Vergangenheit fallen lassen

Mit der Symbolik hab ich es… Besonders mit meinen Haare. Nicht, dass ich sie färbe oder töne, das kommt für mich nicht in die Tüte (oder besser gesagt: aus der Tüte), denn mit meiner Haarfarbe bin ich eigentlich ganz zufrieden. Ich scheide sie oder lasse sie wachsen. Naja meist ist es ein abschneiden, denn so geht Veränderung am schnellsten. Das erste Mal wurde es radikal nach dem Abi. Symbolisch betrat ich so einen neuen Lebensabschnitt, ließ mit meinen Haaren die Schulzeit hinter mir und ging mutig in die Zukunft, diese bestand erstmal aus einem Au-Pair-Aufenthalt in Mallorca. Meine schönen über den Rücken fallenden langen Haare verwandelte ich in einen Pixie Cut, der über etwas mehr als 3 Jahre mit Undercut, Sidecut oder einfach nur in der Länge variierte. Ich enteckte einen Faible für Haarspray und kam ohne das haltende Wundermittel gar nicht mehr aus. Während der Therapie fasste ich dann den Entschluss mir meine Haare nun mal ganz und gar abzurasieren.

Loslassen, hinter mir liegen lassen,
Ballast abwerfen, weitergehen
– eine Art Abschluss.
Stärke gewinnen, neue Kraft schöpfen, mir ein Stück näherkommen,
auf mich selbst ein Stück zu gehen.
Ein symbolischer Neubeginn, gespannt, was sich entwickeln wird.
– Die Haare sind ab, ganz ab –
Es war eine Überwindung,
zu einem schon länger beschäftigenden Gedanken.
Ich will im Reinen ganz neu mit mir beginnen,
ich selbst will lebendig werden, Doris ein Stück hinter mir lassen,
akzeptieren, dass es sie gibt ja,
jedoch will ich hoffen, dass sie irgendwann auch mal ein Teil von mir war.
In der Vergangenheit wird sie immer eine große Rolle spielen,
in der Zukunft lasse ich das nicht zu.
Ich werde die wahren „Gottes Gaben“ entdecken, mich selbst finden und mir vertrauen,
mit Selbstanerkennung die anscheinende Leere in mir füllen und nicht mit Doris,
da kann sie sich noch so aufblasen wie sie will.
Ich habe symbolisch losgelassen, eine Veränderung eingeläutet,
ich habe mit den Haaren ein Stück Vergangenheit fallen lassen.
Damit sich eine neue Zukunft entwickeln kann.
Damit etwas Neues wachsen kann,
ohne auf der schlechten Seite der Vergangenheit aufzubauen.

Nach einem Rückfall rasierte ich die Haare ein zweites Mal ab, seitdem lasse ich sie wachsen, mal sehen was raus kommt… Die neue Frisur half mir ein Stück auch meinen „neuen“ Körper, die paar Kilos mehr , die einfach zu der neuen Frisur, der neuen Elli dazugehören, manchmal als akzeptabel anzusehen. Es war nicht nur eine äußerliche Veränderung. Das Abrasieren symbolisierte für mich eine einschneidende Wende, das endgültige „Ich will aus der Essstörung frei kommen!“. Denn genau, wie meine Frisur, kann ich auch meine Zukunft verändern, ich kann Teile loslassen und zurücklassen, die ich nicht weitertragen will. – Nur leider geht das oft nicht so schnell, wie mal eben Haare abrasieren…

Nun kommt ein nächster Schritt, nicht nur aber auch symbolischer Natur. Ich lasse das Hier hinter mir, fliege nach Spanien und werde pilgern. Heute in einer Woche werde ich um die Zeit schon fast im Flieger sitzen. Ich bringe Kilometer Abstand zwischen meinem Ich jetzt und dem Ich dann. Was genau ich zurücklasse, werde ich wohl erst danach oder noch später rausfinden. Weggehen und weitergehen liegen sehr nahe beieinander dabei, ich denke beide Elemente spielen eine Rolle. Weggehen im Sinne von abschalten, zur Ruhe kommen und vielleicht mit Abstand nachdenken, was alles los war. Weitergehen im Sinne von entwickeln, schauen was ich in Zukunft möchte und hoffentlich ein Stück mehr Selbstfindung und Senbstvertrauen finden. Ich werde über Berge steigen und lange Täler durchqueren, es wird mal leicht und mal schwer sein, aber ich werde einzigartige Seiten der Landschaft entdecken und vielleicht haben ja gerade die schroffsten Felsen die schönsten Formen. Und das Wetter macht sowieso was es will, doch nach Regen sollte auch mal Sonnenschein kommen. Es ist ein Schritt, ein Flug, in eine Zukunft, welche auf jeden Fall Veränderung bringen wird. Was werde ich finden? Ich bin gespannt… Meine Frisur wird mich begleiten und wachsen und ich hoffe die Haare fangen nicht an allzu sehr abzustehen 😛

4 Gedanken zu “Vergangenheit fallen lassen

  1. Hi, du möchtest dich annehmen, so wie du bist. Vielleicht kannst du ja mit abstehenden Haaren anfangen? Einfach sagen: die sind so ok.(Außerdem gibt es so was wie Wasser und Shampoo, da fällt das abstehen nicht so auf) Find ich aber toll, den Jakobsweg zu gehen. Wünsche dir viel Erfolg.
    Christoph
    PS: Ich hoffe, ich war nicht zu frech.

    Gefällt 1 Person

    1. Hey 🙂 …wenn dann nur humorvoll und zu deinem Glück habe ich Humor 😛 Danke für deinen Vorschlag, ich finde den super und habe das noch gar nicht so bewusst gesehen, aber stimmt, ich werde mal versuchen mich mit meinen abstehenden Haaren anzufreunden und einfach sagen, die sind jetzt so, statt sie zu kritisieren. (Kann ja schlecht den ganzen Tag unter der Dusche stehen)
      Danke :), ich bin gespannt was rauskommt.
      LG Elli

      Gefällt 1 Person

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