Tag 26 (15.02.) – warm + herzig

Villabrazaro – Alija del Infantado – La Bañeza (35, 6 km)

Wenn ich in dem Tempo weiter mache, bin ich viel früher in Santiago als geplant, Ende Februar schon… Auch heute brachte ich wieder über 30 km hinter mich. Eigentlich war erste oder 2.Märzwoche zur Ankunft in Santiago angepeilt. Es scheint als renne ich, ich renne weg vom Start und auf das Ziel zu. Wollte ich nicht in aller Ruhe machen? Aber die Etappen waren nunmal meist nicht anders zu machen und halte ich inne und überlege, laufe ich höchstens ein bisschen schnell. Ich kann sagen bis jetzt bin ich eigentlich mit jedem Tag und wohin er mich gebracht hat zufrieden. Den Weg habe ich bei jetziger Betrachtung echt gut bisher gemeistert und hinter mich gebracht. Die letzten Tage hatte ich einen Durchhänger, eine Durststrecke, eine Null-Bock und Alles ist sinnlos – Stimmung… Ich denke man hat es bemerkt. Doch als ich heute morgen gegen 7 startete, war eine euphorische und motivierte Stimmung vorhanden, die ich in meinem Herzen spürte. Ich lief los und es schien mir fast als würde ich leicht wie eine Feder die nicht befahrene Landstraße entlangschweben. Alles fühlte sich einfach einfach an, das Laufen machte Spaß. Es war dunkel und trocken, der Regen sollte ab heute aufhören und das tat er auch. War es das Wetter oder etwas anderes, ich fühlte eine plötzlich innere Stärke, dabei war die letzte Nacht nicht besser als die vorangegangenen gewesen und die anstrengenden Kilometer vergingen auch nicht schneller. Irgendetwas gab mir Kraft –  ich selber, mein Glaube oder Gott – alles zusammen wahrscheinlich, ich wusste heute wird ein toller erfolgreicher Tag. Der heutige Bibelspruch in meiner App passt, wie mir gerade aufgefallen ist: Ja, so ist mein Gott: Er ist meine Rettung, ich vertraue ihm und habe keine Angst. Der Herr allein gibt mir Kraft. Denke ich an ihn, dann beginne ich zu singen, denn er hat mich gerettet. Jesaja 12, 2  Ja gesungen habe ich heute unterwegs auch noch, aber von Anfang an: Gestartet gegen 7 Uhr. Der Weg führte zu Beginn über die Landstraße. Auf dieser gelangt ich nach ca. 2 Stunden zu einer schönen römischen Brücke. Diese Puente de la Vizana markiert die Grenze zum Kreis Leon. Die Sonne war aufgegangen, doch schaffte es nicht durch die Wolkendecke zu dringen. Doch die bedeckte Stimmung störte mich wenig. Nach 4 h hinter dem durchquertem Ort Alija del Infantado verließ ich die asphaltierte Straße und gelangte auf einen Feldweg, der an einem Fluss mit Birken, Pappeln und Weiden entlangführte. Natur, wunderbare Natur pur, der Weg machte Spaß. Freudig folgte ich ihm und brachte meine gute Laune (woher auch immer) durch pfeifen und singen zum Ausdruck. Die Vögel stimmten ein. Ich passierte Äcker, eine Schafherde und lauschte immer wieder dem Plätschern des Baches. Die kleinen immer mal wieder kommen Durchhänger ließ ich jedes Mal hinter mir. Da konnte ich halt nicht mehr, hatte keinen Bock mehr, der Weg erschien endlos, ich war zu langsam und mein Rücken schmerzte… Na und? Ich würde trotzdem ans Ziel kommen. Die Sonne muss nicht scheinen, damit die Welt schön ist. Die letzten 2 Stunden führten wieder auf der Landstraße entlang und ich beschloss einfach mal mein Tramperglück zu versuchen. Nach einer halben Stunde hatte ich Glück und ein nettes spanisches Ehepaar hielt an und lud mich ein. Ich sah es ein wenig als Rettung und von Gott geschickt an. 2 h endloser harter Asphalt blieben mir erspart. Mein Rücken und die Beine jubilierten mit mir. Die Frau war freundlich und neugierig, ohne Unterbrechung erzählte sie und stellte eine Frage nach der Anderen, sodass ich mit meinem „repetir, por favor“ (bitte wiederholen) gar nicht hinterherkam, um alles zu verstehen. Was erst 22 Jahre und ganz alleine auf Pilgerschaft?… Ich wurde ganz fürsorgend vor der Herbergstür abgesetzt, nach dem ich mindestens hundert Mal das Angebot zum Kaffee bei der Großmutter abgelehnt habe. Ach was sind sie nicht warmherzig goldig die Spanier. Dieses Bild verkörperte auch die „Herbergsmutter“ bei welcher ich ein Tür weiter den Schlüssel abholte. Euphorisch begann sie mit der Führung durch die große Herberge (nur für mich). Eine Küche mit Herd und Geschirr, Duschen mit heißem Wasser – oh ja und sogar Türen und nicht nur diese blöden Vorhänge (später min. 45 min ausgekostet, Toiletten mit Rollenweise Papier, ein Aufenthaltsraum mit Couch und Fernseher und das Beste: eine bombastische Heizung, die im Nu den Raum heizte, weshalb ich es in der Nacht auch vorzog auf der Couch zu schlafen und nicht im kälteren Bettensaal. Ich fühlte mich im 7. Pilgerhimmel. Die Sonne kam etwas raus und ich ging noch etwas die geschlossenen Kirchen anschauen, nutzte WLAN bei eine Kaffee, bevor ich dann in mein Herbergshotel zurück kehrte. Das fehlende WLAN war übrigens egal, als ich warm und gemütlich auf der Couch lag und Gott für den Tag dankte. 

Die Himmelgebilde beeindrucken mich immer wieder

Am Horizont sind die Montes de Leon zu erkennen (diese werde ich in der kommenden Woche überqueren)

3 Gedanken zu “Tag 26 (15.02.) – warm + herzig

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