Tag 10 (30.01.) – Statt Trockenheit blühende Bäume und Wein

Zafra – Villafranca de los Barros (19,4 km)

Halbiert starteten Kathi und ich heute gegen 9 Uhr die nächste Etappe. Oliver plante zurück nach Sevilla zu einem Freund zu fahren und dort sein Knie zu kurieren. Doch ein Wiedersehen zog er auf jeden Fall in Erwägung. Er sagte er würde einfach, wie das letzte Mal, nach einer Deutschen mit kurzen Haaren fragen, die laufen hier nicht so oft rum. Marie ließ den Tag ruhig angehen und während wir schon unsere Sachen gepackt hatten, ruhte sie noch im Schlafsack. Meine Packkünste haben sich inzwischen schon routiniert, alles hat seinen Platz und ich komme mit einer viertel Stunde packen vollkommen aus. Marie trafen wir am Abend in der Herberge wieder. Unser Weg führte uns an Ruinen eines Klosters vorbei aus dem Ort, wir folgten einer breiten Landstraße die an einzelnen Fincas entlang lief. Hatte ich vor ein paar Stunden in der Nacht noch gefroren, schwitze ich nun umso mehr, die angesagten 17 Grad fühlten sich an wie 25. Die Landschaft bot etwas Abwechslung zu den vergangenen Tagen, eine karge Weite suchte man vergebens. Überall säumten Olivenbäume und Wiesen den Weg. Auch den ein oder anderen blühenden Mandelbaum konnten wir zu unserer Überraschung entdecken. Die beste Idee, die ich heute hatte: Meine Schuhe zu wechseln. Das Gefühl an den Füßen danach… unbeschreiblich. Leichtigkeit und Freiheit, es fühlte sich einfach lockerer an. Trotzdem merkte ich bei jedem Schritt, wie sich das Gewicht auf die Sehnen legte. Auch wenn es zum Glück nicht mehr so schlimm rieb, da einfach kein hoher Schuh mehr da war zum Reiben, zum Glück bestand der Weg hauptsächlich aus weicherem Lehmboden, sodass der fehlende Halt nicht schlimm war. Die Landschaft und die Schuhe ließen die Kilometer relativ schnell vergehen. Gegen halb 3 kamen wir verschwitzt aber glücklich an. Circa eine dreiviertel Stunde später starteten wir die Suche nach einer Mahlzeit. Diese stellte sich verzwickter raus als angenommen. Glücklich etwas gefunden zu haben, saßen wir in einer (leeren) Pizzeria (endlich mal etwas anderes außer das typisch Spanische…) und setzten uns eifrig mit der Karte auseinander, als nach einer viertel Stunde immer noch keine Bedienung zu sehen war, wurden wir stutzig und mussten feststellen das das Restaurant bereits seit 10 min geschlossen hatte.  Ausgerechnet in diesem Ort hier schlossen alle Restaurants halb oder um 4, sodass wir vergeblich von einer Bar zur nächsten marschierten. Unsere hungrigen Mägen konnten wir dann glücklicherweise doch noch in einer Bar mit einem Baguette und einem kühlen Bier füllen. Bevor wir in der relativ warmen Herberge die Füße hochlegten und eine lange warme (wie ich heißes Wasser zu schätzen gelernt habe) Dusche. Meine neuesten Errungenschaften: je großem Zeh eine kleine Blase (nach den kleinen Zehen wollten sich die Großen anscheinend auch mal melden) und 2 verbrannte Ohren (da kann ich bei 30 Grad am Strand liegen und nichts passiert, laufe ich einmal bei 17 Grad und keinem gefühlten direkten Sonneneinfluss…). Aber alles halb so wild, die Ohren sind kaum zu spüren und die Blasen wurden gleich aufgestochen. In der Herberge stieß gegen Abend mit Alex die männliche Komponente, die wir durch Oliver verloren hatten wieder zu uns 3 Frauen. Alex pilgert auch mit dem Ziel Santiago, doch ist nur selten in Herbergen anzutreffen, da er im Freien übernachtet. Deshalb schleppt er statt 10 Kilo gleich das doppelte mit sich rum. Gegen halb 8 gönnten Kathi und ich und eine Pizza mit einer Flasche Wein. Es war eine nette kleine Bar mit guter Pizza und leckerem Wein und wir konnten durch die Aufgeschlossenheit des Kellners unseren spanischen Wortschatz um Messer, Gabel, Löffel erweitern. Nach dem Essen liefen wir nun schon 2. Mal mit einer Flasche Wein durch Spaniens Straßen. Und damit dir Flasche sich nicht alleine fühlt machten wir uns auf dem Suche nach einer 2. Diese bekamen wir für 2 Euro nach geschlossenen Supermärkten in einer Bar. Der Zweite war etwas wässrig (aber bei dem Preis), doch genau wie der Erste wurde es in Villafranca hergestellt. Großer Rede- und Diskussionsbedarf kam durch den Wein zum Vorschein. So diskutieren wir 4 über Gott und die Welt über Spanien und Deutschland über Politik und Akzeptanz bis zum nächsten Tag. Diesen lasse Kathi und ich gemütlich angehen, erst Bus und dann Sightseeing in Merida.

PS: Vermutlich werde ich die nächsten Tage etwas abtauchen, die Herbergen und das WLAN Netz sind nicht so super ausgestattet in den kommenden Etappen.

Liebe Grüße vom Weg

Eure Elli 😉

Überrest des Klosters
Ein kleiner Ort lag auf dem Weg
Der Hund ist perfekt getarnt

Blühender Mandelbaum

Neben alten und großen Olivenbäumen werden kleine herangezogen

Des Pilgers Anreiz: die Stadt am Horizont

Geniale, gemütliche Betten

2 Gedanken zu “Tag 10 (30.01.) – Statt Trockenheit blühende Bäume und Wein

  1. Danke für Deinen Bericht. Es macht Spaß zu sehen, wie Du voran kommst. In Villafranca de los Barros hatte ich auch geschlafen, aber definitiv in einer anderen Herberge.
    An WLAN-Problem kann ich mich eigentlich nur selten erinnern. Meist gibt es doch in den Cafés WLAN. Und viele Herbergen bieten auch was an. Aber das wird sich schon ergeben.
    Bin gespannt, was Du von den 20 km schnurgeradeaus berichten wirst.
    Buen Camino

    Gefällt 1 Person

    1. Bitte 😉 ich freue mich immer über deine Kommentare und dein Interesse 🙂 ja, es gibt halt nicht immer in der Herberge WLAN, aber meist findet sich schon etwas… Aber die nächsten Tage werde ich viel laufen, naja mal sehen 🙂
      Muchas Gracias 🙂

      Gefällt 1 Person

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