Es geht immer weiter

Dienstag und Mittwoch war ich immer erst spät zu Hause. Am Dienstag stand nach der Vorlesung bis 20 Uhr Inventur an der Arbeit an. Jedes Schmuckstück wurde mit einem Piepen abgescannt… es verfolgte mich noch bis in den Schlaf…. Sale Aufkleber verteilt und der Ladenaufbau etwas verändert. Und das alles bei gefühlten 50 Grad – jeder der 6 Personen stöhnte nicht nur einmal, dennoch schafften wir es auch ab und zu das Lachen erklingen zu lassen. Gegen 23 Uhr hatten wir es dann geschafft – es kam mir vor als hätte ich den ganzen Tag gearbeitet.

Den Mittwoch startete ich trotzdem motiviert und fit in den Tag. 10 Uhr bis 14 Uhr drückte ich den Unistuhl. Zum Mittag hatte ich mir ein Brötchen mitgenommen und auf dem Weg zur Arbeit gönnte ich mir 3 Kugeln Eis, denn nun stand arbeiten bis 20 Uhr mit anschließendem Aufräumen und Kassenabschluss an. Ich aß das Eis völlig ohne Reue und der freundliche Verkäufer hatte mir mit einem Zwinkern sogar die „Dekokugel“ Raffaello mit auf die Portion gegeben. Und statt überfordert zu sein, freute ich mich darüber. Gegen halb 10 saß ich abends dann mit knurrendem Magen und dem Verlangen nach einem Fressanfall in der Bahn nach Hause. Noch was essen oder einfach schlafen gehen? Was ist richtig? Ich beschloss noch etwas zu essen, hatte ich in den letzten Tagen immer ein Hungergefühl ignoriert und ausgehalten oder auf Essen verzichtet oder verdrängt kam es immer dazu das ich bei der nächsten Mahlzeit zu viel aß. Und da ich mich als ich vorm Kühlschrank stand mal wieder nicht entscheiden konnte, was genau essen, aber auch etwas essen wollte, bereitete ich mir einen Salatteller mit etwas Käse und Wurst und allerhand Gemüse. Das der Tag anstrengend gewesen war, merkte ich erst als ich nun saß uns aß. Die Hitze hatte es nicht einfacher gemacht und die Klimaanlage im Laden war irgendwann einfach machtlos gewesen. „Haben sie etwas Zeit?“, fragte ein Kunde der an der Kasse mir gegenüber steht. Klar der Kunde ist König. Was will er denn wissen, sucht er noch was bestimmtes? Einfach freundlich lächeln. Er kippte sein Portemonnaie aus und fing an 2, 85 Euro in braunem Kleingeld zusammenzusammeln …. Echt jetzt? Mit „Es ist aber ganz schon warm hier bei Ihnen“, machte mich eine Kunde darauf aufmerksam, dass auch die aufgestellten Ventilatoren nicht viel brachten. Was sie nicht sagt… „Das wird aber ziemlich klein!“, ich ließ mir meine ironische Begeisterung etwas anmerken – er zählte immer noch…und hatte angefangen die schon hingelegten 5 Cent Stücken in 1 Cent Stücke umzutauschen.  Jetzt ist aber Schluss, da stehen jetzt noch andere Kunden! Ich fing an schon einige 5 Cent Stücken zu nehmen und laut zu zählen. „Wie viel haben sie gerade in der Hand?“, fragte ich. Natürlich hatte er vollkommen den Überblick verloren, in einer Hand hielt er nur 1 Cent Stücken – hatten die alle in das Portemonnaie gepasst? Natürlich kam gerade in diesem Moment meine Chefin aus dem Lager und nach einem Blick auf die gebildete Schlange, warf sie mir einen auffordernden und alles andere als begeisterten Blick zu. Meine Chefin und auch das Team sind toll, ich fühle mich aufgenommen und sie haben auch Verständnis für Anfängerfehler, dennoch gibt es halt viel zu lernen und die geschieht nunmal durch Kritik. „Mach dies so… und das so… und darauf musst du achten… und das darfst du nicht… das war falsch…“ Es ist nicht böse gemeint, das weiß ich und mit Kritik kann ich eigentlich gut umgehen, besser als mit Lob in jedem Fall. Aber es ist halt viel Kritik auf einmal und manchmal frage ich mich, werde ich das jemals alles so hinbekommen? Geduld halt 😉 Ich saß also auf der Couch aß meinen Salat und schaute noch eine Serie – nur sitzen und essen wollte ich nicht. Schon beim Essen fiel mir auf, es ist nicht genug für die Emotionen, satt war ich eigentlich schon nach dem halben Teller. Ich hätte einfach schlafen gehen sollen, aber ich war einfach nicht innerlich befriedigt, Doris schrie nach einem Fressanfall – mich vollstopfen zur Befriedigung, um die Unruhe und Anstrengung mit einem Kotzgang zur inneren Leere und Zufriedenheit umzuwandeln. Statt Eis, Joghurt, Schokolade (wo ich noch nur ein paar Kinderriegel da habe) zu essen, löffelte ich ein großes Glas Rote Bete und eine Schüssel Naturjoghurt mit Nüssen – es war der erste Schritt in Richtung Dann esse ich halt, weil es gerade sein muss, aber gehe nicht kotzen. Und so schlief ich dann irgendwann wie ein aufgeblasener Kugelfisch gefüllt mit Rote Bete, schlechtem Gewissen und der Frage nach dem Sinn ein. Doch Doris hatte nicht gewonnen.

Heute erwachte ich gegen 7 Uhr – ohne Wecker, weil heute mal ein Tag ohne feste Termine ansteht. Mit Hunger! -??? Wie geht das denn? Vielleicht habe ich es wirklich gebraucht? Jedenfalls sieht die gegessene Menge von gestern nicht mehr ganz sooo dramatisch aus. Merke: Es geht immer weiter… Ich denke außer einem eventuellem rotem Stuhlgang werde ich heute nichts mehr davon merken. Ohne es zu beschwören, aber ich bin mir bewusst, dass Doris heute nochmal anklopfen wird – aber ehrlich gesagt: Es ist viel zu warm zum Kotzen… Wie ich das letztes Jahr den ganzen Sommer durchgezogen habe, dieses Fressen und Kotzen ist für mich gerade unverständlich. Heute werde ich meine Gehirnzellen etwas auf die bevorstehende Prüfung polen und vielleicht etwas spazieren gehen im kühlen Wald.

 

Ich wünsche euch einen schönen, sonnigen Tag – geratet nicht zu sehr ins schwitzen 😉

3 Gedanken zu “Es geht immer weiter

  1. Super gemacht! Die Hitze dämmt unsere „Kugelfische“ gerade ein.
    Und wegen Hunger nach vielem Essen am Abend: das ist immer so. Abends hat der Magen und die Verdauung nochmal Beschäftigung und morgens schreit der Magen laut „HUNGER“!!! Ist bei mir auch so. Wenn ich mal nichts abends esse, hab ich morgens nie Hunger 😉 Schon erstaunlich. Ich wünsch Dir einen schönen Abend. Du kannst stolz sein. Und selbst wenn Doris nochmal laut werden sollte: du hast viel geschafft, mach dir keinen Druck. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass kleine Rückschritte dazugehören, um für das Vorwärtskommen Anlauf zu nehmen ❤

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