Gratwanderung

Wann bitteschön ist die Stimmung denn gekippt?, frage ich mich gerade, nach fast 200 Gramm Studentenfutter, getrockneten Aprikosen und 0,5 l Cola. Die gerade noch irgendwo in meinem verweilen und das schlechte Gewissen fast unerträglich machen. Was war bitte so schlimm an dem Tag, das Gelassenheit in Verlangen und Ruhe in Unzufriedenheit umschlug? Heute morgen 8 Uhr saß ich müde, aber ruhig und gefestigt in der Vorlesung – vielleicht war auch zu müde um etwas zu spüren… Ich weiß nicht ob ich mich bewusst mit zu wenig Schlaf dafür bestrafe, das ich esse und zunehme. Auf jeden Fall komme ich spät nach Hause oder schlafe erst gegen 12 Uhr ein und stehe gegen 5 – 6 auf. 6 Stunden Schlaf ist doch ok oder? Wenn man müde aufsteht ist doch ein Müsli gerechtfertigt um Schwung für den Tag zu bekommen oder? Gefühlt arbeite oder lerne ich nur, wenn ich nicht in der Vorlesung sitze und eigentlich wollte ich doch Hausarbeiten schreiben – doch mein Kopf scheint einfach nicht mit meinem Gehirn arbeiten zu wollen. Ok die letzten Tage waren positiv, doch ich habe mich (aus heutiger Sicht) nur an eine positive Zuversicht gefesselt durch die Tage geschleppt. Wann habe ich das letzte Mal ausgeschlafen? Wirklich so lange geschlafen bis alle Müdigkeit weg war? Daran kann ich mich nicht erinnern, es geht nicht, ich wache auf und bin auch erstmal wach. Nach der Vorlesung ging es in die Bibliothek, weil ich ja so wenig ungelesene Bücher zu Hause habe (Ironie!). Aber es waren halt 5 zu wenig für ein Thema… Gegen 12 strandete ich mit einem knurrenden Magen und einer träge machenden Müdigkeit in meiner Wohnung. Mittagszeit + Hunger – du darfst essen! Essen zu dürfen, einfach weil ein lautes Hungergefühl vorhanden ist gibt ein mega Glücksgefühl, also ging es mir wieder gut, die Müdigkeit war erst mal zurückgestellt. Doch nach dem Essen überlegte ich kurz mich hinzulegen. Aber ich musste doch lernen oder Hausarbeit schreiben, schlafen geht da nicht. Also saß ich lieber einfach auf der Couch und starrte auf den Bildschirm, denn irgendwie wollte gerade nichts Sinn ergeben, um eine Zeile zu verstehen musste ich sie drei mal lesen. Vielleicht würde ein Spaziergang helfen? Da könnte ich auch noch was essen, denn ist ja schließlich Bewegung und der Salat zum Mittag hatte mich glaube nicht wirklich satt gemacht. Ich aß also noch etwas Salat und Joghurt und weil der Kühlschrank offen war auch hier und da und stellte fest, dass ich eigentlich zu müde zum spazieren war. Es fehlt in letzter Zeit einfach der Elan, wenn schon mal Zeit da ist zum bewegen. Doch beim Essen ging es mir gut, also wieso nicht noch eine kleine Portion?… Ich fasse zusammen: Ich bin Müde, doch schlafe nicht, weil ich ja lernen müsste. Ich lerne jedoch nicht weil essen viel cooler ist und wenn ich esse muss ich nicht lernen. Ich esse, weil ich eventuell spazieren gehen könnte. Aber ich gehe nicht spazieren, weil ich zu müde bin. Also im Endeffekt bin ich müde und esse. Eine tolle Kombination… Essen und zunehmen, mega cool (sehr viel Ironie). Ich bin Meisterin im Aushalten geworden. Ich esse nach meinem Empfinden zu viel zu viel, aber gehe ja jetzt schon seit 31 Tagen nicht mehr kotzen und statt weiter besser zu werden, wird mein Körpergefühl schlechter. Ich fühle mich einfach unwohl und diese “Es ist mir doch egal, ich nehme mich einfach an“- Masche ist auch ein wenig durchlässig. Ich halte das schlechte Gewissen zu viel gegessen zu haben, die Gewichtszunahme, das miese Körpergefühl, die fiesen Gedanken von Doris, das Völlegefühl, das Gefühl nichts zu schaffen, das Gefühl der Überforderung und Verzweiflung wenn ich auf die nächsten Tage blicke, die Müdigkeit, das gefühlte kaputt sein… Ich mache keinen Sport, esse und nehme zu und das macht mich wahnsinnig. Wieso ich nicht einfach ausschlafe, Sport mache oder mal nicht esse? Keine Ahnung, da könnte ich genauso gut fragen, wie bin ich hierher geraten? Weil es nun mal so ist und auch nicht anders geht – nur aushalten. Aber wie lange denn noch? Die Frage bleibt unbeantwortet…  Zum Abschluss des Seminars über die heilige Elisabeth besuchten wir heute ab 17 Uhr noch eine Kirche und gingen danach noch zum Ausklang in einen Pub. Ich freute mich darauf, denn die Gruppe war angenehm. Die verdrängte Müdigkeit machte sich mit einem  Hungergefühl auf dem Weg zur Bahn bemerkbar. Im Pub hatte ich nur ein Diesel getrunken. Und da nur der Rossmann noch auf hatte – auch McDonald’s stand kurz zur Auswahl, aber da könnte ich den Hebel ziehen wäre sonst schief gegangen – wurde es Cola, fast eine Tüte Studentenfutter und getrocknete Aprikosen, die auf der 5 minütigen Bahnfahrt ihren Weg in mich fanden. Das Essen war eine Gratwanderung – noch einige und noch einige und eigentlich hatte ich schon zu viel gegessen für heute… Doch ich konnte nicht aufhören zu essen. Natürlich hatte das Paar neben mir sich etwas bei McDonald’s geholt und der Duft der mir in die Nase stieg vereinfachte meine Situation nicht.  Das Verlangen zu essen war zu groß. Als die Packung fast leer war, zwang ich mich aufzuhören, noch ein paar und der Grat wäre überwunden gewesen. Der Grat zu Hause weiter zu essen und kotzen zu gehen. Aber nein ich halte ja aus… Und weil ich die Gedanken und Gefühle loswerden und zugleich festhalten will, schreibe ich jetzt hier noch bevor ich schlafe um morgen im einen vollgepackten Tag zu starten.   

