Tag 44 (05.03.) – Vorfreude

Finisterre – Santiago 

Cumpleanos feliz, cumpleanos feliz (Happy Birthday)… Nein ich habe heute nicht Geburtstag, das dauert noch etwas… Dafür aber mein Bruder. Er feiert heute seinen 11. Geburtstag, da gönne ich ihm doch gerne den Sonnenschein und nehme das Regenwetter. Heute an diesem Tag wird mir bewusst, wie sehr ich mich auf zu Hause freue – alle wiederzusehen. Gestern vor genau 6 Wochen bin ich in den Flieger nach Sevilla gestiegen. Es ist kein Heimweh das ich habe, ich würde es als eine Art vermissen und Sehnsucht beschreiben. Obwohl ich die Zeit hier genieße (gerade jetzt wo ich meist ohne Rucksack unterwegs bin) merke ich, dass ich mich freue bald wieder zu Hause zu sein. Heute ging es im Bus nach Santiago, von hier nehme ich morgen den Zug nach Madrid und fliege von dort am Donnerstag (09.03.) wieder nach Deutschland. So habe ich noch einige Tage um Madrid unsicher zu machen. Nach ca. 2 Stunden Busfahrt kam ich in Santiago an. Die Herberge die ich schon vorher rausgesucht hatte, schön nah am Bahnhof, war dann doch wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, eine verschlossene Herberge nach der anderen klapperte ich ab und landete dann doch im Zentrum. Warum muss es eigentlich immer regnen, wenn ich eine Herberge suche? Nass und schon etwas verzweifelt – ich wollte eigentlich nicht zu weit vom Bahnhof weg, denn mein Zug geht 5:15 Uhr da muss nicht noch ein langer Fußmarsch davor sein… Ich fand dann eine offene Pension 10 min vom Bahnhof entfernt. Ich verlangte eigentlich nicht viel: eine Herberge, offen, in der Nähe des Bahnhofs für nicht mehr als 15 Euro – in Santiago um diese Zeit nicht machbar. Die Pension kostet 18 Euro, ich habe ein gemütliches Bett im Doppelzimmer, es ist warm, hat ein Bad mit schöner Badewanne, sogar Handtücher und Seife gibt es… so hat der Tag doch noch ein gutes Ende gefunden. In Gedanken war ich heute oft zu Hause – bei meinem Bruder. Habe mit meinem Kaffee heute früh auf ihn angestoßen, beim Spaghetti-Essen für ihn eine Nudel mitgegessen, Lieder, die er mag angehört… Es ruft mich: das Altbekannte, das Gewohnte, das zu Hause. Jeden Tag im selben Bett aufwachen, die selbe Decke sehen beim Augen aufschlagen, jeden Tag heißes Wasser und eine geheizte Wohnung, keine Gedanken darüber wo ich die nächste Nacht schlafe, nicht ewig erst eine offene Herberge oder einen Supermarkt suchen. Hallo sagen ohne danach nach dem Namen und Nationalität zu fragen… Den Kleiderschrank aufmachen und die Wahl der Qual zu haben, was ich anziehe, nicht mein ganzes Hab und Gut frühs in einen Rucksack stopfen müssen, eine Bettdecke haben – es ist so viel worauf ich mich freue, und so alltägliches fällt mir gerade auf – reden und verstanden werden, verstehen was geredet wird… und natürlich das Wichtigste: Familie, Freunde, Bekannte wiedersehen, eine Umgebung mit bekannten, gewohnten Menschen, Menschen, die zu mir und zu meinem Leben gehören, Menschen, die ich kenne und liebe. Es war/ist toll neue Menschen kennenzulernen unterschiedlicher als hier auf dem Jakobsweg hätten sie wohl kaum sein können, aber sich jedes Mal aufs Neue vorstellen und von dem Anderen Infos erfragen, sich dann wieder trennen und vielleicht wiedersehen, ist anstrengend. Das Leben wird durch Beziehungen und Begegnungen geformt, das konnte ich auf dem Weg sehen, es gibt kurz- und langfristige, oberflächliche und intensive, angenehme und unangenehme… Die Frage besteht darin, wie man mit einer Kreuzung der Lebenswege umgeht. Aufeinander zu gehen, ignorieren, in Kontakt treten oder weiter gehen, was manchmal nicht falsch ist. Ich für meinen Teil freue mich darauf bald auf meine persönliche größte Kreuzung zu fliegen, nach Hause zu meiner Familie und viele kleinere Kreuzungen mit Freunden zu besuchen. Doch erstmal kommt Madrid, die Vorfreude steigt auch auf das Wetter dort: es ist Sonnenschein die nächsten Tage angesagt 🙂 

 

Ein verregneter Abschied von Finisterre
Etwas „altbacken“ aber trotzdem nobel
Ein Traum nach den Herbergsbetten – der Schlafsack kann mal eingepackt bleiben

5 Gedanken zu “Tag 44 (05.03.) – Vorfreude

  1. Hallo Elisabeth
    Ich hoffe du schreibst auch nach deinem Weg so intensiv und interessant weiter,ich habe jeden Blog von dir als Berreicherung empfunden.
    Ich hoffe auch für dich, du hattest es bisher auch nicht erwähnt, dass du so viele unangenehme Gespräche oder Situationen hattest?

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    1. Hey 🙂 ich denke schon, dass ich den ein oder anderen weiteren Artikel verfassen werde, habe ich auf jeden Fall vor 😉 es freut mich zu hören, dass du etwas mitnehmen konntest vom Weg und ja ich konnte es auf alle Fälle, der Blog hat mich selbst beim Schreiben zum Nachdenken angeregt und geholfen Gedanken zu ordnen, Ereignisse Revue passieren zu lassen und einfach zu sehen was ich erlebt habe.
      Nein, die gab es auch nicht, es waren einige dabei, aber eher so kleinere… Menschen die versuchen es auszunutzen, als Pilger umherzustreifen, Geld dafür verlangen, nicht jeder Mensch ist einem auch sympathisch, so ist das nunmal, und dann kann man überlegen ob man in Kontakt tritt oder es einfach aushält, wenn im Bett nebenan schnarcht, in den Städten, wenn man durch Gässchen läuft vom Tourismus entfernt ist es mir manchmal vorgekommen, das man als Pilger als eine Art Eindringling angesehen wird, nicht gegrüßt, blöd angeschaut…. Aber dann auf der anderen Seite super nett angelächelt und in ein Gespräch verwickelt wird. Unangenehm war ein Gespräch immer, wenn ich partout nicht verstanden habe was der oder diejenige von mir wollte und etwas genervt wurde, aber das gehört einfach dazu 😉

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  2. Hallo Elli,
    kennst du den Schriftsteller Paulo Coelho? Durch ihn wurde ich damals auf den Jakobsweg aufmerksam. Irgendwann (-> ein furchtbares Wort, dass sich immer so nach hinten zieht ;)) werde ich den zusammen mit meinen Mann auch gehen. Ich wünsche dir noch eine tolle Zeit und komme bitte guten Mutes wieder in Deutschland an. 🙂
    Viele sonnige Grüße
    Michaela

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    1. Hi Michaela, ja den kenne ich inzwischen. Bei mir war es andersherum, auf dem Jakobsweg hörte ich von ihm 😉 Ich kann es nur empfehlen, ist zwar hart, aber das was dir der Weg an Anstrengungen abverlangt, bekommst du durch das was du siehst und erlebt doppelt wieder.
      Danke, ein paar Tage sind es noch 🙂 Grüße zurück aus dem sonnigen Madrid 😉

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