Kämpfen, weil … ?

Mein Tag gestern ist schnell beschrieben: aufstehen, essen, Blog schreiben, Wäsche waschen, Unikram erledigen, fernsehen, essen, lernen, Telefonate führen, chillen, essen, lernen, einfach nur auf der Couch sitzen und mit Freunden schreiben, essen, fernsehen, FA, schlafen.

Heute sitze ich am Frühstückstisch und frage mich hört es denn nie auf? Dieses Verlangen nach Essen, dass ich einfach essen muss obwohl ich es nicht will? Gestern Abend war der Tag eigentlich schon abgehakt, auch wenn ich meine Wohnung nicht verließ und gefühlt nur den ganzen Tag auf der Couch saß und aß, war ich zufrieden mit dem Tag. Ein bisschen gelernt neben Ruhe und Erholung und das Essen hat genauso geklappt, wie ich es mir vorgenommen hatte – nur zu den Mahlzeiten, nicht gravierend über die Maßen. Dann saß ich Abend vorm Fernseher, schaute einen Film und war wirklich satt, denn wie oft in letzter Zeit war die vorangegangene Mahlzeit dann doch üppiger als geplant ausgefallen. Das Gefühle essen zu müssen kam auf. Es war ein Verlangen, wie wenn man mörderischen Hunger hat. Dann muss man einfach essen, bloß hatte ich kein Hungergefühl, sondern nur das Verlangen. Eine große Schüssel Müsli, 2 Knäckebrot mit Butter und Zuckerrübensirup und noch Rohkost wurden verschlungen – es musste jedoch möglichst süß sein. Zum Glück hatte ich nicht groß süße Sachen da, sonst wären diese vermutlich wieder in der Toilette gelandet. So hielt ich das Völlegefühl jedoch aus und schlief mal wieder ein mit dem Gedanken: So ein Mist, du hast auch gar keinen Willen… Wieso hast du es nur getan? Jetzt hilft nur hoffen, das das Völlegefühl bald vergeht. Wie aus dem nichts hatte mich das Verlangen gepackt und musste umgesetzt werden. Wieso bin ich nur machtlos? So weit bin ich bisher schon gekommen. Ich esse und behalte es drinne, eigentlich ist mir inzwischen auch schon fast egal was ich esse. Die Menge ist das, was mich beunruhigt, wieso kann ich das denn nur in sehr kleinem Maße steuern? Muss denn die erst abgelegte Angst vor einem Fressanfall jetzt wieder kommen, wenn ich anfange zu essen? Ach man es frustriert mich gerade einfach nur, dass ich gestern Abend schon wieder vollgestopft eingeschlafen bin – ich will nicht, dass es zur Regelmäßigkeit wird. Ja ich habe ausgehalten und vielleicht war es richtig, aber auf der anderen Seite bereue ich es auch. Auch wenn es heißt „Neuer Tag, neues Glück – das Essen von gestern ist trotzdem noch in mir“ und trotzdem habe ich ein normales Frühstück gegessen ohne zu reduzieren… Ob es Doris ist oder meine eigene Überzeugung, die gerade in mir schreit: Du bist einfach nur fett und schwach! kann ich noch nicht mal sagen. Ja mein Körpergefühl ist beschissen und damit aufzuwachen ist echt alles andere als sonnig… tja es ist ja auch bewölkt draußen. Das Gewitter letzte Nacht hat wunderbar meine Stimmung wiedergespiegelt. Warum soll ich noch kämpfen? Was würde das eine Mal kotzen jetzt ausmachen? – Gestern Abend beantwortete ich mir diese Frage mit Es hat doch eh keinen Sinn… Ich kämpfte nur, weil es Gewohnheit war und ich das irgendwann mal für richtig erachtet hatte und ich mich darauf berief. Heute morgen spukt diese Frage, ob ich weiter kämpfen soll und dem Verlangen zum Kotzen widerstehen soll, weiter in meinem Kopf herum. Ich fühle mich so mies – kotzen würde es besser machen oder? Hallo Doris! Was willst du mir den weiß machen? Das ich durch das Kotzen mit einem Schlag die gefühlten 10 kg zu viel wieder loswerde? Das das Verlangen dann aufhört? Das über dem Klo hängen mich stärker macht? Das es bei einem Mal bleibt? Verdammt nein, das ist alles falsch, es würde nicht bei einem Mal bleiben. Ist die Mauer einmal eingerissen, dauert es Zeit und Kraft sie wieder aufzubauen. Ich werde sie versuchen zu erhalten so lange ich kann. Ich würde gerne gerade irgendetwas selbstmotivierendes schreiben, aber mir fehlen Worte und Kraft dafür. Ich habe gerade kaum noch Kraft für den Kampf, die Reserven sind fast aufgebraucht… Bisher habe ich in solchen Phasen mir Kraft für eine neue Kampfansage aus einem Rückfall geholt. Ich habe einfach gegessen und gekotzt, oft tagelang, um abzuschalten, den Kampf Kampf sein gelassen, um dann wieder anzufangen, aufzubauen und weiterzukommen. Doch jetzt bin ich schon weiter, ich bin da, wo ich lernen möchte ohne Rückfall Kraft zu schöpfen. Wie das gehen soll und ob überhaupt – keine Ahnung… Ich kämpfe, weil ich einmal angefangen habe. Ich kämpfe, weil mein Gehirn mir sagt, dass es richtig ist. Ich kämpfe, weil ich es noch schaffe. Ich kämpfe, weil ich die Fortschritte nicht wieder wegwerfen will. Ich kämpfe, weil ich rational weiß das Doris meine Feindin ist. Ich kämpfe, weil ich gerade denke ich muss es. Und dieses Mal lasse ich das muss stehen – ab und zu muss man auch mal was. Meinen Willen kann ich gerade nicht klar von Doris ihrem unterscheiden. Und ob ich noch kämpfen kann, das werde ich vermutlich erst im Nachhinein sehen. Ich kämpfe, weil ich halt kämpfe! Rief der Wal und schwamm unter Aufbringung der letzten Kraftreserven in Richtung Wasseroberfläche, um neue Luft zu holen.

