Weil man auch mal meckern muss!

Gestern habe ich den ersten Mal auf Arbeit den Laden alleine aufgeschlossen und bis halb 4 hatte ich die alleinige Verantwortung für alles. Laden aufschließen, öfffnungsbereit machen, Kunden im Auge behalten… es gab eigentlich nichts was nichts funktionierte und (jetzt spielt Ironie mit) weil das arbeiten an sich ja schon nicht fordernd genug war, kam zu meiner Unterhaltung gleich noch der Mann der sich um die Klimaanlage kümmern sollte, damit wir endlich mal aufhören können Spiegeleier auf dem Tresen zu braten…. Ich hatte also gleichzeitig Kunden zu bedienen, die kleinen Mädchen im Auge zu behalten, das sie nicht gaaanz aus Versehen was einstecken und dem dauerlächelnden Mann zu zu hören wie er mit die Klimaanlage erklärte. Das tat er übrigens hinten im Lager während ich vorn an der Kasse stand. Ich würde mich als Türrahmenhüter in dem Moment bezeichnen – ein Sprung nach vorne wenn sich ein Kunde an die Kasse stellte und ein Sprung nach hinten wenn der Herr mir einen Knopf zeigte. Ich mag ja Leute, war noch nie menschenscheu und würde behaupten mit allen Altersklassen super klar zu kommen, aber gestern war jede ältere Dame mit: „Ich würde gerne wissen wie lang die Kette ist, können sie mir die mal bitte abschneiden?“ oder „Gucken sie mal ich habe da noch Kleingeld, einen Moment ich suche es raus…“ zu viel. Zum Ersten: Ketten anprobieren von mir aus, wenn es jetzt für ein bestimmtes Kleid seid soll zum Beispiel, aber es ist einfach nur ein Mehraufwand, wenn die Dame genau so eine Kette trägt nur mit einem anderen Anhänger  und außerdem hängt die im Sale für 3 Euro. Zum Zweiten: Ich finde es supertoll wenn ich die Centbeträge passend bekomme, weil mir da die Handgriffe mit dem Rückgeld erspart bleiben, aber wenn die supernetten Kunden erst an der Kasse stehen und ihnen als ich den Schein schon in den Händen halte sagen: Warten sie mal und dann anfangen zu kramen… dann suche ich das Rückgeld liebend gerne raus. Irgendwie schienen sich alle abgesprochen zu haben. Der Techniker scheint ein Auto zu fahren mit der Aufschrift: Ich fahre jetzt zu … die Klimaanlage reparieren kommen sie doch auch! Die ganze Zeit tote Hose, die ersten 2 Stunden hatte ich viel Zeit um die Preise an den Salewänden zu reduzieren und mit den Kunden in Kontakt zu kommen, doch danach war ich über jeden froh der wieder ging. Um die Mittagszeit schienen sich alle zum belegten Brötchen noch ein paar Ohrringe kaufen zu wollen. Apropo essen – halb 4 als mit dem Treten aus dem Laden das Arbeitsadrenalin von mir wich dachte ich ich falle um… (Ironie aus) von halb 8 bis halb 4 nichts gegessen. Mh, du musst was essen, aber was? Nichts wollte mir so richtig passen, was warmes sollte es sein, also kein belegtes Brötchen, auf Döner keine Lust, Fischbrötchen, sogar eine Pizza geisterte in meinem unterhungerten Gehirn rum. Überlegend lief ich zur Bahn. Chinesische Nudeln, das wäre es jetzt. Aber wann fährt die nächste Bahn? Sie fuhr in 5 Minuten nach einem Sprint mit mir und ohne Nudeln ab. Dann isst du jetzt Hause, das ist die doch eh lieber und auch kalorienärmer! 10 Minuten später in der Wohnung trank ich etwas aß einen Apfel und setzte mich ins Auto Richtung Heimat. Dort kannst du dir dann was kochen! Ja und das tat ich dann gegen 18 Uhr. Nudelpfanne mit Blumenkohl, Paprika, Tomaten, Hähnchen. Davor gab es noch ein Eis am Stiel. Danach war ich satt und die Nudeln aß ich ohne schlechtes Gewissen. Das Hungergefühl sehe ich zur Zeit echt nicht als ultrapositiv an, sondern bin eher froh wenn es weg ist, auch wenn ich dann dick bin (nach meinen Gedankengängen). Das ist mir gestern bewusst geworden. Den Abend gestaltete ich ganz gemütlich mit Oma auf der Couch.

