Tag 16 (05.02.) – nach Regen kommt auch wieder Sonnenschein

Grimaldo – Carcaboso (33, 3 km) 

Gegen 8 Uhr startete ich heute. Früher konnte ich und wollte ich nicht, denn es regnete und stürmte, so wie die ganze Nacht schon. So saß ich also und wartete, damit ich in etwas ruhigerem Wetter starten konnte, ohne gleich wieder nass zu werden. Dass meine Schuhe und Hose nicht ganz trocken wurden über Nacht mit der Miniheizung reichte schon. Ein wenig Nieselregen begleitete mich am Anfang noch etwas. Der Weg führte über Wiesen, sanft schlängelte er sich über und um Hügel. Bäume, Büsche, Kühe und Schafe standen auf den Hügeln. Neben Gattern waren auch immer wieder größere Pfützen und Wasserstellen zu durchqueren. Schafe und Kühe genossen das saftige in Wasser getränktes Gras. Nach etwa 2 Stunden änderte sich das Wetter, die Wolken vereinzelten sich und blauer Himmel und Sonnenschein zeigten sich. Die Landschaft öffnete sich und ich hatte eine weite Sicht. Grüne Hügel, die sich nebeneinander und hintereinander erhoben bis zum Horizont, bedeckt mit dunkelgrünen Bäumen, die jedoch immer genug Lücken ließen um das Gras darunter zu erkennen. Ein freier Blick auf die Umgebung, die von Sonne, blauen Himmel und einzelnen schneeweißen Wolken überzogen würde erweckte eine Freude in mir nach den Regentagen und den Gefallen weiter und immer weiter zu laufen. Doch nach etwa 3 Stunden führte der Weg die restlichen ca. 5 Stunden auf einer Landstraße weiter. Der harte Asphaltboden gab nicht nach, wie der Wiesenboden, das merkten die Füße deutlich. Auch mein Rücken schmerzte mit der Zeit wieder. Doch zu einem Päuschen an der „gemütlichen“ Straße ließ ich mich nicht hinreißen. Nach einer gefühlten Ewigkeit sah ich dann das ersehnte Ortsschild von Carcaboso. Die Herberge wurde von der Bar nebenan betreut, der nette Besitzer zeigte mir die Herberge, stütze sogar den Rucksack von hinten beim Treppen hinaufsteigen (es waren einige) und oben angekommen nahm er mir den Rucksack von den Schultern, also das nenn ich Service. Angekommen bot sich der Sonnenschein und die Terrasse mit Wäscheleine an zum waschen. Das tat ich bevor ich den Luxus der Badewanne hier nutzte (ein Bad! Wie genial ist das denn? Einfach im Wasser liegen und entspannen). Man glaubt gar nicht worüber man lernt sich hier zu freuen. Neben heißem Wasser und einem Heizgerät, stehen Handtücher und Wasserkocher auch ganz oben auf der Liste. Handtücher heißt, ich brauche meins nicht nassmachen und nicht feucht einpacken. Wasserkocher heißt, ganz schnell heißes Wasser für Tee. Leider vermisste ich ihn hier und musste auf altmodische und langwierige Art und Weise mit dem Topf Wasser heiß machen. Ich bin nun schon den 2. Tag wieder alleine unterwegs und muss sagen, es hat Vor- und Nachteile, aber das hat ja eigentlich alles. Bei Regenwetter fehlt einfach jemand der dabei ist, denn wir heißt es so schön: geteiltes Leid ist halbes Leid. Habe ich etwas schönes entdeckt oder bist mir beim Weg nicht ganz sicher, war es schön jemand zum Ansprechen zu haben. Doch mit Begleitung habe ich immer wieder bemerkt, wie ich die Verantwortung übernahm (obwohl sie 7 Jahre älter war). Ich hatte den Reiseführer, den Plan, ich ging vorneweg und suchte den besten Weg um die Pfützen, ich redete mit den Leuten (ok, ich konnte