Ich kämpfe noch!

Voll und fett – mein derzeitiger Gefühlszustand, ob nun meine Gefühle oder von Doris eingegeben, ein Vollegefühl ist gerade sehr präsent. 2 Müsliriegel und 3 Kinderriegel mussten nach einem üppigen Abendbrot und zig Möhren eben dran glauben. Doris schreit und treibt mich an – „Geh doch endlich kotzen und hör auf zu kämpfen, Gib nach und ess noch eine Tafel Schokolade…“ brüllt sie und hat mich schon fast soweit gehabt. Doch dann schaue ich in meine WordPress- App, vielleicht gibt es ja einen neuen Eintrag, vielleicht kann mich das ja aufbauen und abhalten. ICH WILL NICHT KOTZEN!!! Nicht heute an Tag 5, nicht heute nach der Therapiesitzung, nicht heute wo ich schon so gekämpft habe. Meine innere Sturheit bäumt sich auf, verbindet sich mit der Hoffnung. Und Tada – ein neuer Eintrag, Miss Recovery hat geschrieben, sie hat Tag 5 geschafft. Ich bin so stolz auf sie! Mein Kampfwille bäumt sich auf – ich schaffe es, ich widerstehe. Ich setze mich an meinen Laptop und schreibe doch noch einen Eintrag, einen Eintrag über den heutigen Tag. Ich schreibe schwarze Buchstaben auf weißen Untergrund, Wörter gegen das Völlegefühl, gegen das Ich-bin-fett-Gefühl. Schon einen Fressanfall habe ich heute überstanden, mit Hilfe einer supertollen Freundin, die mit mir geschrieben hat und Doris vertrieb. Da gebe ich doch jetzt nicht nach! Nach der Therapie war es schon brenzlig, aber um 12 Uhr hatte ich mich mit einem Freund verabredet, somit kam es nicht zu dem Fressanfall, den ich nach der Sitzung eigentlich schon geplant hatte. Ich war wütend nach der Sitzung, auf den Therapeuten, auf mich – ich kann es nicht sagen. Die Wut war auf einmal da, es war so eine Grundstimmung. Dabei bin ich noch gut gelaunt aus der Sitzung raus, die auch gut gelaufen war – hatte ja was Tolles zu berichten: 4 kotzfreie Tage. Ja ok sie war aufwühlend und die Problematik, Doris ist ja trotzdem noch da, wir sprachen auch darüber, das ein Rückfall kommen wird – aber nicht heute, doch nicht nach der Sitzung. Aber das Verlangen war stark und Wut war da, ich wollte Doris nachgeben. Doch zum Glück kam dann die Bahn und ich stieg ein. Ich wollte das Treffen mit dem Freund absagen, aber machte es dann doch nicht. Ich hoffte auf Ablenkung, ich hoffte auf andere Gedanken. Wir gingen Pizza essen… Ich sagte ich habe schon gegessen und überwand mich dazu nur 2 Stück von seiner Pizza zu essen – wie gerne hätte ich eine Riesengroße gegessen und wäre kotzen gegangen, aber ich beherrschte mich, ich blieb stur.Ich merkte deutlich die Befangenheit, die letzten Tage mit der Freundin war das Essen anders – sie wusste von meiner Essstörung, auch wenn ich „normal“ aß, unterstütze mich das glaube ich, ich musste mich nicht verstellen. Doch heute musste ich mich „normal“ geben, musste funktionieren, durfte mir nichts anmerken lassen. Der Spaziergang danach tat jedoch gut und ich schaffte es Doris so etwas in den Hintergrund zu drängen. Gegen vier war ich dann in meiner Wohnung. „Jetzt!“ Doris stand in den Startlöchern. Doch ich versuchte das Verlangen zu kontrollieren. Ja ich hatte Hunger, also aß ich eine Müsli und Möhren, dann folgte ein Kinderriegel und noch einer, dazu “ Tassen Kaffee und ein mega Völlegefühl setzte ein – doch ich schrieb mir einer Freundin, ich überstand die Situation. Eine Stunde widmete ich mich etwas dem Unikram und schaute etwas fern -irgendwie wurde es 19 Uhr, das Abendbrot rief. „Essen, essen, essen“, rief Doris. Salat ist nicht schlimm, etwas Rührei geht auch … es wurden große Portionen, ich konnte nicht aufhören zu essen… Müsliriegel und Kinderriegel fanden noch den Weg in meinen Magen und dann die am Anfang beschriebene Situation. Doch ich gehe nicht kotzen, ich habe heute meinen 5. kotzfreien Tag. Punkt aus Basta und was soll ich sagen, der Druck kotzen zu gehen ist schon weniger, das Völlegefühl geringer – Doris gegen Sturheit: 0:5!

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6 Gedanken zu “Ich kämpfe noch!

  1. Oh mein Gott, Du bist so stark ❤ Hut ab, sei stolz auf Dich und Deine unerbittliche Sturheit! Denn "plant" man mal, Kotzen zu gehen, ist es bei mir schon zu spät. Deswegen kannst du doppelt stolz auf Dein Durchhaltevermögen sein. Der Kampf gegen Doris ist ein ständiges Auf und Ab – mal geht's leichter, mal weniger. Ich hab mich gestern Abend auch schon wieder über der Kloschüssel hängen gesehen. Aber es geht ohne Lena, ohne Doris und die anderen "Monster" da draußen. Ich bin sooooo froh, dass ich Dir indirekt helfen konnte, Doris' Rufe zu ignorieren ❤ Ganz großartig! Ich schick Dir eine Umarmung und hoffe, dass Du noch einen angenehmen Abend hast!

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    1. Danke für deine lieben Worte 🙂 habe jetzt eben noch mit meiner Oma ne halbe Stunde telefoniert, die rief an, hat mich total runter gebracht.
      Ja es geht ohne Essstörung und es ist doch so viel schöner! 🙂

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  2. Ich finde du machst das echt super!! Und das obwohl es heute so schwierig gewesen ist mit den Gefühlen und dem „schon geplanten“. Ich kenne das von mir auch – zwar von anderen Verhaltensweisen, aber wenn man etwas schon genau geplant hat, dann ist es echt schwierig davon wieder wegzukommen und es nicht in die Tat umzusetzen. Deswegen, super gemacht!! 🙂 Sei stolz auf dich und die fünf Tage 🙂

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    1. Ui, dankeschön, weiß gar nicht wie ich mit so viel Zuspruch umgehen soll ❤ ja, aber ich glaube es war echt hilfreich, das dann eins zum anderen gekommen ist und mich immer irgend etwas abgelenkt hat oder in Beschlag genommen. Ich denke darauf kommt es an, sich so „Notausgänge“ zu bauen die dann aufleuchten, wenn man eigentlich weiter in den Tunnel hinein rennen will.

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