(Ironie an) Was für ein wundervoller Tag! – War garantiert nicht mein erster Gedanke heute beim aufstehen. Mein Körpergefühl war mies, heute fühle ich mich wirklich dick, sehe überall Fett und hach woran das liegt weiß ich auch nicht. Echt nicht, hab doch gestern gefühlt den ganzen Tag gehungert. Was machte ich also? Ich habe gesagt: Ok heute darfst du dich dick fühlen, aber normal gegessen wird trotzdem! Es war bewölkt heute morgen, aber auch wenn die Sonne sich nicht zeigte, hängte ich trotzig meine Wäsche raus. Danach ging es mit Oma zum einkaufen, da sich ja alle Familienmitglieder irgendwohin aus dem Staub machen, habe ich zur Zeit die ehrenvolle Aufgabe. Ich finde es eigentlich nicht so schlimm, mache es oft sogar gerne, aber heute ist mir nach meckern. Es ist nicht so das ich auf Krawall gebürstet bin, wo mich alles annervt, wie an manchen Tagen, sondern einfach ein Meckertag, aber mit Humor 😉 Oma hat in 2 Wochen ihren 75 Geburtstag und so wie Oma ist – was du heute kannst besorgen verschiebe nicht auf morgen, wurden Getränke und Knabberzeug geholt. Gefühlte Stunden verbrachten wir vor Schokolade, Chips und co… „Was soll ich nur mitnehmen, was essen denn alle, such du mal was aus…“ Wieso immer ich? Ich habe hier die Bulimie und gerade würde ich am liebsten das ganze Regal auffressen und mich danach über die Toilette hängen. Das war wieder so erschreckend fassbar… Einkaufen gehen finde ich zur Zeit nicht mehr allzu schlimm. Dauert zwar manchmal etwas, aber im groben kaufe ich eh immer dasselbe. Aber ich vermeide es in eben erwähnte Regale zu gehen…. Wieder draußen ging es allerdings, die Gedanken waren kontrollierbar und jetzt gerade verspüre ich nicht das Verlangen mich zu den eingelagerten Sachen zu schleichen und alles zu verputzen. Wieso auch? Es gab Schokoeis zum Kaffee 🙂 Aber wieder zurück zum Meckern. Da will ich dann nachdem meine Arme nach dem Bierkasten schleppen mindestens doppelt so lang geworden waren, ganz gemütlich Mittag essen (Oma hatte ich verklickert, dass ich mir heute selber etwas kochen möchte), da fängt es an zu regnen. Hach Glück gehabt, dass wir noch im Trockenen heim gekommen sind!, dachte ich bevor mir meine Wäsche einfiel. Diese rettete ich einigermaßen trocken, dafür waren meine Strümpfe umso nässer… Naja muss ich mir heute meine Füße nicht waschen :p Da sich meine Motivation Hausarbeit zu schreiben heute in Grenzen hielt, entschloss ich mich 10 min zu entspannen, mit einer geführten Meditation. Sie führte direkt in den Schlaf und Zack war eine Stunde weg. Nach dem Eis essen, wieder eine Etage tiefer bei Oma, führte ich ein Telefonat. Ich lernte eine meiner Teilnehmerinnen kennen, welche ich auf der Behindertenfreizeit nach Barcelona im August begleite. Ein nettes , etwas schüchternens 17- jähriges Mädchen, das sich neben etwas Party vor allem Strandurlaub wünscht. Ich freu mich jetzt schon sie persönlich kennen zu lernen. Natürlich kam mitten im Gespräch meine Schwester mit ihrem Freund heim. „Elli, wo sind meine Gummibärchen!!!“ „Was ist morgen geplant?“… Was ist denn bitte an einem Telefon am Ohr, einem Zeigefinger am Mund und einem Stift in der Hand so misszuverstehen? Ist es unter den 18 – Jährigen eine Bild der Aufforderung für: Bitte sprich mit mir? Die Gummibärchen hatte ich in den Schrank gelegt, um nicht beim Frühstück die ganze Zeit drauf zu starren… Der Döner und die Pizza würde natürlich auch demonstrativ auf den Tisch gestellt und irgendwie triggerte es mich schon etwas an. Wieso scheint ein Fressanfall nicht so abwegig, auch ohne spürbaren Druck oder das Verlangen zu essen? Vom Geruch, der mir in die Nase stieg will ich gar nicht berichten. Ich ging 20 Minuten Joggen. Heute ist echt nicht mein Tag, ich habe nicht nur einen in meinen Augen mega Bauch, sondern habe auch noch zu wenig Kondition. Trotzdem tat es gut und ich schwitzte genug. Ich gönnte mir ein Bad, natürlich nicht ohne meine Augen auch schön mit einzuschäumen (wasche ich mir zum ersten Mal die Haare?)… jetzt geht es mir besser und ich habe Hunger. Es wird wohl noch ein Rest Nudelpfanne von gestern beim Fernsehen. Es ist ok, gerade habe ich 0% Verlangen nach einem Fressanfall, würde mich eh nur noch mehr unzufrieden sein lassen.

