Auf die hundert zu…

e568b4e123422afb8ac52e75d9d08a0aIch hab mal wieder genau nachgezählt, am Montag erreiche ich den 100. kotzfreien Tag. Schon 3 Monate die ich mich weiter und von der Essstörung wegbewege. Ich bereue keinen einzelnen Tag davon, auch wenn das anfreunden mit der Veränderung alles andere als einfach ist. In dieser Phase gab es Tage da war keine Spur von Doris, ich fühlte mich von der Essstörung befreit und unbeschwert, Gedanken kotzen zu gehen waren wie weggeblasen. Es gab auch Tage, an denen waren die Gedanken quälend und das Verlangen übermäßig zu essen waren stark. In der letzten Woche plagten mich vermehrt Gedanken ans Ausführen: “Geh mal wieder kotzen…, du bist fett geworden, du hast viel zu viel gegessen, einmal wieder völlig losgelöst reinhauen – das willst du doch…“ Ja ich will mich derzeit einfach mal fallen lassen, den ganzen Stress loslassen. Ich habe mein Leben im Griff daran zweifel ich nicht, ich bin auch zufrieden damit, möchte gerade nichts anders machen. Doch ich brauche Erholung, ich habe das Gefühl mir ist alles zu viel, mein Kopf zu voll. Ich habe keinen Bock mehr ständig zu viel zu essen und auszuhalten bzw. dagegenzuhalten. So ein Fressanfall mit kotzen wäre was feines… Ich fange an meinen Kleiderschrank auszusortieren, zu viele zu enge Klamotten, Hosen die ich mag passen nicht mehr – es frustriert. Was die Waage aktuell anzeigen würde, weiß ich nicht und will ich auch nicht wissen. Wohl irgendwas zwischen 55 und 60 kg, im Normalbereich also. Normal heißt routiniert, wiederkehrend – so fühlt sich das Verhältnis zu meinem Körper wahrlich nicht an, wie auch wenn er sich verändert. Es ist eher ein: So ist das halt jetzt. Es ist nicht scheiße, aber muss auch nicht gut sein. Eine Zeit lang war es kein Kampf mehr – das Leben ohne Doris – es hat sich zu einem freien Leben entwickelt – erlebtes Leben. Essen ohne zerdenken, ohne zu analysieren, Essen, weil es dazu gehört. Zu diesem Erleben zähle ich die Zeit vor und auch in Barcelona. Doch die Woche danach war schwer. Ein ständiger Drang zu essen, ein Gefühl nie satt zu werden und fehlende Energie beschrieben die Tage. Ausruhen und entspannen versuchte ich wenn die Zeit mal da war, doch es ging nicht. Ich kann nicht runterkommen bzw. loslassen, ich komme nicht weg von dieser inneren Erschöpfung, die vermutlich der Grund ist das ich derzeit schwer aufhören kann zu essen und immer wieder ein Völlegefühl verspüre. Mein Hungergefühl spielt auch verrückt, meines Erachtens ist es ständig präsent und auch nach einer üppigen Mahlzeit… Keine Ahnung was da organisch und psychisch gerade in mir los ist. Fakt ist: Es gibt Momente an denen ich immer wieder kämpfen muss. Ich widerstehe dem Rufen von Doris, weil ich festgestellt habe, das das Leben ohne sie mir besser gefällt und einfach lebenswerter ist. Seit gestern geht es mir gefühlsmäßig schon etwas besser, im Laden habe ich beim arbeiten viele nette Kunden gehabt, was mich in mir selbst bestärkt und Kraft gegeben hat. Ich habe nicht zu wenig geschlafen die letzten Tage, 6-8 h waren es immer, ich bin auch eher innerlich müde und schlapp. Keine Ahnung woran das liegt und ich habe aufgehört es zu hinterfragen – es darf so sein und wird auch wieder besser. Heute habe ich meinen Ruhetag, ich habe bis halb 11 geschlafen von 23 h an. Das ich so lange schlafen kann war mir nicht bewusst. Ich werde meinen Kleiderschrank weiter inspizieren, Bücher für die nächste Hausarbeit lesen und meinen Rucksack für Pisa packen. Nächste Woche Donnerstag ruft der schiefe Turm nach mir. Ich habe eine Woche frei und konnte dem Drang einfach mal wieder meinen Rucksack zu schnappen nicht widerstehen. Ein günstiger Flug und schon war die Entscheidung getroffen. Mit der genauen Planung bin ich auch noch beschäftigt. Ich freue mich auf das einfach mal raus und kaum Verpflichtungen, am Strand entspannen ist bestimmt auch ein Tag drin 🙂 Seit gestern habe ich die spürbare Gewissheit zurück, dass immer wieder Gedanken ans Essen und Kotzen kommen werden, aber das ich stärker bin und es falsch wäre, weil es gerade doch super läuft mit meinem freien Leben und mir. Immerhin werden wir bald schon 100 Tage alt!