Gute Nacht! 

9 Gedanken zu “Gratwanderung

  1. Zitiere: …..Weil es nun mal so ist und auch nicht anders geht – nur aushalten. Aber wie lange denn noch?

    Antwort: Immer – denn es hört nie auf. Irgend ein Verlangen ist immer da. Ob essen, ob kotzen, ob trinken oder sonstige Hyperaktivitäten zur Ablenkung. Es hört nie auf……

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      1. richtig alles im Leben ist ein ständiges auf und ab.
        Es gibt Tage wo eine Sucht einfach verschwunden ist, und man greift sich aufs Hirn, wie man nur jemals da drinnen hängen konnte.
        Man fühlt sich unglaublich frei und vergnügt.
        Und wie aus der Luft gegriffen kann es urplötzlich zu einem totalen Abfall kommen.
        Man ist wieder in der alten Welt, mit den selben Sehnsüchten und Verlangen und Begierden.
        Eine einmal gebildete Persönlichkeit bleibt, solange man lebt.
        Und jeder Mensch hat mehrere Persönlichkeiten in sich.
        Alles liegt im Geist!
        Zu wem Du hältst, zu wem Du Dich bekennst und der Wille dem Geist zu folgen, der immer in die richtige Richtung zeigt.
        Denn Geist ist Gott und Gott ist Geist.
        Bist Du mit Gott ist er auch mit Dir und gibt Dir die Kraft das richtige zu tun und das falsche zu lassen.
        Ich habe gestern die Entscheidung getroffen den Alkohol zu lassen.
        Heute mein erster Tag.
        Wünsch mir Glück, Elli
        sowie ich Dir und ganz liebe Grüsse aus Wien ❤

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      2. Dein Kommentar ist so schön – danke ❤
        Ich wünsche dir viel Glück und bete für ganz viel Kraft für dich, das du widerstehen kannst oder zumindest an deinem Entschluss festhälst.
        Liebe Grüße 🙂

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  2. Etwas aushalten ist so verdammt anstrengend, kann da auch ein Lied von singen und in der Tagesklinik ist es auch nicht einfacher. Wichtig, versuchen weniger aushalten (müssen), dafür möglichst lange durchhalten. Manchmal denke ich, dass da kaum ein Unterschied ist, aber durchhalten Kling motivierender. Also halte durch 👍🏻
    Liebe Grüße
    artdiscard

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    1. Ich denke der Vorteil von durchhalten besteht vielleicht darin, das es begrenzter klingt. Ein Ende ist absehbar…Und es wird eins kommen.
      Danke, du auch 😉
      Liebe Grüße zurück 🙂

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  3. Ich glaube, dieses Unwohlsein gehört leider dazu. Ich hadere auch ständig mit mir, bin aber in meiner Entwicklung sehr, sehr weit hinter dir. 31 kotzfreie Tage sind super, darauf kannst Du stolz sein. Und das „Aushalten“ ist wichtig, aber irgendwie muss es schon KLICK gemacht haben in Deinem Kopf, denn sonst würdest Du (so wie ich in den letzten Tagen) Deiner Doris nachgeben. Vielleicht ist der nächste KLICK eine größere Portion Selbstakzeptanz? 😉 Ich wünsch es Dir so sehr.

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    1. Ich habe auch schon so viele Anläufe hinter mir… Auch wenn es jedesmal wieder schwerer erscheint, wird es doch einfacher, das kann ich sagen, jedoch nicht wann. Selbstakzeptanz ist glaube ich der unterbewusste Stein der vorhanden sein muss. Man muss akzeptieren, dass man kämpft und es der richtige Weg ist, auch wenn es sich oft so falsch und unsinnig anfühlt.
      Alles Gute und einen schönen Abend 🙂

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