Erster offizieller Arbeitstag

Heute war viel los, aber eigentlich auch nicht. Trotzdem frage ich mich gerade ob ich heute mal gesessen habe und zur Ruhe gekommen… Ich fühle mich gerade erschlagen, erschöpft, müde und pappsatt. Eigentlich bestand heute nur aus zwei Terminen: Ambulante Therapie und arbeiten im Schmuckladen. Die ambulante Therapie: Mh… so richtig weiß ich immer noch nicht wie ich sie verbuchen soll. Ich war heute ja mal so gar nicht in Therapielaune (sofern es sie gibt…). Da sitzen, reden und beobachtet werden, obwohl ich sonst noch nie ein Problem darin gesehen habe oder es mir irgendwie zu unangenehm war in dem Therapieraum zu sitzen, heute hatte ich davor die Vorstellung von einem heißen Stuhl im Kopf. Gefesselt auf dem Stuhl sitzen, reden und antworten und angestarrt werden… keine Ahnung woher dieses plötzliche unangenehme Gefühl kam und es war ja nur die Vorstellung. Hach und reden, analysieren, erklären, und die ganze Palette Gefühlsduselei… darauf hatte ich ja auch mal überhaupt keine Lust. Heute hätte ich am liebsten den Termin abgesagt… aber ok man hat auch mal solche unmotivierten Tage. Diese ganze „Nichtmotivation“ vermischte sich mit der Aufregung und der Ungewissheit im Bezug auf meinen ersten Arbeitstag in meinem Nebenjob – was da wohl auf mich zu kommen würde? Es war ein komisches Gemisch: Null Bock Stimmung, Unsicherheit und Aufregung und auch ein wenig Vorfreude… Also von Ruhe bis Unruhe war alles dabei. Ich würde nicht sagen, dass Doris zum Frühstück präsent war, aber ich merkte wie ich durch den emotionalen Hunger meine Müslischüssel voller packte als sonst. Wieso nicht? Wenn die Nerven das brauchen… Trotz der Überzeugung: Kein Redebedarf, ist ja alles super, Tag 19 kotzfrei und mit beiden Beinen voll im Unileben und so… sprudelten die Worte nur so aus mir raus als ich erstmal angefangen hatte. Unterm Strich stand fest, das ich immer nach Berechtigungen und Erklärungen suche, um verstanden zu werden und um meine Handlungen zu rechtfertigen und ich den ganzen Wald umarmen will, statt mir nur einen Baum oder Grashalm zu suchen. Ich habe so viele Ziele und Wünsche, Träume, tanze auf so vielen Hochzeiten und renne auf alle gleichzeitig zu statt mich auf eins zu konzentrieren, versuche ich alles gleichzeitig zu managen, weil man ja nichts vernachlässigen kann. Aber es ist gerade vermutlich auch eine Methode um den Wegfall der Sympomatik der Essstörung zu kompensieren. Und einen klaren Weg habe ich ja zur Zeit – mein Studium zu Ende bringen. Auf jeden Fall soll ich versuchen auch mal im hier und jetzt wahrzunehmen, was los ist und nicht unaufhörlich weiter rennen oder mich im Kreis drehen. Leichter gesagt als getan, aber ich versuche mir für nächste Woche mal vorzunehmen jeden Tag eine Achtsamkeitsübung zu machen. Dann ging es nach Hause, irgendwie ruhiger, aber es war immer noch ein innerer Druck da. Da das Nachmittagsessen ausfallen würde, wegen der Arbeit, gab es einen großen Salat mit etwas Käse, Hähnchen, Nüssen und zum Nachtisch Joghurt mit etwas Schokolade und Früchten. Ich war satt – und um nicht in Versuchung zu kommen weiter zu essen, spazierte ich schon eine Stunde früher zur Bahn. Dort saß ich nicht untätig rum und genoss die Sonne – ich lernte für meine Prüfung, die bald ansteht. Bei Nichttun würden zur Zeit würden viel zu viele schlechte Gedanken kommen in Form von: Du könntest noch das erledigen, und das hast du auch noch vor… . Kaum zu glauben, das ich vor einigen Tagen immer mal noch ruhig auf meinem Fensterbrett die Sonne genoss. Ich komme mir zur Zeit vor wie ein Flummi der von a nach b springt und immer rauf und runter und sobald er mal droht liegen zu bleiben, wird er neu geworfen. Die nächsten Tage werden stressig mal sehen , ob ich zum schreiben komme, aber ich denke schon und es ist meine Zeit – zum Gedanken sortieren und nachdenken, zum Ich sein, weil ich meine Maske brauche. Achso das Arbeiten heute (sollte eigentlich das Hauptthema heute werden, aber irgendwie habe ich einfach zu viele Gedanken :p). Also es war mein erster offizieller Arbeitstag in meinem Nebenjob bei einem Schmuckladen. Es war toll, ich war aufgeregt und unsicher davor, hatte keinen so richtigen Plan worauf ich mich da nun eingelassen hatte, aber das gab sich mit der Zeit. Mit den Mädels mit denen ich zusammenarbeitete verstand ich mich super, waren mega nett und erklärten mir alles. Leider konnte ich noch nicht an die Kasse, weil dafür noch Unterlagen zugeschickt werden müssen. Ich beriet Kunden, was Freude machte, mir wurde sogar zurückgemeldet, das ich 1. eine gute Beraterin war (Kundin) und 2. gut mit Menschen kann umgehen kann (Kollegin) und sortierte Schmuck, bekam die Kasse schon mal erklärt, samt Abrechnungen die ich dann auch machte. Umsatz berechnen und Kassenzettel sortieren und feinsäuberlich aufkleben (das man das machen muss…) – sowas ist Neuland für mich, doch es war nicht schlimm, machte sogar Spaß, auch wenn ich davon ausgehe, das es mit der Zeit nervig ist. Kurz vor Feierabend, hieß es noch putzen, doch gemeinsam waren Schmuckständer und Spiegel schnell abgewischt. Wir arbeiteten kurze Zeit zu dritt, dann zu zweit – es herrschte eine lockere, keineswegs angespannte Atmosphäre (weil ich ja neu bin), wie erwartet, auch die Kommunikation mit den Kunden war auf einer freundlichen offenen Basis. Ich fühlte mich wohl, habe nicht genauer geschaut, wie es mit der Unsicherheit in meinem Inneren aussah, aber ich bin zufrieden mit meinem ersten Tag und meiner Verkäuferinnenmaske, die nicht nur aufgesetzt ist, sondern ja irgendwie von mir/aus mir kommt… So das lasse ich jetzt mal einfach so stehen. Die fünf Stunden waren scheinbar verflogen und auf dem Weg nach Hause merkte ich, wie anstrengend der Tag doch gewesen war, so viele neue Informationen und Erfahrungen waren/sind da zum verdauen, es war warm gewesen und ich hatte Hunger. Dieses Gefühl sich auf das Essen zu Hause zu freuen ist schon was tolles. So jetzt gehe ich langsam ins rufende Bett. Morgen früh geht es erneut zu Arbeit und ich freue ich drauf. Danach fahre ich in meine Heimat, dort steht von der Kirchgemeinde ein Geländespiel an, welches ich mit betreue, auch darauf freue ich mich schon. Mein Therapeut würde jetzt fragen: Und wo sind sie dabei? – Das ist mir gerade egal, es gibt halt auch mal solche Tage. 

