Ich war stolz

… Ja ich war gestern wirklich stolz auf mich. Habe mein Frühstück trotz Unruhe und Chaos im Kopf gemeistert, habe dann in den Vorlesungen mitgearbeitet und Doris in den Whirpool gesteckt, damit sie mal so richtig durchgerüttelt und aus der Fassung gebracht wird – kurzum sie war für einige Stunden weg, damit auch der generelle Gedanken ans Essen, ich könnte mich komplett auf die Themen konzentrieren. 15 Uhr hatte ich meine mündliche Prüfung. Ja etwas Aufregung war da, aber so etwas nehme ich eigentlich immer relativ locker. Kurz davor setzen nun mega Bauchschmerzen ein – Hunger, wie ich dann herausfand. Ich hatte ja auch schon seit um 8 nichts mehr gegessen. Total vergessen, aber durch die einigermaßen geregelten Tage, rechnet mein Körper so langsam wieder mit der Nahrung und war Mega enttäuscht noch nichts bekommen zu haben. Ich aß in der halben Stunde die ich zwischen letzter Vorlesung und Prüfung hatte also meinen mitgebrachten Salat und die Welt war wieder in Ordnung. Ok etwas Aufregung war da, aber ich war relativ selbstsicher – meine perfekte, schutzgebende Maske funktionierte einwandfrei. Die Prüfung hätte nicht besser laufen können. „Wir haben ihre Begeisterung für das Thema gespürt und geben Ihnen eine 1,0.“ Wow, damit hab ich nun echt nicht gerechnet… Freude und Glück – ja ich war stolz auf meinen Erfolg und so etwas sage ich nicht oft. Was hat Doris da noch zu sagen? Ich bin so zufrieden, da hat Doris gar keinen Platz. Und ein Verlangen zu essen, kotzen oder einen Fressanfall spürte ich auch nicht. Bei diesem Wetter, kannst du dir jetzt ein Eis gönnen. Das tat ich dann auch – zu Hause in meiner Wohnung. Dann saß ich wieder in der Sonne auf meinem Fensterbrett und alles war prima – ich war glücklich und stolz. Doch Doris fing leise an zu rufen – heute nicht!, stand fest. Und doch geschah es am Abend – die Unruhe vom Morgen war wieder da. Ich wollte es, ich wollte den Halt der Essstörung, ich wollte schwach sein und nicht mehr kämpfen, die Krafttank war leer oder war es nur der Wille? Keine Ahnung. Ich ließ den Fressanfall zu, schlief dann verzweifelt und mit tausend negativen Gefühlen trotzdem recht gut ein. Doch während des Fressanfalls war mir bewusst – so etwas macht mir keinen Spaß mehr, zur Zeit ist es nur noch negativ – ich sehe nichts Positives darin. Ich sehe den Erfolg – ich habe zwar mindestens 8 Mal über der Toilette gehangen – aber habe irgendwann richtig gemerkt: Ich hab gar kein Verlangen (mehr) weiter zu machen. Normalerweise wäre nach so einem Bruch mit der kotzfreien Zeit, der nächste Tag auch überm Klo verbracht wurden, aber heute morgen habe ich es mit aller verbliebener Kraft geschafft zu gewinnen. Ja Doris ist da, Doris ist stark und hinterhältig, aber ich habe die Sturheit immer wieder anzufangen zu kämpfen. Meinen Stolz lasse ich mir nicht nehmen, hinfallen, aufstehen und mit zersaustem Haar das Leben rocken. 

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