Tag 3 – eine Herberge für mich oder auch nich

Sevilla – Santiponce – Guillena (22 km) 

Gegen 8 Uhr startete ich am der Kathedrale, es ging los… Voller Euphorie und Energie. Ich suchte und fand meine ersten Wegweiser (die Jakobsmuschel). 

Den Sonnenaufgang im Rücken verließ ich die Stadt, durch die der Weg noch etwas geführt hatte. Dann wurde es ländlicher und der Weg führte an einem Fluss entlang. 

An und auch auf dem Weg standen Pferde, die gleich eine Streicheleinheit von mir bekamen. 2 1/2 Stunden folgte ich den Landwegen bevor ich die Stadt Santiponce erreichte. Bis dorthin hatte ich schon einige Spanier getroffen, die mir einen Buen Camino wünschten. 2 ältere Spanier waren besonders hilfsbereit und versuchten mit den Weg zu erklären, auf spanisch natürlich. Ich versuchte mein Bestes etwas zu verstehen,was mir fast unmöglich war. Der 2. zeichnete sogar mit seinem Stock in die Erde, wo ich als nächstes abbiegen soll. Des weiteren warnte er mich vor einer Flußüberquerung, bei der der Fluß den Weg überschwemmt hat und ich durchwaten müsste. 

Diese Stelle umging ich jedoch dank meines Reiseführers über ein provisorisches Brückchen. Außerdem erzählte er mir enthusiastisch das er letztes Jahr (oder dieses) im März auch den Weg gelaufen ist oder laufen will. Nach der Stadtdurchquerung von Santiponce führte der restliche Weg über einen Feldweg ohne einen Baum weit und breit. Ab und an waren Fahrradfahrer unterwegs. Leider hatte sowohl die Kathedrale als auch die römische Ausgrabung in Santiponce geschlossen. 2 h führte der Weg gerade aus mitten im Nirgendwo, aber ich genoss die Umgebung des Nirgendwo, die Sonne schien, Felder und Wiesen lagen an den Rändern. Die meiste Zeit hörte ich nur mein Tap Tap Tap, das meine Füße auf dem Kiesweg hinterließen. 

Der Weg schien einfach nicht enden zu wollen. Mein Rücken schmerzte eigentlich schon den ganzen Tag, ich hasse meine Bandscheiben, mein Knie wollte Aufmerksamkeit und meine Füße wollten anscheinend auch nicht laufen. Gedanken schwirrten durch meinen Kopf: Was habe ich mir dabei nur gedacht, einfach loszulaufen, so eine Schnapsidee, was soll das denn bringen, ich bin doch so blöd, ich kriege auch gar nichts hin, schon am ersten Tag solche Schmerzen, gar nichts kann ich… usw. usw. Gegen halb 3 fand ich dann die verschlossene Herberge von Guillena.Ich ging ins Rathaus, wo ich der freundlichen Dame in gebrochenem Spanisch mein Problem bewusst machte. Ein Anruf und ich sollte vor der Herberge auf die Besitzerin warten. Diese schloss mir auf, überreichte mir einen Schlüssel und stempelte meinen Ausweis, dann hatte ich ein Herberge mit 34 Betten zur Auswahl nur für mich. 

Trotz schmerzenden Füßen schaute ich mir die Stadt an und stattete dem Supermarkt einen Besuch ab. Dann machte ich es mir in der Herberge bequem, natürlich in Rückenlage und hörte Musik (um Steckdosen brauche ich mich ja auch nicht streiten). Meiner Einsamkeit wurde gegen halb sieben ein Ende gesetzt. Oliver ein Spanier aus Gran Canaria, 32 Jahre und ein Lebemensch, der durch die Welt tourt. Es war schön mich am Abend noch etwas mit ihm zu unterhalten. Er pilgert auch nach Santiago und hat vor dann noch weiter nach Frankreich zu laufen. Tja ich nicht die einzige verrückte Person zu sein, die den Weg um die Zeit läuft. 

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