Müde, aber liebe Grüße 😉

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6 Gedanken zu “Erster offizieller Arbeitstag

  1. Ich hab nie dran gezweifelt, dass du die Arbeit im Schmuckladen nicht schaffst oder dass du Probleme mit dem Umgang mit Kunden hast! 🙂 Freut mich, dass es so gut gelaufen ist. Therapie ist manchmal echt nervig, das habe ich heute auch erfahren. Aber irgendwie nimmt man doch aus jeder Stunde neue Erkenntnisse mit. Egal welcher Art.
    Dein Plan für’s Wochenende klingt gut, aber ich hätte Bedenken, dass du dabei wirklich etwas vergisst, auf dich selbst und deine Bedürfnisse zu hören. Ich hoffe, du bist nachsichtig mit dir und ziehst dieMaske nicht zu fest. Stichwort Stütze und Korsett. 🙂
    Blumige Grüße!

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    1. Das stimmt durch jedes Gespräch kommt man zumindest etwas zum Nachdenken.
      Danke für die Erinnerung, ich werde versuchen drauf zu achten, das mir das Korsett nicht die Luft abschnürt.
      Liebe Grüße ❤

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      1. Man braucht diese Maske ja immer wieder und sie hat ja auch ihre Funktion. Wie du schon sagtest, es gibt eben solche Tage. Aber manchmal vergisst man, dass man die Maske noch aufhat. Das ist genauso, wenn ich mit Kontaktlinsen einschlafen, weil ich vergesse, dass die Welt mit meinen echten Augen trotzdem noch verschwommen ist. 😉

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  2. Super wie du den Tag gemeistert hast, ich freu mich. Ich war auch wie ein Flummi – wurde aber in die Knie gezwungen (Bauchschmerzen und co.) Und jetzt langsam nehme ich mir bewusst Zeit für mich, Versuch auch mindestens einmal in der Woche eine geführte Meditation/Traumreise zu machen. Es ist ein Prozess, wir müssen uns ein bisschen in Geduld üben 😉 hab einen schönen Tag ❤

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    1. Ja die liebe Geduld mit uns und dem Weg da raus, aber mich motiviert es gerade, dass es anscheinend nur eine Phase ist, die nachlässt. Manchmal habe ich das Gefühl kaum Luft zu haben obwohl ich alles im Griff habe.
      Danke, du auch ❤

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