Ein Lichtblick bildet heute am Nachmittag das Treffen mit einer Freundin – Ablenkung und eine schöne Aufgabe 😉

Advertisements

8 Gedanken zu “Kämpfen, weil … ?

  1. Ich habe auch oft den Gedanken, wofür ich mich eigentlich so gegen das Übergeben wehre. Leider kann ich mich selbst oft nicht überzeugen, aber ich schreibe dir mal auf, welche Argumente ich für mich immer nutze, auch wenn du die meisten davon wohl kennst…Manchmal helfen sie:
    – du schadest deinem Körper. Du wirst müde und kraftlos, weil es anstrengend ist sich zu übergeben und du Nährstoffen etc nicht aufnehmen kannst. Auf Dauer geht es dir dadurch schlechter
    – du schadest langfristig deinen Zähnen und somit mehr deiner Optik als mit etwas mehr Gewicht, welches nicht so dauerhaft ist
    – du schadest deiner Seele, weil du dich selbst mehr erniedrigst als es ein Kilo mehr auf den Rippen tun kann
    – du fühlst dich schwach und verrückt, weil du etwas „unnormales“ tust. Stell dir vor xy würde dich dabei sehen. Willst du jetzt immernoch zum Klo rennen?
    – du gewöhnst dich und deinen Körper an das Übergeben und wirst dann schneller zunehmen. Also lass deinen Körper wieder lernen Sachen normal zu verdauen
    – du hast durch die Bulimie keinen Nutzen, du bist unglücklicher als vorher. Das Essen hilft dir nicht

    Vllt bringt es ja was sich diese Dinge nochmal vor Augen zu führen 🙂 aber da ist natürlich jeder anders, bin nur von mir ausgegangen
    Liebe Grüße,
    Sb

