Karfreitag

Karfreitag – der Tag an dem Jesus gekreuzigt wird. Doch der Tag ist viel ereignisreicher und länger, umfasst viel mehr als die Kreuzigung. Der Tag beginnt schon direkt in der Nacht, nach dem gemeinsamen letzten Abendmahl. Jesus geht nach dem Essen in den Garten Gethsemane beten – er weiß was ihm bevor steht… Seine Gefasstheit und das einfache Hinnehmen seines kommenden Todes scheint verschwunden. Stark und gläubig, ganz im Vertrauen auf Gott, seinen Vater, leitete er das letzte Abendmahl, kündigt in einer scheinbaren Seelenruhe seinen Verrat an – keine Vorwürfe, keine Klagen von ihm werden in der Bibel überliefert. Doch nun überkommt ihn Angst und Verzweiflung – Jesus weiß er wird sterben – er weiß es muss so kommen – er will es auf sich nehmen, um die Menschen von der Sünde zu befreien und ihnen den Weg zu Gott zu weisen – doch trotzdem überkommt ihn Furcht. „Angst und tiefe Traurigkeit überfielen Jesus, und er sagte: Ich zerbreche beinahe unter der Last die ich zu tragen habe.“ (Mt 26, 37b) Er ruft Gott an: Erspare mir dieses Leiden, wenn es möglich ist. Doch er akzeptiert auch sein Schicksal: „Aber nicht was ich will, sondern was du willst soll geschehen.“ Damit gibt er sich voll und ganz in Gottes Hände – zeugt das nicht von einem gewaltigem Vertrauen? Jesus gibt sich ganz dem Willen Gottes hin, obwohl er weiß, dass es seinen Tod bedeutet. Und er weiß auch wieso er sterben muss – damit die Sünden der Menschen Vergebung finden. Jesus leidet, damit wir Menschen ein neues Leben bekommen. „Schon jetzt sind wir von Gott angenommen, weil Jesus Christus sein Blut für uns vergossen hat. Und erst recht werden wir … durch ihn vor Gottes Zorn gerettet.“ (Röm 5, 9) Ist das nicht ein riesiges Opfer was Jesus da gibt? Würdest du für einen anderen Menschen in den Tod gehen? Schon eher wenn er unschuldig ist oder? Aber wenn er schuldig ist, würdest du seine Schuld auf dich nehmen und sterben? Wohl eher nicht… Doch genau das tut Jesus und er tut es nicht für eine einzelne Person, die ihm Nahe steht oder ein unschuldiges Kind – nein er tut es für jeden Einzelnen Menschen der damals lebt und jeden Einzelnen der seitdem geboren ist – er nimmt die ganze Schuld der Welt auf sich und schenkt Frieden und Freiheit – Jesus schenkt durch das Leid, welches er auf sich nimmt, durch seinen schmerzhaften Tod am Kreuz die Schuld der ganzen Menschheit auf sich. Er bildet für uns eine Brücke über den Graben der Sünde zu Gott. Durch den Tod von Jesus bekommen wir Menschen ein neues Leben frei von Sünde angeboten – wir müssen es nur sehen und annehmen. Doch wie geht die Geschichte weiter? Jesus betet zu Gott – lässt seine Verzweiflung raus und sucht Kraft im Glauben. Seine Last, sein Schicksal ist schwer. Er bittet die Jünger um Hilfe, bittet, dass sie mit ihm wach bleiben. Und was machen diese? Statt ihn zu unterstützen schlafen sie… Doch Jesus wird nicht groß wütend. Er nimmt sein Schicksal an, das schon 500 Jahre vorher prophezeit wurde – der Menschensohn wird sterben. Es stand so lange schon fest und Jesus folgt gehorsam, er wehrt sich nicht, er gibt sich hin. Dann wird er von Judas verraten, wie er es am Gründonnerstag angekündigt hat. Judas gibt Jesus einen Kuss und damit erkennen die Soldaten Jesus und nehmen ihn fest. Doch statt sich zu wehren, wütend zu werden oder irgendetwas zu unternehmen gibt sich Jesus