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6 Gedanken zu “Was mich hält

  1. Das „Was ist wenn…?“ ist ne Taktik von Satan. Lerne gerade genau das, diesen zerstörerischen Gedanken bei mir selbst gegen Gottes Wahrheit zu ersetzen. Du schaust weiterhin auf den der dich aus diesem ganzen herausholt. Gott! Und du kannst weiter das tun was dafür der beste Weg war, ihm vertrauen.

    Diesen Gedanken der Zweifel und Lügen kannst du Gottes Gehorsam unterstellen und dann erkennen wie er ja die ganze Zeit schon in dir wirkt und seine schützende Hand über dir hält. Wirf diesen Gedanken Jesus hin und lass nicht zu dass er in dir ausgesät wird.

    Viel Freude und eine gesegnete Zeit in Italien!

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  2. Liebe Elli, lass es dir gut gehen. Du kennst die Problematik mit Doris und weißt was passieren könnte – du bist vorausschauend und das ist der richtige Weg. Du gehst den Weg den dir Gott gegeben hat und du wirst ihn meistern, denn es ist dein Willen der dir Kraft gibt. Fang ein paar Sonnenstrahlen ein. Alles Liebe

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    1. Lieber Ralph, danke, kannst du eine Sehenswürdigkeit empfehlen, außer dem schiefen Turm? Ich habe die Tage deinen Weg verfolgt – der Ralph läuft mal wieder 😉 einen guten Weg wünsche ich euch!
      Ganz liebe Grüße ❤

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      1. Wir sind von Pisa vor 2 Jahren mit dem Flugzeug zurück nach Berlin geflogen. Davor sind wir 2 Wochen gelaufen, was sonst, und haben dann noch Annas Bekannten in Azzaro in der Nähe von Pisa besucht. Ich weiß noch, wir haben oft gut gegessen in Italien, aber deswegen bist du sicher nicht dort. Lass es auf dich zukommen und genieße es.

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