18.01.17 oder der vorvorletze Tag

Mittwoch, Mitte der Woche, eine Wochentag ohne ein -tag zu sein, der vorvorletzte Tag zu Hause, ein besonderer und ereignisreicher Tag, einer der Tage aus denen man Kraft schöpfen kann… und vor allem war er heute eins für mich: erfolgreich. Aus diesem Grunde will ich versuchen heute nur auf das Positive zu schauen und zu suchen, das was nicht so gut lief außer Acht lassen, nicht nach Fehlern fahnden, denn die findet man ja immer und kein: erfolgreich, aber … daraus machen.

Also bis jetzt war es einer der Tage, die ich liebe, alles lief wie am Schnürchen. Schon von früh an hatte ich immer was vor, einen Plan im Kopf und alles hatte einen Sinn. Tja das ist eine Seite an mir, eine Seite, die ich schon irgendwie mag, egal wieviele Termine anstehen, ich bekomme meist immer alles getimet, geplant und unter Kontrolle (und heute war noch echt harmlos). Um 6 Uhr bin ich aufgestanden, habe geduscht und in aller Ruhe zum krafttanken gefrühstückt (hat echt gut geklappt, das mit der Ruhe :)), gegen halb 8 stieg ich ins Auto und fuhr los. Ich liebe ja Auto fahren: schalten, Gas geben und die Welt fliegt dahin. Das Musik hören und total schief mitsingen dabei, verlieh mir heute, wie so oft, gute Laune. 8:30 Uhr unterschrieb ich den Mietvertrag für meine zukünftige Wohnung. Meine erste eigene Wohnung! Keine Familie, keine WG-Mitglieder, meine eigenen 4 Wände ich denen ich ab April sein kann wie ich will; ich kann aufräumen, kochen, schlafen, fernsehen, Musik hören, einfach leben, wie ich Bock habe, ich habe in diesem Reich dann nur die Verantwortung für mich. Es wird ein weiterer Schritt ins eigene, selbstbestimmte Leben, als selbstständig würde ich mich schon jetzt beschreiben. Gegen 9 Uhr startete ich dann zum nächsten Termin, dieser bestand aus einer Therapiestunde um 10 Uhr (natürlich war ich pünktlich, samt roten Ampeln und Parkplatzsuche). Es war der zweite Termin bei meinem ambulanten Therapeuten und ich muss zugeben ich war ehrlich überrascht, wie gut es lief und es war vieles, was ich mitnehmen konnte, unter anderem wurde mir mal wieder vor Augen geführt, dass ich immer nach Fehlern suche und auf diesen nur zu gerne hängen bleibe. Obwohl ich nicht viel erwartet habe, bekam ich viel zurückgespiegelt und auch im Nachhinein hält sich mein „aber du hättest doch noch, das und das sagen und das so und so und und und…“ in Grenzen, ja ich bin wirklich zufrieden mit der Sitzung. Danach folgten Treffen mit ehemaligen Mitpatientinnen, eins geplant, eins ungeplant, aber beide sehr schön und unterstützend. Mit der ersten Freundin hatte ich mich um 11 Uhr verabredet. Wir gingen erst gemütlich einen Kaffee trinken und danach kurzentschlossen zum Chinesen, als Bulimiker entschieden wir uns gegen das Buffet, es funktionierte gut ohne große Überwindung und der Drang zum Kotzen war kaum vorhanden. Sie ist eine der Menschen mit denen ich reden kann bis zum Umfallen, das heißt bei uns: beide reden viel, oft zur gleichen Zeit, über viele Dinge und trotzdem nie aneinander vorbei, denn es wird zwar ins Wort gefallen, aber zugehört und verstanden (wie unsere ehemalige Therapeutin mal sagte: Ihr habt einen besonderen Weg der Kommunikation gefunden, der klappt), ja es scheint einfach ein Band zugeben, das verbindet. Und darüber bin ich sehr froh, auch wenn die Klinik für Psychiatrie nicht der beliebteste Kennenlernort ist, bin ich über diese Fügung sehr dankbar. Ja und mit solchen Menschen ist es in Ordnung und sogar ein wenig amüsant, im Kaffee zu sitzen sich übers kotzen zu unterhalten und blöd vom Nachbartisch angeschaut zu werden,“Hallo, wir stehen halt zu unserer Essstörung“:P. Jede erzählte so wie es gerade läuft im Leben, mit der Krankheit, schwelgten in alten Zeiten und tauschten uns über neueste Erkenntnisse im Umgang und über die Herkunft unserer Essstörungen aus. Es ist eine Art erzählen, erwidern und verstanden werden, wie sie nur unter Betroffenen möglich ist, es sind Gespräche die man braucht und die einfach helfen. Gegen 2 Uhr befand ich mich wieder auf dem Weg zum Auto, als ich durch Zufall auf mein zweites Treffen stieß. Wir beschlossen eine Runde spazieren zu gehen, auch dabei redeten wir über dieses und jenes und tauschten uns über die Essstörungen aus, jaja jeder hat seine eigene, aber irgendwo haben wir doch alle ein Problem: Unsere Gefühle und die Frage: Wie gehe ich mit ihnen um? Bestärkt und gut gelaunt stieg ich ins Auto. Beide Treffen und die Therapiesitzung geben mir auch jetzt noch Kraft, Unterstützung und Vertrauen gegen die Essstörung ankommen zu können und es auch auf dem Jakobsweg irgendwie zu meistern, ja ich habe meinen Kampfwillen heute auftanken können. Halb vier trudelte ich zu Hause wieder ein, nachdem ich es nocheinmal genossen hatte, Auto zu fahren (auch wenn es nur eine Stunde war, ich glaube das ist eins der Dinge, die ich auf jeden Fall vermissen werde). Ich weiß nicht was es mir gibt, aber irgendwie schaffe ich es mich stark und gut dabei zu fühlen und auch anzuerkennen, dass ich das kann. (Aber darüber kann ich mir ja ein anderes Mal noch mehr den Kopf zerbrechen). Heute Abend steht noch eine Spielerunde zum Abschied mit meiner Family an, vermutlich wird die Wahl auf Romme fallen. Ich liebe es Karten oder Brettspiele jeglicher Art zu spielen und gewinne natürlich auch gerne (wer denn auch nicht?), zudem „Passt mein Arsch oft auf den Eimer“, wie meine Oma zu sagen pflegt. :p

In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Abend 😉 und vielen Dank für den schönen Tag 🙂 

 

2 Gedanken zu “18.01.17 oder der vorvorletze Tag

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