Tag 33 (22.02.) – I have a dream

Ruitelan – Alto do Poio (20,3 km) 

„I have a dream, a song to sing
To help me cope, with anything
If you see the wonder, of a fairy tale
You can take the future, even if you fail
I believe in angels, something good in everything I see
I believe in angels
When I know the time is right for me
I’ll cross the stream, I have a dream
I have a dream, a fantasy

To help me through, reality
And my destination, makes it worth the while
Pushing through the darkness, still another mile“

(Ich habe einen Traum : Ein Lied, das ich sing‘
Das mir hilft, mit allem fertig zu werden.
Wenn du das Wunder eines Märchens sehen kannst,
Dann kannst du die Zunkunft angehen,
Wenn du auch scheitern magst.
Ich glaube an Engel
An das Gute in allem, das ich seh‘
Ich glaube an Engel
Wenn ich weiß, dass die Zeit für mich gekommen ist,
Dann werde ich den Strom überqueren
Ich habe einen Traum
Ich habe einen Traum, eine Wunschvorstellung,
Um mir durch die Wirklichkeit zu helfen
Und mein Ziel ist der Mühe wert,
Um mich immer noch eine weitere Meile
Durch die Dunkelheit zu kämpfen.) 

Ich sitze mit Eden beim Frühstück in der Herberge und ABBA singt „I have a dream“. Und ja den habe ich heute: Wieder auf einen Berg hinauf. Es wird der letzte Berg bis Santiago bleiben, den es zu überqueren gilt. Ein leicht erfüllbarer Traum hier und heute, doch mehr wünsche ich mir gerade nicht, als loszulaufen und oben anzukommen – und vielleicht noch Sonnenschein und Wifi am Ende der Etappe und etwas zu essen, aber das wars – und ein Bett und eine warme Dusche, so das wars jetzt aber :p Kurz nach 8 Uhr starteten wir, doch den Berg bestiegen wir jeder in seinem Tempo. Es war lustig – immer wieder begegneten wir uns und überholten uns. Ich war oben und beschloss eine Schreibpause einzulegen, bald kam Eden, der wenige Zeit später aber eine Pause machte, wo ich ihn überholte usw. usw. am Ende sind wir nun wieder in derselben Herberge (anscheinend wieder nur für uns 2 :)) aufeinander getroffen. Mit Eden habe ich eine super sympathische Gesellschaft, es macht Spaß mit ihm zusammen die Sonne zu genießen und es fällt sogar leicht mit ihm zu essen. Trotz seiner über 40 Jahre hat er eine kindliche Fröhlichkeit und Offenheit mit der er sich über die Natur, das Essen oder das Streicheln des Hundes freut. Morgen werden sich unsere Wege trennen, da er eine andere Route einschlägt. Motiviert wie ich war, erschien der Weg am Anfang einfach trotz Aufstieg, doch nach ca. 3 h und doch immer nur der selben Aussicht, hatte ich die Schnauze voll. „Immer noch bergauf, ich komme ja nie an, verdammt ich kann nicht mehr, müssen die Schmerzen denn sein, was für ein blöder Traum das doch war, ich will nur endlich ankommen…“ 6 Stunden ging mehr oder weniger immer bergauf. War zu Beginn alles noch wundervoll wurde es mit der Zeit einfach nur langweilig und zäh. Meine Knöchel schmerzten, ließen mich mit jedem Schritt spüren, was ich in den letzten Tagen geleistet habe, mit jedem Kilometer schienen meine Beine immer schwerer zu werden und sich jedes Kilo des Rucksackes mehr an meine Schulter zu hängen. Und es sind nur 17 Grad? Ich schwitze wie bei min. 30… Im Sommer hier zu laufen – unvorstellbar. Der erste Teil des Weges führte durch einen schattigen gemütlichen Wald, bevor die Landschaft sich öffnete. „Die Sonnenstrahlen durchbrechen die kahlen Baumkronen, erleuchten den Weg nach oben. Über Blätter und feste Steine in dem weichen Erdboden geht es stetig bergauf. Doch beim Anblick des Weges scheinen die Qualen der Anstrengung erträglich, die Schmerzen gelindert. Der Weg strahlt eine Wärme und Geborgenheit, gar eine Gemütlichkeit aus. Fröhlich singen die verschiedenen Vögel. Zwei Rehe springen aufgeschreckt am Hang entlang. Eines hält inne schaut zu mir hinüber – Blicke begegnen sich, bevor es sich regt und weiter springt. Kurve um Kurve windet sich der Weg nach oben. Ich gelange aus dem Wald, eine weite Sicht erwartet mich, die atemberaubende Aussicht fesselt mich am Anfang. Scheinbar endlos führt der Weg Biegung um Biegung leicht höher. Die Füße schmerzen, die Muskeln ziehen, die Atmung geht schneller und tiefer ein und aus. Ich bleibe stehen, spüre nun mein Herz aufgeregt klopfen, die Adern des Halses pochen im gleichen schnellem Takt – ich atme ruhig und schaue mich bewusst um, lasse die Anstrengungen hinter mir. Die Sonne leuchtet auf die Berge zur linken Seite, bringt den Teppich aus unzähligen Flicken der die Hügel bedeckt zum leuchten. Viele Farbschattierungen springen ins Auge. Grüne Flächen, braune Flächen, gelbe Flächen, rötliche Flächen, lilane Flächen, weiße Flächen. Dunkelgrün, hellgrün, kräftig, blass – Bäume, Büsche, Wiesen. Das braungelb der verdorrten Farbe, das braun der Wege, das leichtlila der Baumkronen… so facettenreich. Das Auge scheint kaum alles mit einmal aufnehmen zu können. Die Sonnenstrahlen erwärmen meine Haut, rufen Geborgenheit und Ruhe hervor, die Vögel zwitschern, wecken Freude und Freiheit. Mit neuem Mut und neuer Kraft hole ich die Anstrengung und Schmerzen zurück, stelle mich und gehe weiter. “ In ungefähr der Hälfte meines Weges schlug ich einen kleinen Umweg über einen Hügel mit Kreuz ein. So stelle ich mir ein Kreuz vor, um einen Stein abzulegen. Das tat ich auch. Doch nicht nur das, in Gedanken nahm ich alle ob Familie, Bekannte, Freunde, Liker meines Blogs… mit hoch. Allen, die mich unterstützen, an mich denken, denen ich begegnet bin, die das hier lesen, einfach Jedem den ich kenne und dankbar dafür bin ihn getroffen zu haben in meinem Leben … widmete ich dieses Stein, denn was wäre ein Leben ohne Begegnungen, was wäre ein Existieren ohne Kreuzungen von Lebenswegen, was wäre ein Leben ohne Miteinander, ohne Mitteilen und Teilhaben lassen, ohne Anteil nehmen. Ein scheinbar unscheinbaren Stein – 2 Seiten, gerade und kantig; 2 Farben, weiß und grau und doch spiegelt er das Leben wieder – ein auf und ab, ein leicht und schwer, gute und schlechte Zeiten. Die Aussicht war genial, das Gefühl einzigartig, Dankbarkeit und Freude überkam mich nach dem bisherigen Anstrengungen. Auf meinem weiteren Weg gelangte ich in die Region Galicien. Eigentlich hatte ich geplant den Berg auch wieder hinunter zu laufen, doch in Anbetracht, der Zeit, des schönen Wetters und dem fehlenden Willen buchte ich mich in eine Herberge nach dem letzten Anstieg auf dem Gipfel ein. Wieso auch nicht? Ich habe Zeit und heute schon genug geschafft, wer schreibt mir denn vor 30 km zu laufen? Niemand – und vor allem habe ich das nicht zu tun. Es ist egal wie viele km, wie viele Pausen ich gemacht habe, ob ich eine halbe Stunde „vergeudet“ habe, weil der Platz und die Sicht einfach zur Pause und zum Schreiben verlockt haben. Mit einer Dusche wusch ich den Schweiß ab und setzte mich danach mit einem Bier (Estrella Galicia – der Stern Galiciens) und Schokolade in die Sonne – und brauche gerade nicht mehr um glücklich zu sein… und so sitze ich noch immer hier in 1337 Metern Höhe und schaue auf den Weg zurück den ich gegangen bin und stelle erfreut die Erfüllung meines Traumes fest. Ich sehe das Wunder der Natur wieder einmal unter/hinter mir liegen, ich danke Gott, meinem Schutzengel, dass ich auch heute angekommen bin und freue mich auch etwas auf morgen – weiter zu laufen – Neues zu erleben. Vor allem mit einem Hahnenschrei aufgeweckt zu werden. Für 6 Euro habe ich ein Bett, Toilettenpapier, eine heiße Dusche und gackernde frei um die Herberge laufende Hühner inklusive Hahn bekommen. Und wie schon den ganzen Tag geht mir vor allem ein Lied durch den Kopf:
„Heidi, Heidi
Deine Welt sind die Berge
Heidi, Heidi
Denn hier oben bist Du zu Haus‘
Dunkle Tannen
Grüne Wiesen im Sonnenschein
Heidi, Heidi
Brauchst Du zum Glücklichsein“