    Gefällt 1 Person

  2. Es wird leichter, jedesmal war ich von diesem starken Völlegefühl überwältigt, genervt und frustriert. Ich vertrete den Standpunkt, dass der Körper schnelle Kohlehydrate braucht, um jede seiner Zelle zu regenerieren. Gefühle machen das nachgeben leichter, aber es ist nicht tendenziell. Du hast es jetzt schon so lange geschafft, vielleicht überlegst du dir, welchen Nutzen du daraus ziehen konntest bis jetzt und was passiert, wenn du dich Doris hin gibst. Wenn du dich ihr hin gibst, wird folgendes passieren: du freust dich, weil du dich vollstopfen & kotzen kannst. Weil du laut Doris „endlich mal wieder alles essen darfst“. Dann kotzt du, das schlechte Gewissen kommt, vorherige Gefühle wurden betäubt, neue kommen: Vorwürfe, Gewissensbisse. Dann ist es „eh schon egal“, du frisst und kotzt. Doris hat dich wieder. Der Teufelskreis beginnt von neuem. Du hast lange durchgehalten und stehst wieder bei Null, denn du musst wieder stärker kämpfen. Ja, es gibt diese schlechten Phasen, aber es kommen auch wieder bessere. Niemand kann dir die Entscheidung abnehmen, nur du bestimmst die Richtung. Ich habe gemerkt, dass die Phasen vom vollstopfen weniger werden, es passiert seltener. Mir hilft es manchmal einen vorherigen Eintrag zu lesen, an dem ich die positiven Standpunkte aufgeschrieben hab, um mich zu erinnern, dass es auch gut sein kann ohne Herrn B. Es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht. Doris merkt, dass sie eigentlich unnütz ist und will das natürlich nicht und versucht es mit allen Mitteln
    Fühl dich gedrückt, ich glaub an dich. Halte dich an deinem Glauben fest – es wird gut. ❤

    Gefällt 3 Personen

    1. Einfach nur Danke für diese tollen Worte! Die helfen so sehr ❤ und du hast einfach recht mit allem, es bringt nichts jetzt Doris wieder die Zügel zu geben.
      Ich wünsche dir noch einen schönen Tag 😉

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Elli

    Das gierige Verlangen nach Essen, Naschen aber auch nach Alkohol, wie bei mir, hat meiner Erfahrung nach immer eine starke innere Anspannung als Grundlage.
    Regelmässige Entspannungsübungen bringen da sehr viel – wenn man es schafft, sich aus dem Alltag raus zu beamen….das ist meine grösste Hürde.
    Ich spüre deutlich, dass ich auf Entspannung gehen muss, und doch fällt mir immer noch etwas ein, was ich unbedingt vorher noch erledigen müsste.
    Doch ich denke, dass es schon mal wichtig ist zu wissen, wo die Ursache liegt.
    Beobachte es doch einmal bei Dir….würde mich interessieren, ob Du das auch erkennen kannst?
    ganz liebe Grüsse aus Wien
    ❤ Babsie

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Babsie,
      Das Geschilderte kenne ich, ich denke es ist Anspannung die viele unterschiedliche Ursachen hat. Stress, Leistungsdruck, durch soziale Beziehungen…
      Bei mir ist es so, dass ich immer anderes finde was ja sooo viel wichtiger ist als mich zu entspannen, weil was hat man da schon davon?…
      Liebe Grüße zurück ❤

      Gefällt 1 Person

      1. Zitiere: …..weil was hat man da schon davon?…

        Genau das ist der riesengrosse Irrtum!!!
        Kein Sprichtwort hat mehr Wahrheitsgehalt als „in der Ruhe liegt die Stärke“.
        Doch auch das ist eine Sache der Überwindung, wie alles andere aus.
        Immer wieder komme ich zu der Erkenntnis, dass eigentlich das ganze Leben aus nur zwei Grundlagen besteht.
        Der Beherrschung und der Überwindung…..seufz.
        Hab einen schönen Samstag, liebe Elli
        und ganz liebe Grüsse aus Wien
        Babsie ❤

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s