Achte auf deine Gedanken! 

Nein nein nein – ich nehme einen Edding schreibe es mir auf die Stirn, schlage es in den Kopf hinein – Nein! Ich gehe nicht kotzen, ich gebe dem Fressanfall nicht nach. Bisher klappte der Tag echt gut Frühstück, Mittag nicht zu wenig und zwischendurch Möhren, ansonsten saß ich an meiner Hausarbeit und ging spazieren. Das Treffen mit einer Freundin mit Nachmittag sagte ich ab, die Angst mit ihr etwas essen gehen zu müssen war zu groß – eigentlich hast du heute auch schon zu viel gegessen… Beschloss Doris nach einem Teller Gnocchi mit Erbsen und Spinat nach dem Mittag. Doch ich ließ mich nicht auf Toilette treiben und lenkte mich ab, blieb stur. Immer wieder beruhigte ich mich – du hast alles im Griff, für bist stärker als Doris, du schaffst das, bleib stur. Dann waren die 3 Stunden nach dem Mittag um und ich erlaubte mir eine Mahlzeit zur Tasse Kaffee dazu. Ein Keks und etwas Gemüse. Doch der Cookie reichte nicht. Ok dann iss halt noch etwas Müsli, das ist ok. Es folgten noch ein zweiter und dritter Cookie, noch eine Möhre, ja ich war fast total drinne im Modus Fressanfall – Doris schrie im Kopf: Fressanfall, Fressanfall, noch einen und noch einen Keks, komm du willst es doch, warst jetzt lange genug stark. Ich bemerkte wie ich überlegte was ich noch da habe, was ich als nächstes essen könnte, doch irgendetwas hielt den Schalter noch fest, ließ ihn nur in Zeitlupe kippen. Ich fing an den Gedanken zu hinterfragen. Wieso soll ich einen Fressanfall haben? Was würde es verändern? Will ich wirklich einen haben oder kann ich nur? Ich kam zum Schluss Doris will – ich aber nicht. Also packte ich wie von der Tarantel gestochen schnell Laptop, Tagebuch, Block in den Rucksack und ging im Eilschritt zum Bahnhof und setzte mich in den nächsten Zug und da sitze ich nun in der Bahn, fahre durch die Gegend und versuche das drückende Völlegefühl hinzunehmen, keine Panik aufkommen zu lassen (ich könnte ja dich werden und es war viel zu viel) und Doris keine Macht über meine Gedanken zu geben. Ein großer Dank geht an Christina die mir mit ihrem Tipp (https://positivepsychologieblog.com/2016/02/06/the-work-byron-katie/) in Erinnerung gerufen hat, dass ich auf die negativen Gedanken nicht hören muss. In der stationären Therapie habe ich etwas Ähnliches gelernt – die Gedanken zu hinterfragen. Will ich das jetzt wirklich? Wenn ja wieso? Und was würde es verändern? Und während man diese Fragen beantwortet wird die Essstörung eventuell schon leiser und schreit nicht mehr ganz so energisch so dass man die Chance hat, auf das zu hören was man gerade wirklich will. Und gerade will ich einfach nur eine normale Studentin sein, die sich mit Büchern und ihrer Hausarbeit über die heilige Elisabeth von Thüringen herumschlägt. Ich kann zwar einen Fressanfall haben, aber will es nicht und müssen muss ich es schon gar nicht. 

​Was ich dir jetzt rate, ist wichtiger als alles andere: Achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben! (Sprüche 4, 23) 

Ja vielleicht renne ich jetzt gerade weg (oder besser fahre), vielleicht fliehe ich gerade einfach, bin feige und stelle mich nicht, aber ich sehe es als ein der Versuchung entfliehen. Auch wenn ich weiß, dass ich nicht ewig davonfahren kann. 

Während gerade die Landschaft schemenhaft verschwimmend an mir vorbei zieht, spüre ich wie sich der Knoten im Kopf mit den Gedanken löst, wie das Chaos das Doris da oben veranstaltet ruhiger wird – fürs Erste scheint sie das imaginäre, sture Nein! auf meiner Stirn verstanden zu haben. 

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4 Gedanken zu “Achte auf deine Gedanken! 

  1. Hallo Elli. Freue mich sehr, dass es besser klappt. Das mit den Gedanken hinterfragen kannst Du zum Beispiel auch bei den Gedanken „Ich werde dick“ bzw. „Ich bin dick“ machen. Zum Beispiel so:
    1. Ist dieser Gedanke (Ich werde dick, Ich bin dick) wirklich wahr?Nur mit Ja oder Nein antworten.
    2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass dieser Gedanke = „Ich werde dick, wenn ich nicht erbreche“ wahr ist? Wieder nur mit Ja oder Nein antworten.
    Frage 3: Wie fühlst Du Dich, wenn du diesen Gedanken glaubst?
    Frage 4: Wer wärst du ohne diesen negativen Gedanken? Und jetzt das Wichtigste!, finde drei Gründe warum die Umkehrung „Ich werde NICHT dick, auch wenn ich nicht erbreche“ wahrer ist als der ursprüngliche Gedanke. Zum Beispiel, solange mein BMI normal ist, heißt das, dass ich nicht dick bin. Das ist ein Fakt und die Realität, meine Gedanken, dass ich dick werde dagegen sind unwahr und unrealistisch und nur Phantasie. Verstehst Du das Prinzip? Sich an die Fakten und die Realität halten, statt den Horror-Geschichten in seinem Kopf zu glauben. Ist eine Scheiß-Arbeit ich weiß. Aber irgendwann ist Dein Gehirn umprogrammiert. Man muss sich das Gehirn wie einen Muskel vorstellen, den Du trainierst, irgendwann werden die Gedanken weniger schlimm und es fällt leichter anders (und vor allem realistischer!!) zu denken.

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    1. Ja so etwas habe ich in der Therapie schon oft gehört, aber es ist verdammt schwer… Doch ich bleibe dran! Ich werde aber wahrscheinlich mein eigenes Konzept entwickeln, womit ich Doris entlarven kann. Doch es ist ein guter Anfang. Danke dir 😉

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  2. Freut mich dass du dich heute konsequent dagegen gestellt hast und Vertrauen auf deine Stärke, die dir von Gott gegeben ist, gesetzt hast. Das mit den unwahren Gedanken ist übrigens Fakt. Ich war selbst bei einem christlichen Therapeuten um falsche Gedankengänge zu entlarven und gegen Wahrheiten zu ersetzen. Und ich denke so kannst du auch gegen Doris gewinnen. Sprich Wahrheiten in dich rein. Das was im Wort Gottes dazu steht, stärker als das zu sein was dich da versucht im Griff zu halten. Als kleine Übung, wenn da dieser Gedanke auftritt dass du eh wieder schwach wirst dann mach innerlich nen Cut und sprich über dir aus dass dies eben nicht so ist. Sag nein zu diesem Gedanken. Such dazu nach Stellen in der Bibel und versuche diese Wahrheit (und das sind sie ja) diesem Gedanken gegenüber zu stellen. Du wirst sehen dass das bald greifen wird.

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    1. Vielen Dank Manu, das ist ein super Tipp, ich werde es versuchen. Bin gerade dabei Methoden auszuprobieren, die mir helfen, wenn ich das Gefühl habe, dass die Krankheit zu stark wird. Unter anderem hilft es auch immer häufiger einfach die Bibel aufzuschlagen, man bleibt dann hängen und hört Gottes Ermutigung, doch ich muss noch lernen, es auch zu machen.

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