Der 6. Tag?!

Merke: Nach 5 kotzfreien Tagen klappt das schlafen schon etwas besser. Vielleicht ein erstes Zeichen dafür, dass sich mein Körper langsam an die regelmäßige Nahrungszufuhr gewöhnt?

Heute morgen hatte ich den starken Drang mich auf die Waage zu stellen (am Samstag war ich das letzte Mal). Ich tat es nicht. Wieso riskieren, dass es mich aus der Bahn wirft, wieso riskieren, dass ich dann Doris die Leitung überlasse, um wieder eine bessere Zahl zu sehen? Ich will die Zahl nicht sehen, ich weiß sie würde mir nicht so gut gefallen, wie die am Samstag. Am Samstag nach Tagen, wo ich fast nicht verdaute, wo ich erschrocken war unter der 50 gelandet zu sein, neben der Freude und Bestätigung. Es würde garantiert eine Zahl weit über 50 kg da stehen, ich will es nicht sehen. Ich weiß es auch so und es wurmt mich, es gibt mir ein mieses Gefühl, aber so lange ich es nicht auf dem Display sehe ist es nicht fest, dann ist es so, aber nicht bestätigt und unumstößlich. Ich bin zwiegespalten – ich weiß das ich (für meine/Doris Begriffe) zu viel wiege, deswegen kann und darf ich mich nicht wohl fühlen in meinem Körper, aber auf der anderen Seite hat es mich überrascht unter die 50 gekommen zu sein – wollte ich das überhaupt, es geht schnell abwärts, ich will mich nicht an Doris verkaufen, ich will nicht mein Leben aufgeben, um einer Zahl hinterherzujagen. Wofür brauche ich eine Zahl, nur um mich gut fühlen zu dürfen? – Ich kann es doch einfach machen. Ja und das tue ich heute wirklich. Mein Körpergefühl ist ganz gut – ich mag das was ich sehe, wenn ich meine Figur heute im Spiegel anschaue. Die letzen Tage hatte ich immer wieder Momente, dass ich, wenn ich mich in anderen Spiegeln gesehen habe kurz erstaunt war, „So dünn bin ich wirklich?“, dabei sehe ich meist nur meinen hervorstehenden Bauch und die dicken Oberschenkel, wenn ich an mir hinunterblicke. Immer wieder stelle ich mir die Frage, wie sehe ich denn aus? Seit letztem Jahr wünsche ich mir mich mal mit objektiven Augen anzuschauen, zu sehen wie ich wirklich aussehe ohne mein verzerrtes Wahrnehmungsbild. Ich bin nicht zu dünn, das weiß ich, ich bin keine bei der man auf den ersten Blick sieht – die hat garantiert eine Essstörung. Aber eine Essstörung sieht man nicht immer äußerlich! Es gibt so viele Betroffene, bei denen würde man nicht mal auf den Gedanken komme. Ich weiß ich bin schlank, vll auch dünn, doch das sehe ich nicht. So zurück zum Tag: Ich ging also nicht auf die Waage, frühstückte und versuchte meine vorhandene Unruhe zu ordnen. Heute stand ein freier Tag an – keine Termine, keine Verpflichtungen, an sich schön und ich freute mich, nur leider spürte ich Doris in meinem Nacken atmen. Also musste ein Plan her – kein ganz grober, sondern ein aufgeschriebener, etwas Halt gebender, aber nicht ein kleinlich geplanter, der mich unter Druck setzt mit Dingen die ich erledigen muss. Ich plante mein Essen – 4 Mahlzeiten mit Abständen von 2- 3 Stunden und machte eine Liste was ich dazwischen erledigen könnte, sodass ich immer die Wahl hatte ob ich z.B.: jetzt an meiner Hausarbeit schreibe, Wäsche wasche oder aber zur Ablenkung Inliner fahren gehe. Nach dem Frühstück war das Verlangen groß einfach weiter zu essen. Heute ist so ein Tag an dem ich Lust habe, die ganze Welt zu verspeisen, einfach pausenlos essen obwohl ich satt bin. Aber da ich Doris inzwischen schon ganz gut kenne habe ich mir auch kleine Dinge aufgeschrieben, wie mit Freundin xy schreiben, E-Mails checken, so etwas was eben mal erledigt ist und ich machen kann wenn ich keine Lust habe etwas „großes“ Anzufangen, wie Inliner fahren. Inliner fuhr ich trotzdem – die Zeit zum bis zum Mittag wollte einfach nicht vergehen, ich hatte schon sehr viel abgehakt, die Wäsche war gewaschen, auch etwas an der Hausarbeit geschrieben, aber ich hatte einfach keine kreative Phase, ständige suchte ich nur nach Worten. Also Kopf frei bekommen – raus. Knapp 2 Stunden kurvte ich draußen umher und nach etwa 40 min hörten die Gedanken endlich auf zu kreisen und ich hatte Spaß daran mich zu bewegen, zu rollen, im Fluss zu sein, eins mit meinem Körper zu sein. Geschwindigkeit und sich vollkommen auf die vor mir liegende Straße zu konzentrieren, weil ein kleiner Stein dich schon aus dem Gleichgewicht bringen kann. Der Fahrtwind schien die Gedanken allmählich wegzupusten und die Unruhe und das Chaos gleich mit. So gab auch dann auch eine langsamere Phase, in der ich es genoss draußen in der Natur zu sein. Ein Hase hoppelte plötzlich aus dem Feld neben mir über die Straße, ich sah ein Reh im Feld herumspringen und es gab viele bunte Blumen zu entdecken. Kurz ich war zufrieden und Doris war für einige Minuten weg. Nach dem Mittag fing der Kampf dann wieder an, dann gibt es halt nach der Suppe noch ein Salat, der bringt mich nicht um …. und dann schreiben, ich hatte mir vorgenommen ein Essay heute fertig zu bekommen. Es gelang und das zweite ist sogar auch schon zur Hälfte fertig. So vergaß ich die Zeit etwas und statt zwischen 15-16 Uhr gab es das Eis erst 17 Uhr. Aber ich wollte es auch nicht wegfallen lassen, da ich mich darauf gefreut hatte. So und da sitze ich nun und kämpfe immer noch gegen Doris, die der Meinung ist, es war zu viel Eis und zu spät und so einen Fressanfall hatte ich auch schon lange nicht mehr… Aber ich bin heute schon so weit gekommen, war produktiv und aktiv, war stark und habe bisher gewonnen, da gebe ich doch jetzt nicht nach, wäre doch blöd oder? Die Segel sind gehisst, um zur Insel „Tag 6 kotzfrei“ zu schippern! Bitte pusten, damit es mich von Doris wegtreibt.

An alle anderen tapferen Kämpfernaturen: Viel Kraft, Sonne und Wind!

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2 Gedanken zu “Der 6. Tag?!

  1. Klasse!! Wirklich! Auch das mit der Waage. Ich verstehe dich wirklich, ich habe die gleichen Gedanken und mir sieht man die Essstörung definitv nicht an 😉 als ich das letzte mal drauf gegangen bin, war es wirklich schwer weiter zu machen, aber das ist jetzt auch schon bestimmt 4 Wochen her. Aber, ich merke auch wie sich mein Körper jetzt verändert, das Wasser wird weniger..trotzdem möchte ich noch nicht drauf . .was ich damit sagen will: geh nicht drauf 😄 ich drück dir die Daumen dass du heute nicht mehr so viel kämpfen musst und Doris sich in die Ecke verkriecht ❤

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