Ich bin wieder hier…

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… in meinem Revier… – ja das Leben hier in Deutschland im pendeln zwischen meiner Familie, meiner Wohnung und Arbeit hat mich wieder oder besser ausgedrückt ich habe mein Leben wieder 🙂 Denn ich muss feststellen, dass ich seit ich aus Barcelona wieder da bin doch ganz zufrieden mit meinem Leben bin so wie es gerade läuft. Ich bin leider auf der Behindertenfreizeit nicht dazu gekommen wie geplant einen Beitrag zu schreiben und auch die letzten Tage gingen viel zu schnell um und ließen keinen Raum dazu. Die Tage in Barcelona waren schön, wenn auch ehr anstrengend und mit der Ausnahmesituation Anschlag überschattet. IMG_20170820_153410

Gespräche zur Verarbeitung mit den 17/18 jährigen Teilnehmern, sorgfältige Planung der Wege, ein immer Bereit-Sein auch in Bezug auf pflegerische Dinge und allgemeine Unterstützung, gute Laune verbreiten, Sicherheit geben, Besprechen der Lage und daneben 2-4 h Schlaf – es war einfach anstrengend, und dann noch ein tägliches Buffetessen. Aber ich habe alles gemeistert und trotz übermäßigem Essen, ich möchte schon fast sagen, „nur“ gute 2 kg zugenommen. Ich habe viel kompensiert durch noch eine Schale Eis oder noch ein Pizzastück, aber die körperliche Belastung war halt auch einfach da. Es war ok, ich habe es akzeptiert, so wie ich meine neue 57 auf der Waage akzeptiere. Ja ich fühle mich alles andere als wohl mit der Zahl oder meinem Körpergefühl, aber das bin ich und es ist mein Lebenswert und damit fühle ich mich wohl. Ich hoffe man kann verstehen was ich damit sagen will. Die Freizeit hat mir gezeigt, was ich kann und das ich Freude daran habe, es ist das worin ich aufgehe. Zu scherzen und andere zum Lachen zu bringen und trotzdem Frau der Lage zu sein, Verantwortung zu tragen und es auch zu können, auf Menschen eingehen und miteinander reden, aber auch zu hören, Andere unterstützen und einfach die Elli sein img_20170815_115923.jpg– manchmal überdreht und chaotisch, aber dazu zu stehen, weil ich trotzdem verlässlich bin und mich durchsetzen kann wenn nötig. Die 10 Tage waren fordernd und den Mittwoch verbrachte ich nach dem Heimkommen am späten Dienstagabend erstmal im Halbkoma. Doch ich denke gerne an Barcelona zurück genauso wie an alle anderen bisherigen Freizeiten, denn es steht das gemeinsame Erleben im Vordergrund, das Spaß haben und Freude teilen – gemeinsam das Leben und den Urlaub genießen. Das ist bei Menschen mit Handicap leider nur mit Unterstützung und Aufwand dahinter möglich, doch das nehme ich gerne in Kauf, weil gemeinsam Lachen so viel aufwiegt und dafür gebe ich gerne ein paar Stunden Schlaf ab. Man teilt ein Stück Lebensgeschichte miteinander und kommt sich nahe, wächst zusammen zu einer Art Familie und der Grundstein ist Vertrauen von Teilnehmer- aber auch von Teamerseite. Es ist immer wieder toll neue besondere Persönlichkeiten auf beiden Seiten durch diese Freizeiten kennenzulernen. Ich kann sagen ich liebe diese Arbeit und finde es jedes Mal wieder schade in meinen Alltag zurückzukehren. Nachdem wir die Tage nach dem Anschlag dennoch genossen und genutzt haben ging es am Dienstag nach Hause. Den Mittwoch und Donnerstag verbrachte ich mit schlafen und Hausarbeit schreiben, an der ich (wann auch immer) in Barcelona schon 2 Kapitel fertig bekommen hatte. Morgen werde ich sie einschmeißen – was mir wieder ein Stück Freiheit und Leichtigkeit zurückgibt. Die letzten beiden Tage rief mein Nebenjob im Schmuckladen