Tag 9 (29.01.) – neuer Tag, neue Erfahrungen, neuer Rekord

Fuente de Cantos –  Calzadilla de los Barroso – Pueblo de Sancho Perez – Zafra (25,4 km) 

Der Rücken schmerzt, die Fußsohlen brennen, die Sehnen ziehen – angekommen nach 25,4 km. Nicht nur die Anzahl der Mitpilgerer steigerte sich, sondern auch die Anzahl der Kilometer. Dachte ich doch vorgestern noch: 25 km schaffe ich nie, sitze ich heute hier und sage: Ich habe 25 km geschafft! Zu viert starteten wir um 9 Uhr auf dem Weg. Nach ca. 1 1/2 Stunden war der nächste Ort erreicht, wo wir auf uns einen Kaffee er träumten. Der Traum zerplatzte beinahe, denn was wir wussten aber nicht gecheckt hatten: Es ist Sonntag und sonntags haben auch in Spanien viele Bars geschlossen, vor allem vor 12 Uhr. Dies machte uns ein älteres spanisches Ehepaar bewusst, das wir nach einer offenen Bar gefragt hatten. Doch aus einer erst angenommenen Enttäuschung sollte das Highlight des Tages werden. Die Frau (noch im Nachthemd unter dem Mantel) lud uns in ihr Haus ein, kochte uns einen Kaffee und bewirtete uns überschwänglich mit selbstgebackenem Gebäck. Eine Stunde verging, wir lobten ihren Kuchen und bewunderten Familienfotos, die uns das Ehepaar voller Stolz zeigte. Was man nicht alles erlebt! Ich bin jetzt noch über die spontane Gastfreundlichkeit überrascht. Der nächsten Teil der Strecke bis Pueblo de Sancho Perez zog sich trotz Gesellschaft ewig. Wir legten eine größere Pause ein. Pausen sind an sich schön. Man liegt auf der Wiese, der Kopf ruht auf dem Rucksack, die Sonne scheint warm ins Gesicht und bildet einen Kontrast zu dem etwas kühlem Wind der um die Nase weht. Die Füße pochen erst, wenn sie zur Ruhe kommen, doch dann ist es eine Wohltat das die Belastung verschwunden ist. Man kommt einfach zur Ruhe liegt da und hört den Vögeln zu die fröhlich zwitschern… Wie gesagt Pausen sind schön… eigentlich, denn danach wieder in die Gänge kommen ist quälend, jeden schmerzenden Nerv merkt man umso mehr. Doch nach einer Weile läuft man sich wieder ein und manchmal wird das Schmerz selbstverständlich und ist nicht mehr im Vordergrund. Alle 4 hatten wir zu kämpfen, Blasen (unter dem Fuß), ein schmerzendes Knie und ein umgeknickter Füß, eine schmerzende Schulter und geschwollene Achillessehnen. Sucht euch was aus, wir geben es gerne her. Die Landschaft war trotz der Kargheit schön anzusehen,ich genoss es den Blick über die von der Sonne bestrahlte Weite schweifen zu lassen. Vier Pilger, ein Spanier, eine Österreicherin, eine Italienerin und eine Deutsche laufen und unterhalten sich, auf welcher Sprache? Natürlich auf Englisch das keiner perfekt kann :p Ja es war oft ein Tabu spielen. Nach 3 Stunden über Feldwege durch Oliven –  und trockene Weinplantagen, nach riesigen Pfützen, die es zu umgehen bzw. durchgehen gab, nach nichts außer dem Weg am Horizont erreichten wir mit Pueblo de Sancho Perez auch unsere Stärkung, bevor wir die letzten 5 km alle humpelnd zurücklegten. Seid ihr schonmal in Skistiefeln gewandert? Ja so fühlte es sich an, die Mahlzeit hatte zwar gut getan und auch zur Erholung beigetragen, aber danach schien alles steif zu sein und ich fühlte mich mindestens 60 Jahre älter. Um 6 Uhr erreichten wir geschafft, aber stolz (vor allem ich, denn es ist ein neuer Kilometerrekord!) die Herberge der Jakobswegfreunde. Wir wurden freundlich in der leider kalten Herberge mit heißem Tee empfangen. Nun steht eine heiße Dusche und der warme Schlafsack an. Ach wie schön das ist einfach mal die Füße hochzulegen. . . Das ich sowas mal sagen würde und mich aufs Nichtstun freue… 

Ganz liebe Grüße vom Weg 😉 

Trotz Wolken war die Sonne da, und die grauen Wolken ließen wir hinter uns

Angekommen – Hauptsache erstmal Rucksack ab…

2 Gedanken zu “Tag 9 (29.01.) – neuer Tag, neue Erfahrungen, neuer Rekord

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