Tag 24 (13.02.) – Pilgern ist, wenn Toilettenpapier zum Luxuxgut wird 

Zamora – Riego del Camino (36 km) 

Mit dem Ziel eine schöne Herberge zu finden, etwas Luxus zu haben, startete ich die doch etwas längere Etappe um 7 Uhr. Was ich unter „schön“ verstehe hat bei zurückliegender Betrachtung schon stark abgenommen. Heizung und Toilettenpapier stehen ganz oben, darauf folgen Wasserkocher und warmes Wasser. Einigermaßen warmen Bädern, das man ich gleich nach einer heißen Dusche wieder vor Kälte zittert, habe ich schon abgeschworen – Abhärtung ist alles, auch wenn ich es mir manchmal 3 Mal überlegen muss, ob ich mir das antue und dusche, meist ist man bevor für 5 Minuten heißes Wasser kommt schon fast erfroren, aber womit man sich nicht alles anfreundet. Waschmaschine und Trockner sind mir bis jetzt erst in 2 Herbergen begegnet, und aufgrund der fehlenden Wärme zum Trocknen beschränke ich die Handwäsche auf das notwendigste. Wurde zu Hause jede Hose wegen einem Mini-Fleck in die Maschine gesteckt, ist es mir inzwischen egal ob der Schlamm bis zu den Knien geht oder Kaffeeflecken auf dem Pullover sind, Hauptsache trocken. Einmal wusch ich meinen Fleecepullover (dachte Fleece trocknet schnell) und schleppte ihn ganze 3 Tage feucht mit mir rum. Und immer wieder werde ich auch mit dreckiger Hose freundlich bedient. Nur Kerle riechen an Socken? Tja dachte ich bis jetzt auch immer :p Inzwischen habe ich beschlossen, dass es den Schuhen egal sein kann, ob meine Füße wunderbar nach Schweiß duften oder nicht, abwechselnd werden die 2 Sockenpaare über Nacht gelüftet, ein Naturwind ist dank des Wetters bis jetzt nicht vergönnt gewesen. Somit stellen eine Wäscheleine, ein wenig Sonne und noch ein paar Stunden Zeit das absolute Highlight am Ende einer Etappe dar. Ein Herd oder gar eine Küche mit Ausrüstung? – Egal wie alt, die Herberge ist modern! Aber die erste und wichtigste Frage, bei der Übergabe: Gibt es eine Heizung? Doch wieso schweife ich heute so aus? Weil ich alles gerade vermisse, eine Heizung, eine Küche, ein Wasserkocher, heißes Wasser zum Duschen, ein Bad in dem man nicht zitternd auf Toilette sitzt… und Toilettenpapier. Ich will gerade gar nichts, nur etwas Toilettenpapier. Welch ein Luxus ist es doch zu Hause, einfach den Badschrank öffnen (sogar von der Toilette erreichbar) und eine Rolle rausholen… Als vorsorgende Pilgerin habe ich natürlich eine Rolle dabei, doch wenn man erst das Toilettenpapier aus dem Rucksack kramen muss, sieht man vorhandenes Toilettenpapier von der Rolle direkt neben dem Klo als Luxushotel an. Mehr als 9 Stunden war ich heute unterwegs. Der Weg führte stundenlang unter immer wieder niederkommenden Regen über weite Felder mit kaum Anhaltspunkten am Horizont, nur die schnell fahrenden Autos der in einiger Entfernung parallel verlaufenden Autobahn zeugt von Zivilisation. Zwischendurch durchquerte ich den Ort Montamarta, kam an einem Stausee und Festungsruinen vorbei, doch all das interessierte mich heute nicht wirklich. Die Kilometer und die Zeit wollten einfach nicht vergehen, immer wieder der Blick auf die Uhr und immer wieder ein innerliches Stöhnen, wenn der Regen wieder schlimmer einsetzte. Zur Ablenkung steckte ich mir Kopfhörer in die Ohren und folgte 3 Stunden der Geschichte von Robinson Crusoe. Irgendwie, ich frage mich jetzt noch wie, kam ich gegen 17 Uhr schließlich an. Kurze Zeit später bekam ich Gesellschaft. Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an… Dachte sich auch David. Er kommt aus Valencia und bewältigt (inzwischen 67) gerade seinen 7.  Jakobsweg. Doch es wird unsere einzige Begegnung bleiben, denn ab morgen pilgert er den Camino Sanabres weiter, während ich Richtung Camino Frances laufe. 

2 Gedanken zu “Tag 24 (13.02.) – Pilgern ist, wenn Toilettenpapier zum Luxuxgut wird 

  1. Oh ja, an Clopapier-Engpässe erinnere ich mich auch. Ich habe das dann mit Servietten oder Taschentüchern geklärt – eine Rolle im Rucksack wollte ich nicht.
    Bin gespannt auf Deinen Weg zum camino france. Ich bin damals nach links abgebogen.
    Weiterhin buen camino

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