Tag 7 (27.01.) – Ruhe, ein paar Infos und eine Überraschung 

​Dann betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte, und es war sehr gut! Es wurde Abend und wieder Morgen: Der sechste Tag war vergangen.     1. Mose 1,31 

… und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er machte.  

1. Mose 2,2 

Auch ich lege heute an meinem 7. Tag einen Ruhetag ein, ganz nach Gottes Vorbild. Der Blick aus dem Fenster heute morgen bestätigte meinen Entschluss: es regnet und regnet und regnet und das nicht wenig. Die Nacht war kalt, aber mein Schlafsack warm. Die kleine Heizung hatte sich am Abend alle Mühe gegeben das Zimmer ein wenig zu erwärmen, bis es in der Nacht plötzlich einen kleinen Schlag gab, die Heizung nicht mehr ging und auch mein Handy keinen Strom mehr bekam. Das Licht funktionierte, aber keine Steckdose. Na toll da hab ich die wohl lahmgelegt… Ich kuschelte mich in meinen warmen Schlafsack und schlief weiter. Heute morgen kam der Besitzer und ich erzählte ihm vom Geschehen. Seine Antwort: Este es normal. In der Nacht wird der Strom außer das Licht abgestellt, somit wird nun wieder geheizt für die nächste Nacht. Ja der Besitzer ist echt nett, stand er heute früh doch mit Muffins (selbstgebacken von seiner Frau) in der Küche. Also verhungern lassen einen die Spanier wahrlich nicht, überall bekommt man gratis ein Snack (Oliven, Chips oder Cracker) dazu. Ein Bier für 1 Euro und dazu nen Tellerchen Chips und ein Schälchen Oliven, das möchte ich in Deutschland mal finden. Die Anorexie in mir schrie: Was soll ich damit, sowas ungesundes, was denken die sich? Die Bulimie: Yeah, was kostenloses zum Kotzen, gibt es noch mehr? Und ich? Ich ließ die Beiden schreien, aß und freute mich über die Freundlichkeit und Geld gespart zu haben und nehme bei Tütchen diese für unterwegs mit. Aber nun genug des Themas und zurück zur Herberge. Das einzige etwas Störende hier ist der Putzfimmel des Besitzers. Gefühlt jede Stunde kam er gestern um mein abgewaschenes Geschirr ordnungsgemäß wegzuräumen, das Bad zu putzen oder den Boden zu wischen. Ich komme mir vor wie in einem Sternehotel 🙂 Doch heute geht er erstmal bis halb 3 seiner Arbeit als Pfarrer nach. Ein Pfarrer mit Putzfimmel, die Kirche schaute ich mir an, auch wenn sie geschlossen war. Ansonsten streifte ich durch die kleinen Gässchen der Stadt, ab und an schickte die Sonne ihre hellen Strahlen durch die Wolken bevor mich der Regen wieder in die Herberge vertrieb.

Es bleibt Zeit für einen Blick zurück und ein paar Infos: Was habe ich bis jetzt schon alles geschafft? Jede Nacht eine Herberge gefunden, Menschen kennengelernt und mich verständigt, Kilometer zurückgelegt und Etappen geschafft (ohne mich zu verlaufen), ja sogar die Grenze von 2 Regionen (in Spanien insgesamt 17 – die Via de la Plata verläuft durch 4) habe ich passiert. Gestern pilgerte ich von Andalusien nach Extremadura. 
Ich verließ Andalusien mit seinen 8,4 Mio. Einwohnern und fand mich im mehr als die Hälfte kleinerem Extremadura mit seinen 1,1 Mio. Einwohnern wieder. Das südliche Andalusien beeinflusste das typische Bild von Spanien (Flamenco, Stierkampf, Oper „Carmen“) und unterstand bis ins 15.Jahrhundert der arabischen Herrschaft bevor die katholischen Könige Isabel und Fernando den ersten spanischen Einheitsstaat gründeten. Heute hat Andalusien, nach der Extremadura, das zweitgeringste Pro-Kopf-Einkommen (und trotzdem gibt es Snacks umsonst). Wichtige Erwerbszweige sind die Landwirtschaft (Gemüse, Oliven, Baumwolle) und an der Küste der Tourismus. Sowohl in Andalusien als auch der Extremadura wird die Landschaft vor allem von Dehesas und generell großen Naturräumen und Nationalparks bestimmt. In der Extremadura verläuft der Camino größtenteils auf der römischen Originalroute. Schon in der Altsteinzeit folgten die Ureinwohner ihrem Jagdwild auf Pfaden durch die Landschaft, diese Wege von Süden nach Norden und zurück nutzen Hirten mit ihren Herden in der Neusteinzeit. Phönizer, Griechen und auch die Karthager unter Hannibal benutzten später diese Wege als Handelswege. Ab dem 2.Jh.v.Chr. marschierten römische Legionen auf den Verbindungswegen. Im Zuge dessen wurden die Straßen ausgebaut und befestigt. 711 eroberten nordafrikanische Berberstämme einige Teile Spaniens. Die befestigte Straße nannten sie Balata, daraus entstand im Laufe der Jahre der Name Via de la Plata.

Castillo de las Torres: Grenze zwischen Andalusien und Extremadura
Küche der Herberge
1 Zimmer der Herberge

Trotz Regen eine kleine, schöne Stadt
Manchmal schaffte es die Sonne ihr Strahlen zur Erde zu schicken
Die Sonne stellte die Kirche in das beste Licht

Gegen 16 Uhr dann die Überraschung: Eine Pilgerin. Von wegen um diese Zeit läuft niemand. Kathi (29) ist Südtirolerin, somit war eine Verständigung auf deutsch kein Problem. Mal wieder auf deutsch zu kommunizieren ist schön, aber auch nach einigen Tagen echt schon ungewohnt. Sie hat Zeit bis zum 4. März, um Santiago zu erreichen. Mal sehn wie unsere Begegnung weiter geht. 

2 Gedanken zu “Tag 7 (27.01.) – Ruhe, ein paar Infos und eine Überraschung 

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