einfach in die Gefangenschaft. Er wird vor das Gericht gezerrt, geschlagen, verspottet, ausgelacht, angespuckt und ausgepeitscht, ihm wird sogar aus Hohn eine Dornenkrone auf den Kopf gedrückt – zusammengefasst: Jesus wird aufs Schlimmste erniedrigt vor und von der Menschenmenge, die fordert ihn zu kreuzigen. Die Jünger verlassen ihn, alleine stellt sich Jesus der Verurteilung, bekennt sich zu Gott und bejaht der Sohn Gottes zu sein – was die Priester als Gotteslästerung ansehen. Jesus wehrt sich nicht, gehorsam und geduldig nimmt er sein Schicksal und die Schmerzen hin. Zu einem Jünger sagt er: „Ist dir denn nicht klar, dass ich meinen Vater um ein ganzes Heer von Engeln bitten könnte? Er würde sie mir sofort schicken. Wie sollte sich aber dann erfüllen, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist? Es muss alles so geschehen!“ (Mt 26, 53‭-‬54) Scheinbar willenlos fügt er sich Gottes Weg. Nur um für uns zu sterben – ich finde das immer wieder unbegreiflich und bemerkenswert. Schwach und zerbrechlich wirkt Jesus – ausgepeitscht, verletzt – nicht nur körperlich sondern durch den Spott des Volkes auch seelisch – er erträgt alles. Ja er hält stand, ist alles andere als schwach und zerbrechlich – er lässt sich nicht einschüchtern und vertraut bis zum Schluss auf Gottes Weg, den Weg, der für ihn vorbestimmt wurde. Nachdem er morgens verurteilt wurde, schon durch das Auspeitschen bestraft, wird Jesus danach zu seiner Kreuzigung geführt. Der Weg führte zum Berg Golgatha. Jesus muss dorthin natürlich laufen – wäre das nicht genug? Nein er muss auch noch ein Stück seines Kreuzes selbst tragen – einen schweren Holzbalken auf dem verwundeten Rücken. Klagen, Jammern, Fluchen, Heulen, Vorwürfe, Hass… All das sucht man vergebens, Jesus erduldet das Leid. Man möchte schreien: seht ihr denn nicht, dass es falsch ist?! Ihr verurteilt den Falschen und er wehrt sich noch nicht einmal. Doch den Pharisäern in den hohen kirchlichen Ämtern ist er ein Dorn im Auge, für sie ist Jesus ein Gotteslästerer und Volksaufhetzer, ein Lügner, der sich Gottes Sohn und König der Juden nennt. Deshalb muss er weg, auch weil sie Angst vor seinem Einfluss haben. Die römische Staatsgewalt lässt sich überzeugen. Macht und ein aufgeheiztes Volk und der wahre Glaube hat keine Chance mehr. Die Jünger bekommen Angst und fangen an zu verleugnen Jesus gekannt zu haben. So schleppt sich Jesus also zum Platz seiner Kreuzigung, unterwegs vermutlich immer wieder zusammenbrechend und nicht zimperlich behandelt werdend von den römischen Soldaten. Er wird ans Kreuz geschlagen – ein qualvolle Methode des Todes. Jesus hängt am Kreuz und selbst da sagt er noch – „Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht was sie tun.“ Selbst als Jesus am Kreuz hängt verspotten ihn die Menschen – „Wenn du Gottes Sohn bist, steig doch hinunter.“ Sie würfeln um seine Kleidung, geben ihm Essig zu trinken und stechen ihm die Lanze in die Rippen. Und Jesus? Der verflucht sie nicht, beschimpft sie nicht – nein er vergibt, am Kreuz an dem er hängt, weil die Menschen sündigen, vergibt er die Schuld. „Denn so wie bisher die Sünde über alle Menschen herrschte und ihnen den Tod brachte, so herrscht jetzt Gottes Gnade: Gott spricht uns von unserer Schuld frei und schenkt uns ewiges Leben durch Jesus Christus“ (Röm 5, 21). Gott gab seinen eigenen, einzigen Sohn, damit wir ein neues Leben bekommen und frei von Sünde auf dem Weg gehen können, der zu ihm führt. Indem Jesus sein Leben opfert, beweist nicht nur dieser seine Liebe zu uns, sondern auch Gott. „Diese Liebe zeigt sich darin, dass Christus zur rechten Zeit für uns gottlose Menschen gestorben ist. Als wir noch hilflos der Sünde ausgeliefert waren, hat er sein Leben für uns gegeben.