Gründonnerstag

Heute ist also Gründonnerstag, ein Tag vor der Kreuzigung Jesu. Doch wieso eigentlich Grün? Eine Frage die ich mir auch oft stellte. Befragt man Google erhält man unterschiedliche Antworten, unter anderem das die Herleitung von Greinen (Weinen) kommt. Diese Herleitung bietet schon einen Einblick auf das nachfolgende traurige Geschehen (die Kreuzigung Jesu). Trauer, weil es unter anderem ein Tag des Abschieds ist – ein Abschied von Jesus. Diesen feiert er gemeinsam mit seinen Jüngern mit einem letzten Abendmahl. Doch neben noch anderen Bedeutungen und Herleitungen des Gründonnerstag finde ich die Symbolik der Farbe grün an diesem Tag herausstechend. Grün – die Farbe der Hoffnung. Hoffnung an einem Tag an dem Abschied das Thema ist, an einem Tag dem ein Ende folgt? Hoffnung, wenn Jesus seinen Tod ankündigt? „Einer von euch wir mich verraten“, sagt Jesus – und damit seinen Tod am Kreuz in die Wege leiten. An dem Tag feiert Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl. Er speißt ein letztes Mal mit seinen Jüngern – ein Abschiedsessen. Sollte vor diesem Hintergrund nicht schwarz die Farbe des Tages sein? So wie am kommenden Karfreitag? Aber nein heute ist in meinem Verständnis ein hoffnungsvoller Tag – ein Abschied, aber auch ein Beginn. Grün – etwas Neues entsteht – es geht weiter. Das letzte Abendmahl es ist ein Abschied von Jesus, aber auch ein Weiterleben von Jesus. Ein Abschied, da er seinen Tod ankündigt, Judas wird ihn ausliefern, damit man ihn kreuzigt. Jesus haut da einfach so raus: Jemand von euch wird mich verraten! Schock, Bestürzung, Fassungslosigkeit… Nachvollziehbare Reaktionen der Jünger oder? In manchen Übersetzungen (es gibt einige Varianten) fragt auch Judas: Werde ich dich verraten? Worauf Jesus antwortet: Ja. – und dann teilte er trotzdem das Brot mit ihm! Nachdem er seinen Verrat angekündigt hat nimmt Jesus das Brot und den Wein – als wäre nicht gewesen – und teilt es mit seinen Jüngern. Das Brot gibt er symbolisch für seinen Körper und den Wein für sein Blut. „Das ist mein Blut, mit dem der Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird zur Vergebung ihrer Sünden vergossen.“ Jesus gibt sich so symbolisch hin für seine Jünger, für alle Menschen, für die Sünden der Menschen – mega oder? Jesus bildet die Verbindung zwischen Gott und den sündigenden Menschen – er stirbt damit wir eine zweite Chance bei Gott haben – so könne wir trotz Sünden, wenn wir bereuen, wieder auf den richtigen Weg kommen, wenn wir abgekommen sind. Am Gründonnerstag steht das Teilen und Annehmen im Vordergrund. Jesus gibt sich auf, er bleibt unter seinen Jüngern und diese nehmen ihn an, sie nehmen ihn an und damit Gott. Sie nehmen ihr neues Leben an, das Jesus schenkt indem er die Sünden auf sich nimmt. Aus diesem Ereignis entsteht das Abendmahl (Eucharistie), das auch heute noch in Gottesdiensten gefeiert wird. Bei jedem Abendmahl wird an Jesus Andenken, an sein Vermächtnis, an die Sündenvergebung erinnert. Ein Gedenken an das „Aufteilen“, Hingeben und Aufgeben von Jesus – gestorben für unsere Sünden am Karfreitag am Kreuz. Doch am Gründonnerstag hinterlässt er uns Glaube und Hoffnung. Hoffnung auf ein Weiterleben (in welcher Art auch immer). Nicht nur durch das Teilen von Brot und Wein gibt sich Jesus symbolisch auf, sondern schon vorher stellt er sich ganz in den Dienst des Glaubens. Als Zeichen der Nächstenliebe wäscht er seinen Jüngern vor dem Essen die Füße. Er der Lehrer wäscht seinen Schülern die Füße. Doch was geschieht mit Judas? Dem Mann der Jesus dann verraten hat? Wie einer der anderen bekommt auch er die Füße gewaschen und teilt Brot und Wein mit Jesus (hier gehen manche Überlieferungen auseinander). Somit werden auch ihm seine Sünden vergeben. (Sündenvergebung = Erlösung von der Sklaverei der Sünde -> man wird frei -> es entsteht sozusagen ein neuer Mensch). Das was ich an dieser Betrachtung so genial und auch etwas unfassbar und unbegreiflich finde ist, dass auch Judas, dem Verräter, der der Jesus so ja ans Kreuz geliefert hat, der Weg vom Irrweg zum richtigen Weg offen steht. Doch Judas nimmt das nicht war, er wird von seiner Sünde so eingenommen, dass er den Wegweiser, den Jesus mit seinem Tod aufstellt nicht wahr – er sieht nur seine Sünde und erhängt sich, nachdem ihm das Ausmaß seiner Tat bewusst wird. Trotzdem finde ich es einen wunderbaren Trost, dass Jesus unter uns weiterlebt indem wir das Abendmahl begehen. Jesus der am Gründonnerstag die Brücke über unsere Sünden bildet zu Gott. Jesus der für uns einen Wegweiser aufstellt: Hier entlang geht es vom falschen zum richtigen Weg! – vom Weg weg vom Leben hin zum Leben, indem er am Karfreitag stirbt.

– soweit erstmal meine Gedanken, die mir zum heutigen Tag gekommen sind, einem Tag der Tod und doch Hoffnung verspricht, einem Tag der von bedingungsloser Hingebung und schockierendem Verrat erzählt – einem Tag der für mich Sünde und Liebe vereint.

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