nach mir – es fühlte sich an, als sei alles beim Alten, nur das der Spiegel mich irgendwie ein wenig breiter widerspiegelt. Dramatisch oder ein Weltuntergang? Nicht wirklich, ich verändere mich halt und das ist nur so schlecht wie ich es einstufe. Eine Veränderung ist nie schön, weil sie zu Beginn immer neu und unsicher ist, vll sogar Angst macht, aber durch Veränderung kann auch Freude und Zufriedenheit entstehen. Es frustriert immer wieder eine Hose oder ein T-shirt als zu eng einzustufen und immer öfter Phasen zu haben, wo ich einfach nicht aufhören kann zu essen, weil ich innerlich einfach nur fertig und belastet bin mit allem was in meinem Kopf ist. Aber 1. habe ich eh zu viele Klamotten im Schrank und 2. habe ich mich schon soweit weiterentwickelt, das ich mir Ruhephasen nur für mich einplane und auf mich versuche zu achten und wenn es eine Phantasiereise zum einschlafen ist oder 5 Minuten einfach nur in die Ferne starren und über einen Bibelspruch nachdenken. Mein Leben ist nicht einfach, aber wer kann das schon behaupten und ich möchte mich auch gar nicht darüber beschweren. Es ist nicht einfach, aber ich habe es so gewählt, ich konnte mir vielleicht meine Haarfarbe nicht aussuchen oder meine Familie, ich konnte mir nicht aussuchen welche Gene oder Veranlagungen ich bekomme. Ich kann leider nicht entscheiden, ob ich von einem Löffel Nutella am Bauch oder Po zunehme, ob der Körper die Pizza verarbeitet oder doch lieber als Kilo oben drauflegt. Ich habe keinen Einfluss darauf wie andere Personen mit mir umgehen und nur gering welche Personen ich treffe oder in welche Situationen ich gerate. Deshalb ist es auch manchmal schwer, den Lebensweg zu wählen der mich hundertprozentig glücklich macht und einfach ist. Doch ich kann entscheiden, ob ich mit meinem Weg zufrieden bin oder nicht, ich kann entscheiden ob ich mit mir zufrieden bin oder nicht. Ich kann Gefühle, Gedanken, das Verlangen zu essen leider nicht verhindern, nur lernen damit umzugehen. Ich kann mich mit meinem Leben arrangieren und mir als Freundin und Verbündete zur Seite stehen, statt mich als Feindin zu verurteilen, weil ich mich entwerte und als falsch ansehe. Ja das habe ich gelernt in einer Zeit der Erholung und Abnabelung von einer Essstörung und einer selbstentwertenden und ruinierenden Lebensweise. Ich habe die Veränderung gewagt, mit der Hoffnung zu gewinnen – zum Weg gehören Unsicherheit, Unzufriedenheit und Kontrollverlust, das zu akzeptieren ist schwer und hart und das aushalten noch mehr, aber ich merke immer wieder wie es sich lohnt das in Kauf zu nehmen. Ich gehe auf Tag 95 zu die ich kotzfrei bin und ich sage: Ja ich bin zufrieden mit meinem Leben, weil es meins ist und ich wünsche mir nichts anderes – ich finde zu mir und stelle immer wieder erstaunt fest, wie toll ich doch eigentlich bin und was ich zu geben habe, wenn ich nicht mehr gegen mich selbst sondern mit mir kämpfe. Wenn ich anfange mich selbst zu lieben und dazu gehören auch die Kilos auf der Waage und Persönlichkeitszüge die mich selbst nerven.
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6 Gedanken zu “Ich bin wieder hier…

  1. Du machst wirklich wahnsinnig schöne Fortschritte, das akzeptieren ist wohl das wichtigste. Ich hab noch Schwierigkeiten den Gedanken zu zulassen und erschrecke mich wenn so ein Gedanke kommt 🙈 du bist Sooo hübsch – ich erkenne kein einziges Gramm was zu viel ist
    Alles Liebe ❤

    Gefällt 1 Person

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