4 Gedanken zu “Tag 33 (22.02.) – I have a dream

  1. Hallo Eli,sehr schön dein detail und facettenreicher Bericht vom 33. Tag. So lebendig, ich habe das Gefühl dabei zu sein .

    Jetzt sind es ja bestimmt nur noch einige Tage bis zum Ziel. der Höhepunkt liegt ja mit Santiago del Compostella noch vor Dir…
    Bin weiter gespannt…

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    1. Hey, danke für das Kompliment 🙂 Ja noch 150 km ca. eine Woche, ich will versuchen mir Zeit zu lassen, und das pilgern nochmal zu genießen, die Zeit ging so schnell um… Mich drängt nichts und mit 20 km am Tag komme ich auch iwann an :p
      Ja das stimmt aber mehr als auf Santiago freue ich mich auf Finisterre, ich stelle es mir traumhaft dort vor 🙂

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    2. Hey, danke für das Kompliment 🙂 Ja noch 150 km – ca. eine Woche, ich will versuchen mir Zeit zu lassen, und das pilgern nochmal zu genießen, die Zeit ging so schnell um… Mich drängt nichts und mit 20 km am Tag komme ich ja auch iwann an :p
      Ja das stimmt aber mehr als auf Santiago freue ich mich auf Finisterre, ich stelle es mir traumhaft dort vor 🙂

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