Tag 41 (02.03.) – einmal Meer bitte 

Muxía

Was war das heute nicht für ein aufregender Morgen… Eine Herberge für mich, Ruhe, Stille, Wärme… Da schlafe ich aus, mache mir morgen einen ruhigen Tag – dachte ich gestern Abend noch. Um 7 war ich wach und mir kam in den Sinn, ich könnte doch den Sonnenaufgang am Meer betrachten. Die Hoffnung vielleicht etwas durch die Regenwolken zu sehen war da. Regendicht eingepackt lief ich also zu den Felsen am Meer bei der Kirche. Ein sagenumwobener, aber zugleich auch tragischer Platz. Dem Apostel Jakobus soll hier, als er total mutlos im Zuge seiner Missionierung die Küste entlang ging, die Mutter Gottes in einem Boot erschienen sein. Zur Ehrung dieses Erlebnisses wurde die Wallfahrtskirche A Virxe da Barca (Jungfrau des Bootes) im 18. Jahrhundert errichtet. Nach einem Brand 2013 wurde sie wieder restauriert. Den Piedras Santas (heiligen Steinen) davor werden magische Kräfte zu geschrieben. Ja es war magisch heute früh, dort zu stehen, das tosende Meer und die sich auftürmenden Wellen zu betrachten. Die Sonne sah ich nicht, dafür bekam ich jede Menge Wind und leichten Regen. Die Gewalt und Kraft des Meeres zu sehen war beeindruckend. Das tragische an dem Ort: 2002 zerschellte ein Öltanker an der Küste. An die folgende Ölpest und helfende Hände erinnert ein steinernes Denkmal. Nass, aber ergriffen und beeindruckt von dem Anblick der Wellen ging ich zurück zur Herberge. Jetzt legst du dich noch ein wenig hin, heute steht gar nichts an, keine Kilometer sind zu meistern, keine Messe zu besuchen, keine Wäsche zu waschen oder sonstige Verpflichtungen, nur du, dein Bett und Schlaf – dachte ich. In der Herberge empfing mich laut schrillend die Alarmanlage. Ich hatte die Tür aus Versehen nicht ganz geschlossen, deswegen war sie vermutlich angegangen. Ich rief den Besitzer der Herberge an, der wenige Minuten später (total ruhig und gelassen) kam und sie ausschaltete. Eine wohltuende Ruhe trat langsam nach dem noch etwas anhaltenden Fiepen in meinen Ohren ein. So nun war es um 9 und ich war hellwach. An nochmal schlafen gehen war nicht zu denken, ich legte mich trotzdem wieder ins Bett, sortierte Fotos und schwelgte in Erinnerungen. Als wären sie für den Alarm am Morgen verantwortlich gewesen, erkundigte sich die Herbergsmutti ob bei mir alles ok ist und brachte mir „zur Beruhigung der Nerven“ noch selbstgebackene Brownies. Ein nette und herzliche Frau mit der ich gestern schon viel geredet habe und vor allem ist ihr spanisch gut zu verstehen. Dann bekam ich Gesellschaft, ein Italiener und 2 Spanier und schon war die Ruhe dahin. Was 3 Männer nicht für ein Lärm machen können… duschen, Rucksack ausräumen… Außer ein Hola und ein Lächeln haben wir bis jetzt nichts ausgetauscht. Aber ich habe auch nicht das Bedürfnis groß zu reden. Ich machte mich auf den Ort noch ein wenig zu erkunden. Ich mag es einfach ziellos durch Gässchen und Straßen zu streifen, zu sehen an welche Fleckchen ich komme und mir so ein Bild von der Stadt zu machen. Muxía ist ein sehr kleiner, überschaubarer aber bunter, freundlicher Ort. Fischfang dominiert das Bild – Fischernetzte, Hafen, Boote, Fischläden, sogar Angler habe ich beobachtet. Lächle und du bekommst ein Lächeln zurück und eventuell wirst du sogar in ein Gespräch verwickelt. Die bunten Häuser, den Hafen und Strand, die Felsen der Küste auf all das hatte ich von oben auf einem Felsen einen super Überblick. Der Wind wehte mich zwar fast wieder hinunter und es war beinahe unmöglich ein unverwackeltes Foto zu machen, ich musste mich richtig gegen die Böen stemmen, die mir die Tränen in die Augen trieben. Unangenehm? Nö, ich fand das Gefühl unbeschreiblich schön, oben zu stehen, die Kraft des Windes zu spüren, die Kraft des Körpers zu spüren – wie beides aufeinander trifft. Der Kopf war frei – Freiheit – der Wind, die Aussicht, die Wellen, das Meer und auch die Sonne konnte man kurze Zeit hinter den Wolken erahnen. Ich bin standhaft, kann standhalten, ich bin ich und bleibe hier stehen, gehe meinen eigenen Weg – ich muss gar nichts, außer aufzupassen nicht vom Felsen geweht zu werden. Das war es glaube ich was ich gefühlt habe. Lange stand ich dort oben und spürte einfach nur die Gewalt des Himmels und betrachtete die Aufruhr des Meeres und die Ruhe der Erde. Den Sonnenuntergang zu betrachten war mir leider genauso wenig vergönnt wie der Sonnenaufgang, mal sehen wie es morgen am Ende der Welt aussieht. Regen ist weiterhin angesagt… Aber wenn ich eins gelernt habe auf dem Jakobsweg, dann das es egal ist was für Wetter herrscht es kommt auf die Betrachtung (und Kleidung an). Ist alles beschissen, dann kann selbst die Sonne am wolkenlosen Himmel nicht hell genug scheinen und ist man bereit das Positive zu sehen, dann kann selbst Regen und Sturm faszinierend sein. Auf jeden Fall erwartet mich morgen auch wieder Meer 🙂 

Hat etwas von einer Riesenschildkröte finde ich

Ich nenne es: Der Tanz mit dem Regencape 😀
Eine stürmische Weite, das Meer tost, Wellen brechen an den Felsen, graue Wolken bedecken den Himmel. Mächtig und beeindruckend zeigt das Wasser seine Kraft, es jubelt tobend, frei und ungebunden. Still stehe ich hier, lehne mich gegen den Wind, betrachte ergriffen das Schauspiel – innerlich aufgewühlt, wie das Meer – Erinnerungen, Erlebnisse, Erfahrungen, Eindrücke liegen hinter mir, umspielen mich, wie der weiße Schaum die Felsen #santiagoliegthintermir


Mit Wanderschuhen am Strand – war ich auch noch nicht :p

Die Kirche und das Denkmal

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