Tag 39 (28.02.) – Santiago

Monte do Gozo – Santiago de Compostela (4,7 km) 

… braucht es noch mehr Worte? Santiago de Compostela vielleicht… Ich bin da habe es geschafft, habe das Ziel erreicht. Das war es nun also. Laut Urkunde liegen jetzt 1006 km hinter mir. Der Weg hat sein Ende erreicht, auch wenn er noch ein Stück weiter geht. Wie fühle ich mich? Wie sollte ich mich denn fühlen? stolz, erfolgreich,zufrieden, glücklich… Ja glücklich bin ich und überwältigt von den Eindrücken und ansonsten ist alles noch ziemlich unreal – es ist vorbei… Es war meine kürzeste, aber doch wichtigste Etappe. Gestartet bin ich kurz vor 8 Uhr im Regen. Es ging den Berg hinunter und den restlichen Weg auf dem Gehweg durch die Stadt – ziemlich unaufregend und nass. Die Vorfreude schien verschwunden, ich war ruhig, gelassen, es war ein ganz normaler Tag, gar nicht besonders fühlte er sich an. Gegen 9 checkte ich in der Herberge ein. Überraschenderweise traf ich dort Oliver, seinen Freund und Juan (ein Spanier vom Weg) wieder, diese waren gestern am späten Abend schon hier eingetroffen. Kurz ankommen und dann starteten wir gemeinsam zum Pilgerbüro. Wir waren die Ersten, deswegen bekamen wir neben der Urkunde auch einen Gutschein für ein Mittagsmahl im Luxushotel neben der Kathedrale, dem Brauch nach werden täglich die 10 ersten Pilgerer dazu eingeladen im ältesten Hotel (laut Reiseführer) der Welt zu speisen – wie genial ist das denn bitteschön?! 12 Uhr stand die Messe an. Sie bildete meinen persönlichen Höhepunkt des Tages. Davor wurde die Kathedrale noch etwas besichtigt, von Außen finde ich sie ehrlich gesagt schöner. Dabei umarmte ich natürlich auch dem Brauch nach den mit Gold und Edelsteinen verzierten Apostel und „beendete“ somit meine Pilgerreise. Komisch kam ich mir schon ein wenig dabei vor, die kalte, leblose Statue zu berühren. Auf der einen Seite schwang etwas Abschied mit, auf der anderen Seite fühlte ich nur die unangenehme Kälte – für mich einfach nur ein Brauch. Ein Dankeschöngebet an Gott während ich durch die Kirche lief war mir mehr wert und machte mir das Ereignis bewusster. Ja für mich steht fest er hat mich geleitet und unterstützt, mir die Kraft gegeben oder einfach nur zu verstehen gegeben, dass ich das Vermögen dazu habe es zu schaffen (und geschafft habe). Etwas realisiert, wo ich mich befinde, nämlich am Ende, habe ich nicht mit der Urkunde in der Hand oder bei den gegenseitigen Gratulation. Realisiert habe ich es als die Messe anfing. Eine helle, klare, kräftige Frauenstimme einer Nonne schwebte vom Altarraum durch die kalte Halle der Kirche. Berührte und erwärmte innerlich, dann setzte die Orgel ein und feierlich zogen 6 Priester ein. Die kalte, dunkle Kirche wirkte nun ganz anders, verwandelte sich für mich, wurde lebendig und festlich. Es folgte die Aufzählung der Pilger, welches Land und wo gestartet. 17 (insgesamt waren es am Tagesende 156) hatten sich heute erst gemeldet, Polen, Korea, Spanien, Chile und eine Deutsche, gestartet in Sevilla (auch nur einmal erwähnt, denn Oliver startete schon in Cadiz). Die Messe (von der ich mir mehr zusammenreimte als verstand, was müssen die Priester auch so undeutlich reden…) war trotzdem sehr anrührend und einfach feierlich, oft sang die Nonne wieder und erfüllte die Kirche damit, meiner Ansicht nach, mit einer wunderbaren Stimmung, für deren Beschreibung ich gerade keine Worte finde. Nach der Messe fanden wir und um 1 im Restaurant zum Essen ein. Das Koreanische Paar, welches wir schon in der Kirche getroffen hatten, gehörte auch zu den Glücklichen, dazu kamen ein Italiener und 3 Spanier. Enpanadas, Suppe, Kartoffeln und Fleisch, Gebäck, dazu Wein rot und weiß – es wurde aufgetischt, fein und vornehm das Flair, geschafft, glücklich und alles andere als im Anzug saßen wir 2 h in geselliger Runde. Dann hielt ich erstmal Siesta, die Müdigkeit und der volle Magen übermannte mich. Gegen 4 hörte dann sogar der Regen etwas auf. Ich schaute mir die Stadt an, schlenderte durch Gässchen, stöberte in Souvenirläden… und dann war es auch schon dunkel und der Tag vorbei. Menschen, Touristen, Trubel waren vorhanden, aber hielten sie sich in Grenzen. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Jetzt liege ich im Schlafsack und kann es immer noch nicht ganz glauben, dass alles vorbei ist sein soll, dass ich meine Urkunde habe, keine Stempel mehr sammeln muss, dass die Messe vorbei ist und der Jakobsweg offiziell zu Ende ist. 1006 km (laut Urkunde, ich dachte es wären weniger gewesen) liegen hinter mir, 1006 km geprägt mit Anstrengungen und Schmerzen, aber auch so viel Freude und Leichtigkeit, 37 Tage pilgern, 37 Tage gefüllt mit Erlebnissen, Erinnerungen, Erfahrungen aller Art. Ich brauche Zeit zum ordnen, Zeit zu realisieren, vor allem erstmal etwas Schlaf, trotz Siesta spüre ich die Müdigkeit bis in die Zehenspitzen. Gute Nacht von einer nun anerkannten und zertifizierten Pilgerin 😉 

Im Regen begrüßte mich die Stadt:

Die Kathedrale (das Hauptportal vom Gerüst veedeckt):

Ziel erreicht – da strahlt sie ;p

Der Altarraum mit Apostel, den man von hinten umarmt

Das Gratisessen:

Einige andere Gebäude:

Die Kathedrale gerade im Dunkeln ein Hingucker, wie ich finde:

Meine Urkunden:

 

10 Gedanken zu “Tag 39 (28.02.) – Santiago

  1. Hallo Elli, ich freu mich total für dich und gratuliere dir für deine Leistung. Habe deinen Weg auf dem Blog verfolgt und bin stolz auf dich. Du siehst richtig gut aus. Auch ganz liebe Grüße von meiner Mutti.
    Sei umarmt von Iris

    Gefällt 1 Person

  2. Herzlichen Glückwunsch, zu Deinem persönlichen Sieg. Wir bewundern Dich, Stephan, Bettina, Christian, Sybille, Olaf, Wibke, Silas und Tabea aus dem Ski-Urlaub in Österreich

    Gefällt 1 Person

    1. Ui gleich soviel Familie 🙂 Vielen Dank, das geht runter wie Öl. Ich wünsche euch noch viel Spaß im Schnee und sende ganz liebe Grüße an alle vom Meer 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s