“ (Röm 5, 6) Jesus nimmt die Schuld und das Leid auf sich – alleine erträgt er es. Er ist alleine, wurde verlassen, denn wo nur Sünde herrscht ist kein Platz mehr für Gott. So erkläre ich mir den Ausruf von Jesus am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“ Behandelt wie ein Sünder, wie ein Verbrecher, sogar mit 2 Verbrechern wurde er gekreuzigt. Jesus hat sich degradieren lassen, um uns zu erlösen, um uns ein neues Leben zu schenken, damit wir eine Chance haben wieder auf de richtigen Weg zu kommen, damit wir nach einem Irrweg uns nicht weiter verrennen, sondern wieder auf den Weg zu Gott zu kommen, wenn wir dem „Wegweiser“ Jesus folgen. Um seine Liebe zu demonstrieren hat er die Schmerzen, die Leiden geduldig und gehorsam ausgehalten. Er hat uns frei gemacht und bei allem hat Gott durch Jesus mit uns gelitten. Qual, Leid, Schmerz hat er auf sich genommen – und es folgte der Tod. Jesus starb unschuldig und doch voll Leid am Kreuz. „In deine Hände befehle ich meinen Geist“ – ein letztes Mal bringt Jesus sein unerschütterliches Vertrauen in Gott zum Ausdruck. Nach einer mehrstündigen Sonnenfinsternis stirbt er und gleichzeitig zerreißt der Vorhang im Tempel zum Heiligtum von oben bis unten in 2 Teile – ein starkes Symbol wie ich finde. Zum Ersten könnte man es als Bestrafung und Warnung für die Pharisäer ansehen, die im Tempel dienen, aber Jesu Tod gefordert haben. Es ist ein Zeichen dafür, dass Jesus wirklich Gottes Sohn war. Zum Anderen ist es ein Symbol dafür, dass der Weg zu Gott nun frei ist, das durch Jesus eine „Barriere“ abgebaut wurde. Jesus starb für Leben. „Im selben Augenblick zerriss im Tempel der Vorhang vor dem Allerheiligsten von oben bis unten. Die Erde bebte, und die Felsen zerbarsten. Gräber öffneten sich, und viele Verstorbene, die nach Gottes Willen gelebt hatten, erwachten vom Tod.“ (Mt 27, 51‭-‬52) Besonders der letzte Abschnitt zeugt noch einmal von der Hoffnung auf neues Leben. Inwiefern man dieser Überlieferung glaubt ist jedem selbst überlassen, da dieses Ereignis nur bei Matthäus erwähnt wird. Doch ich finde es überraschend, dass sogar an einem so schwarzen, traurigen, tragischen Tag des Todes ohne wirklicher Hoffnung trotzdem Hoffnung und Vertrauen in Gott zu finden ist. Ein Tag des Leides für Jesus und trotzdem zeugt der Tag neben Verrat und Verleugnungen, neben Bestrafung und Schmerzen, bei so viel Ungerechtigkeit von unerbittlicher, unerschütterlicher Liebe. Trotz Verzweiflung und Angst vertraut Jesus bis zu seinem Ende auf Gottes Wege. Trotzdem ist es für mich ein Tag der Trauer – ein Tag der Farbe schwarz – Jesus ist Tod – erstmal Ende. Das Leid muss ausgehalten werden, so wie Jesus es getan hat. Die Jünger, die Menschen, die ihm folgten, ihm glaubten, seine Mutter Maria – sie standen am Kreuz sahen die Ungerechtigkeit – sie trauerten.
(in meinen Ausführungen ich mich vor allem an dem Evangelium nach Matthäus orientiert) 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s