besser spanisch und auch mehr verstehen), ich fragte nach dem Weg oder einem Supermarkt, ich wählte meist die Bar aus, ich hatte die Verantwortung für den Schlüssel, ich plante die Route für den nächsten Tag… Ich wartete und überlegte was wohl das Beste für uns (sie und mich hintenangestellt) ist. Ja so bin ich anscheinend, ich habe fast immer eine Plan, und wenn ich eins hier schon kapiert habe, dann das ich mich irgendwie selbstbewusst durch- und weiterbringe und wenn ich gar nichts mehr verstehe einfach sympathisch lächeln, das geht immer. Es gehört auch zum Leben in der Gesellschaft Rücksicht zu nehmen und auf die anderen zu schauen, aber man sollte sich dabei nicht vergessen. Und ich bin hier gerade, auf meinem Jakobsweg nur für mich verantwortlich und brauche mir kein schlechtes Gewissen einreden, Kathi alleine gelassen zu haben. Es war schön Gesellschaft gehabt zu haben. Ich hab dadurch eine Partnerin gehabt, die mich auch unterstützt hat. Doch von allem habe ich bemerken können, dass ich mich vergesse und nicht mehr nur auf meine Bedürfnisse gehört habe, hatte sie Hunger bin ich mit essen gegangen und das schlechte Gewissen, des zu viels essens setzte ein. Ich habe gesehen, dass ich lernen muss (bzw. ich will) für andere da zu sein ohne mich aufzugeben. Als ich heute so darüber nachdachte, ist mir aufgefallen, dass mir das auf den Behindertenfreizeiten, die ich ab und zu begleite schon ganz gut gelingt. Denn ich nehme dort bewusst wahr was ich zurückbekomme und nehme es an. Echte Dankbarkeit und Freude. Und ich sehe bewusst, dass ich Freude zurückbekomme, wenn ich Freude gebe. Freude wird größer, wenn man sie teilt. Genauso wird man selbst größer, wenn man mit dem was man gut kann für andere da ist. Für Kathi war es bestimmt angenehm jemand mit Plan, der die Initiative ergreift an ihrer Seite zu haben und ich hatte ein mega schlechtes Gewissen, als ich ihr gesagt habe (sie war schon etwas überrascht), dass ich die nächsten Tage erstmal alleine laufen will, habe gedacht: du kannst sie doch nicht alleine lassen…was wird sie denken? Aber wieso denn nicht? Hier pilgert man alleine, und sie ist alt genug und hat sich selbst dafür entschieden, was wenn wir uns nicht getroffen hätten. Obwohl ich denke, dass Gott unsere Wege hat kreuzen lassen. Wege kreuzen sich, ob und wie man auf die Begegnung eingeht, das liegt bei Jedem selbst. Ich habe die Begegnung genutzt, habe mich gefreut, aber bin jetzt auch stolz auf mich gesagt zu haben, dass ich erstmal alleine gehen will als es mir zu viel wurde. Ich hatte erwartet sie heute hier wieder zu treffen, aber dann bestimmt die nächsten Tage, der Weg ist noch lang. 2 sehr anstrengende Tage liegen hinter mir und morgen stehen noch einmal 38 km an. Aber bis jetzt habe ich mich durchgekämpft und morgen soll die Sonne scheinen. So wie ich gehofft habe und darauf vertraut, dass nach Regen auch wieder Sonnenschein kommt. 

Die Dunkelheit des Regenwetters verzieht sich langsam
Ein leichter Sonnenaufgang schenkt Hoffnung auf einen guten Tag
Gut verpackt :p
Eine noch humane Pfütze 😉
Hügel bestreut mit Bäumen unter blauem Himmel
Der langersehnte Ortsanfang von Carcaboso

8 Gedanken zu “Tag 16 (05.02.) – nach Regen kommt auch wieder Sonnenschein

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