Fazit: Der Tag ist rum! Ich fühle mich mega unproduktiv, da die Hausarbeit nicht gewachsen ist, aber habe immerhin wieder saubere Wäsche. Trotz allem würde ich den Tag heute noch einmal genauso durchleben wollen, wenn ich vor der Wahl stände. Heute ist immerhin der 45. kotzfreie Tag! Und man muss auch mal unzufrieden sein und auch mal meckern!

Ich wünsche euch da draußen noch einen meckerfreien Abend 😉

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4 Gedanken zu “Weil man auch mal meckern muss!

  1. Weißt Du was, liebe Elli? – Nachdem ich das hier gelesen habe, bin ich froh, dass Du es geschafft hast. Geschafft hast, einen weiteren Tag und dann noch einen durchzuhalten. Denn das KANN nicht einfach gewesen sein.

    Wissen Deine nächsten Menschen von Deiner Erkrankung? Wenn ja, weshalb nehmen sie so wenig Rücksicht, sind so wenig empathisch? – Damit könnten sie Dir wirklich helfen, denke ich, am besten ohne sonst allzu viele Fragen zu stellen.

    Deine Tagesabläufe sind wohl ziemlich unregelmäßig, hmmm? – Anders wär’s besser, aber ich weiß wohl, dass die Alltage ganz anders ticken. Trotzdem, wäre es aus meiner unwissenden Sicht einfacher für Dich, wenn Du immer mal wieder kleine Pausen machen könntest, in denen Du dann auch nur, aber immerhin, jeweils, was Kleines isst. Anders ist es doch gar kein Wunder, dass Dich irgendwann der Hunger überfällt – und es dann riskant für Dich wird.

    Ich will mich nun hier aber nicht wie ein Weiser aufspielen – ich habe viel zu wenig Wissen über Deine Erkrankung, außerdem sind Ratschläge im Allgemeinen und Fernratschläge im Besonderen ziemlich dämlich. – Du weißt ja selbst, um was es geht.

    Also genug an dieser Stelle. An sich wollte ich nur ein kleines Signal senden, dass ich „da“ bin, und an sich sollen alle meine Sätze da oben viel mehr wie gute Wünsche für Dich klingen und gute Wünsche für Dich sein.

    In diesem Sinne, ganz liebe Grüße an Dich!

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    1. Lieber Sternfluesterer vielen Dank für deine Worte 🙂
      Meine Familie weiß, das ich in der Klinik war und eine Essstörung hatte, aber jetzt gelte ich als gesundet, ist ja auch kein Dauerzustand so etwas in ihren Augen… Ich habe nicht die Kraft und den Willen es aufzuklären, zu sagen,das ich Rückfälle habe und das halt nicht alles glatt läuft. Es ist auch viel Schamgefühl durch die Krankheit das dazu beiträgt und die Krankheit an sich will es auch nicht das es jemand weiß, weil man ihn dann ja eindämmen könnte…. und wirklich einfühlsam würde ich aus meiner Familie die wenigsten bezeichnen.
      Dabei kann man mich eigentlich alles fragen, ich habe gelernt offen mit meiner Krankheit umzugehen, aber ohne das Interesse und den Willen zu verstehen bringt es nicht viel.

      Ja ein unregelmäßiger Alltag ist nicht unbedingt förderlich. Aber eine feste Struktur aus Zeiten und Kalorien wäre es auch nicht.Es ist gerade eine Phase in der ich versuche mich irgendwie mit allem zu arrangieren ohne zur Essstörung zu greifen.

      Liebe Grüße zurück und einen schönen Abend!

      Gefällt 1 Person

  2. Gratuliere das du dir deine Augen gewaschen hast und natürlich zu deinen 45 Tagen. 😉 ich musste wirklich lachen. Im übrigen isg es ganz klar ein Fettanfall, der kommt immer mal wieder, morgen ist er aber meist schon wieder weg. Komisch oder? Man fühlt sich tagelang gut und dann wuuuuumms ist er da, der blöde Fettanfall. Einfach so. Auch so etwas nerviges. Im übrigen finde ich es sehr gut, wie du mit dem Einkauf umgehen konntest und auch jetzt keinen Druck spürst, du bist wirklich gut gefestigt (trotz Fettanfall) – meinen Respekt hast du. Ich wünsche dir das du etwas zur Ruhe kommst, hab einen schönen Abend ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. Gut zu lesen, das es einfach dazugehört, aber habe mir das schon fast gedacht und als hingenommen abgehakt. Fettanfall – finde ich gut 😀

      Danke, den wünsche ich dir auch ❤

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