schleppend

Als würde ich mich selbst erdrücken, mir selbst zu viel sein. Als wäre es mir zu schwer mich zu tragen. Gar nicht auf mein Gewicht bezogen, sondern insgesamt. So geht es mir heute. Schleppend und zäh verging der Tag – zumindest kam es mir so vor. Ich schleppte mich von hier nach da, schien kaum zu existieren, war irgendwo verloren in meinem Durchhänger. Eine unsichtbare, unbenennbare Last ruhte heute auf meinen Schultern, ließ jeden Schritt 10 mal so schwer wirken. Müdigkeit und „einfach fertig“ waren glaube ich die Pakete, die selbst das Denken verlangsamten. Auf der einen Seite war es eine schwere Leere, auf der Anderen war ein undefinierbarer Druck vorhanden – ich hätte den ganzen Tag durchessen können. Würde ich nicht einen kleinen Abstand zu Doris besitzen, wäre heute so ein Tag gewesen an dem ich mich ganz in einen Fressanfall hätte fallen lassen. Doch so starrte ich Luftlöcher in den blauen Himmel und versuchte zu begreifen was in dem Text für ein Seminar morgen geschrieben steht. Doch ich hielt mir die Zettel oft nur vergebens unter die Nase. Ich aß ein erstes Frühstück, zweites Frühstück, Mittag – Völlegefühl „Hallo“, aber noch nicht mal das störte groß, war halt einfach da, genauso wie ein wirklich mieses Körpergefühl. Ich setzte mich in die Bahn und fuhr zur Therapiesitzung. Ich erhoffte mir etwas, was genau, da hatte ich keine Ahnung. Klärung, Hilfe bei der Einordnung der Geschehnisse, Unterstützung, verstanden werden, irgendwie aufgerichtet werden, einfach rausreden was mich beschäftigt, ich sein dürfen, eine Berechtigung für 50 min einfach mal schwach sein zu dürfen, weil ich mir es eigentlich nicht erlaube… Nicht das ich immer schon vorher plane was ich erwarte, aber hatte ich das Gefühl es könnte irgendwas verändern, ich wollte es gerne. Das Wochenende hat mich mitgenommen, fertig gemacht – es war zwar schön und spaßig, ich würde nichts weglassen wollen beim wiederholen, aber es war auch anstrengend und aufwühlend. Erschöpft und irgendwie bedrückt saß ich auf dem Stuhl. Ich wollte so viel erzählen und ansprechen, doch die Worte kamen nur schleppend über meine Lippen. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind, welches da saß und überhaupt nicht wusste was es eigentlich da sollte. Mein Therapeut  schien nicht zu verstehen, warum es mich wurmt, dass ich erbrochen habe. Ich fühlte mich nicht ganz ernst genommen und es machte mich unsicher, als er mich fragte, wieso ich kämpfe. Ich antwortete für mich, für mein Leben halt, einfach weil ich der Meinung bin es ist das Richtige.  Doch das war ihm zu allgemein… Ja wieso kämpfe ich? Für meine Familie, für Freunde, für mein Studium, für spätere Kinder? Nein nicht bewusst für einen, aber doch schließt es alles mit ein. Ich kämpfe halt, weil ich kämpfe. Brauche ich denn einen bestimmten Grund? Ist mein Leben denn nicht genug? Ja klar gibt die Essstörung mir Vorteile: Ich habe eine Begründung dafür mal schwach sein zu dürfen, ich kann damit super meine Gefühle verdrängen, ich kann essen und nehme nicht zu, ich bekomme eine Kontrolle und einen Halt der mich stützt, selbst wenn alles zerbricht, kotzen gehen kann ich immer. Aber sie hat doch auch so viele Nachteile: meine Gesundheit leidet, Beziehungen gehen den Bach runter, Geldverschwendung, Zeitverschwendung, mir wird Kontrolle entrissen, ich werde abhängig, das schlechte Gewissen, die Gedanken etwas falsch zu machen, ich muss mich verstecken und verstellen. Am Ende dachte ich, ich würde mir meine Essstörung und Probleme nur einbilden, geht doch gerade ohne, ein wenig kam es mir so vor als würde mein Therapeut mir gerade das vorwerfen. Ich weiß doch, dass nur ich dafür verantwortlich bin und nur ich kämpfen kann. Aber das ich die Essstörung wähle, weil ich so etwas zu tun habe? Ich würde doch so gerne die Gedanken und alles was mit der Essstörung zusammenhängt wegwerfen und unbeschwert leben – das ist mein Ziel. Keine Angst mehr haben müssen, die Kontrolle zu verlieren, mir auch ohne Kontrolle vertrauen dürfen. Es kam mir vor als würden mein Therapeut und ich heute aneinander vorbei reden. Verunsichert und unverstanden fühlte ich mich, und ich war enttäuscht – so sinnlos war das heute… Spontan traf ich mich danach mit einer Freundin auf ein Eis, es war ein kleiner Lichtblick. Nach einem kleinen Spaziergang in die Stadt, ging es zurück in meine Wohnung. Ich bin heute einfach fertig. Solche Tage darf es geben, Tage an denen man nicht hochkommt, wo alles schwer und zäh erscheint, und man sich einfach hängen lässt. Wenn der innere Druck nur nicht wäre, der mich gerade zu einem großem Teller Salat, Jogurt und 2 Scheiben Brot gedrängt hat. Nun sitze ich hier, fühle mich einfach vollgestopft, bin enttäuscht und gehe nur nicht kotzen, weil ich es die letzten 22 Tage auch nicht getan habe. Ich habe das Erbrechen am Samstag jetzt nicht als Rückfall abgestempelt. Vielleicht sollte ich mich jetzt schon ins Bett schleppen – müde bin ich, aber ob ich schlafen kann… Ich hoffe morgen auf einen leichteren Tag und wünsche schonmal eine gute Nacht 😉

3 Gedanken zu “schleppend

  1. Ach Elli, fühl dich gedrückt. Solche Tage kommen und gehen, und ja manchmal sollte man einfach schlafen gehen. Der Kugelfisch ist unterfordert.. Und du musst deswegen leiden. Und das Prinzip „weil ich die letzte 22 Tage nicht gekotzt habe“ finde ich ziemlich gut.. so mach ich das auch hin und wieder 😂 ich schick dir ein bisschen positive Energie ❤

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  2. der Grund, WIESO du kämpfst, ist sowas von egal. Du kämpfst. Und so, wie du das beschreibst, ist das schon automatisiert und das ist SPITZE!! Genieße es! Ich freu mich, dass Du schon so lange ohne Doris auskommst 🙂 Ruh Dich aus und hab einen entspannten Abend ❤

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  3. Wie Du richtig sagst, liebe Elli, solche Tage gibt es und Basta!
    Auch wenn Du nicht gleich einschläfst, dann entspanne Dich einfach nur.
    Autogenes Training wäre natürlich ideal – kannst Du das?

    Schlaf gut ❤ und träum schön

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