Ich wünsche euch da draußen ein schönes Wochenende!

Advertisements

8 Gedanken zu “Auf die hundert zu…

  1. Du bist verflixt stark, weißt Du das?! Das klingt vielleicht etwas abgehoben, aber ich schreibe das ganz ehrlich und ganz aus dem Respekt heraus, den mit die Krankheit, die Dich und viel mehr Menschen als mir lange Zeit bewusst war, immer wieder so gequält hat und quält, einflößt.- Und weil mein Respekt davor so groß ist, kann der, einem Menschen gegenüber, der so dagegen angeht, wie Du, folgerichtig nicht etwa kleiner sein. 🙂

    Es stimmt mich sehr froh, dass Du wahrnimmst, dass das Leben ohne Doris sich für Dich letztlich lebenswerter anfühlt. Und ich wünsche mir so sehr für Dich, dass Du Dich vor allem dann, wenn die schweren Momente, das Zweifeln, das mit-Dir-Ringen wieder stark sind, genau daran zu erinnern und es so sehr zu schätzen vermag, dass Du die nöächsten und die übernächsten und dann ganz viele 100erte schaffen wirst.

    Du bist eine rundum sympathische Person, die sich obendrein so wunderbar engagiert und sich für so spannende Gedankenwelten interessiert. Wer es nur ein bisschen möchte, kann das wahrnehmen, hier und, ich denke noch viel mehr in Deiner realen Umwelt. – Darin liegt viel Potenzial, liebe Elli, sich in den schweren Momenten nicht so allein zu fühlen.

    Viele sind mit DIR! Mit Doris nicht! Mag DIE sich einsam fühlen, einsam sein. SIE hat es nicht anders verdient.

    Ganz liebe Grüße an Dich und viel ungetrübte Vorfeude auf Deine Pisareise!

    Gefällt 1 Person

  2. Gratuliere zu diesen Tagen. Innerlich schlapp und müde – ja das kenne ich zu gut, es geht vorbei und kommt auch mal wieder. Ich verstehe dich so gut, leider kann ich dir keinen rat geben. Ich hab schon oft gemerkt, dass es nach dem aushalten wieder besser wird, du bestimmt auch, aber das ist im Moment eines Kampfes nicht von Bedeutung. Die Monster plustern sich auf. Ich hab mal gelesen das man seinen Fressanfall planen kann, alles nach Herzenslust kaufen. Dann alles hinlegen auf Tisch und ohne Nebengeräusche essen. Es darf drin bleiben, weil der Körper vielleicht genau das braucht um innere Reparaturen zu erledigen. Ich glaube, dass ich die Mengen nicht mal mehr essen könnte. Der Reiz ist präsent – aber warum? Was fehlt? Entspannung? Ein bestimmtes Essen? Ruhe? Gefühle die nicht rauskommen? Vielleicht findest du das wonach Doris verlangt – meist ist es irgendwas banales. Ich bin mir sicher das du diese Phase meisterst 🙂 ♡

    Gefällt 1 Person

    1. Ja irgendetwas muss mit diesem Essen ausgeglichen werden ob jetzt körperlich oder psychisch… Ich stelle mir nur immer die Frage ist es richtig zu essen, einfach weil der drang da ist, oder sollte ich widerstehen… hoffe das ich irgendwann mal eine Antwort darauf finde.
      Danke für den Zuspruch, der gibt Kraft ❤

      Gefällt mir

  3. Hallo Elisabeth,
    Lange nicht habe ich nicht mehr in deinem Blog gestöbert.
    Ich muss immer noch kämpfen um nach dem Camino wieder richtig anzukommen und den Alltag zu akzeptieren.
    Daher bin ich heute froh so gute Nachrichten von dir zu lesen. Irgendwie war es mir fast klar dass du das schaffen wirst. Wer den camino bewältigt hat, der hat Energie für das Leben.
    Alles gute weiterhin.
    Martin

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s