Noch 9 Tage…

In 9 Tagen am 21.1 geht mein Flieger nach Sevilla. Dann beginnt das große Abenteuer, 1000 km pilgern. Einmal Spanien von Süden nach Norden durchqueren. Das Ziel: Santiago de Compostela. Die Vorfreude ist da: Endlich wieder nach Spanien. Dieses Land hat es mir angetan, wieso weiß ich nicht genau. Das Wetter, die Natur, die Mentalität, die Sprache (welche ich nur un poco beherrsche), ich denke es ist einfach das Gesamtpaket. Schon nach dem Abi zog es mich für eine etwas längere Zeit dorthin. Ich verbrachte drei Monate als Aupair auf Mallorca bei einer wundervollen spanischen Familie. Meine Aufgabe war es den drei Kindern (9,12 und 13 Jahre) deutsch beizubringen und mich halt mit ihnen zu beschäftigen. Tja das Ding war nur das dort keiner Deutsch sprach und auch die Kinder noch keinen blassen Schimmer davon hatten. Doch ich scheine ganz gut im Unterrichten gewesen zu sein, denn zum ersten lernten sie begeistert und relativ schnell. Nicht das die Kinder dann perfekt deutsch sprachen, dass war in drei Monaten einfach nicht möglich, aber sie konnten sich vorstellen, eine kleine Unterhaltung führen (Wie geht es dir? Was machst du? Woher kommst du?…) und beherrschten etliche Vokabeln (vor allem Tiere, dem Tier-Wer-bin-ich geschuldet). Außerdem gewährte ich einen Einblick in die wunderschöne deutsche Grammatik und dabei wurde mir erst so richtig bewusst, dass das Sprichwort „Deutsche Sprache, schwere Sprache“ auf jeden Fall nicht gelogen ist. Die komplizierten Artikel und das konjugieren von unregelmäßigen Verben hat mich selber in seiner Unsinnigkeit überrascht, was einfach normal für mich war, war einfach nur schwer zu erklären bzw. musste einfach gelernt und so hingenommen werden. Die Kinder lernten deutsch und ich dabei spanisch, ja wir hatten so einiges zu lache, denn auch ich stand manchmal regelrecht auf dem Schlauch. Dazu bekam ich einige Stunden Spanischunterricht nebenbei, doch leider kam es nicht wirklich zur Anwendung, als ich wieder zu Hause war und so ist es etwas eingestaubt. Neben Dem ganzen Sprachenchaos (zumindest verbesserte sich mein englische rapide, da es der hauptsächliche Kommunikationsweg war) hatten wir viel Spaß beim Baden im eigenen Pool, bei Spielen, ob nun Karten oder Fußball und Ausflügen mit dem Fahrrad oder an den Strand (den nur wenige spanische Familien kannten). Außerdem lernte ich die Mentalität der Spanier sehr zu schätzen bei Abenden mit Besuch von Familie oder Freunden, die mich sehr offen mit in ihre Gespräche aufnahmen und bei Erkundungsausflügen auf eigene Faust. Ja es war eine schöne Zeit, in der ich das Gegenstück der touristischen Seite kennen lernte und jetzt werde ich das Festland unsicher machen und bin gespannt, was es dort so zu entdecken gibt, auf jeden Fall werde ich mein Spanisch auffrischen. Mein Gepäck ist so gut wie vorbereitet. Einige Stunden gestern und den heutigen Vormittag brachte ich damit zu meinen Rucksack gefühlte 100 mal ein- und auszupacken, um ihn danach anders wieder zu befüllen. Schlafsack rein oder raus? Ist er im Rucksack ist der schon halb voll, doch draußen dran dürfte im Flugzeug schwer werden. und es ist auch kompliziert den irgendwie zu befestigen. Also erstmal rein. Das Regencape, wird in einer Seitentasche verstaut. Handtücher und Klamotten neben den Schlafsack in den Rucksack gepresst. Dann hat die Waschtasche, ein mobiles Ladegerät, der Camcorder und eine kleine Erste-Hilfe-Tasche gerade noch so Platz, bevor das vorgeschriebene Höhenmaß von 55cm gesprengt wird. In den anderen Seitentaschen, es sind insgesamt 4 (oben, unten, recht, links), kamen Reiseführer, ein kleines Wörterbuch, Notizbuch, meine Brille, Kopfhörer und noch einige andere Kleinigkeiten. Meine genaue Packliste werde ich in den nächsten Tagen mal aufschreiben.

Ich freue mich darauf loszulaufen, einfach mal alles hier hinter mir zu lassen, nichts regeln zu müssen, weil es dann einfach nicht geht, mich nur mit dem zu beschäftigen, was mich gerade interessiert. Die ganze gefühlte Hektik und Unruhe abschalten, einfach mal versuchen runterzukommen, nicht mehr das Gefühl mich ständig im Kreis zu drehen. Einfach mal nur für mich da sein und mich nur um mich kümmern. Egoistisch? Nö, es ist einfach meine Auszeit und seit der Therapie weiß ich das ein gesunder Egoismus einfach zum Leben dazugehören sollte. Meine Aufregung hält sich in Grenzen. Wieso sollte ich auch aufgeregt sein oder gar Angst haben? Ich fliege dorthin, laufe los und schaue wie es sich entwickelt. Wenn dann bin ich gespannt was so auf mich zukommt. Ein Abenteuer wird es in jedem Fall und ich weiß, dass es mega anstrengend werden wird, ich mal an meine Grenzen stoßen werde, weil wochenlang laufen ist einfach fordernd für den Körper. Doch ich denke, dass ist eine ganz gute Gelegenheit zu lernen meine Gefühle wahrzunehmen – auf sie zu hören: zu mir sagen so jetzt mache ich einen Tag Pause, ich muss keine Anforderungen erfüllen, ich muss nicht weiter laufen, ich kann mich ausruhen und auf meine Bedürfnisse hören; sagen jetzt esse ich etwas und behalte es drinne, weil ich Hunger habe und die Kalorien brauche, ich muss es nicht, aber benötige es. Ich weiß das ich auch auf dem Jakobsweg Anforderungen an mich stelle, jetzt schon etwas davon erwarte, was ich nicht erfüllen kann, auch unterwegs werde ich Druck und Anspannung spüren, aber es gilt zu lernen damit umzugehen. Alles in allem denke ich könnte ich meinen Jakobsweg gut unter das Motto stellen: Müssen tue ich gar nichts, aber ich kann und darf. 

3 Gedanken zu “Noch 9 Tage…

  1. Ein schöner Bericht, aber läufst Du wirklich einfach drauf los ? – bewundernswert!
    Gibt es wenigstens Kartenmaterial oder/und ausreichende Wegbeschilderungen dort ?
    Wo übernachtet man dort, gibt es auch Refugios, wie am Camino del Frances?
    Wieviel Zeit hast Du für diese 1.000 km geplant ?
    Bestimmt wichtig für Dich den Energiehaushalt sorgfältigst zu beobachten. Bei so einer Tagestour habe ich für mich 1.000-2.000 Kalorienverbrauch gemessen

    So viele Fragen ?

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    1. Nicht ganz planlos geht der Plan los, aber ich hab nichts ins Detail geplant.
      Ich habe einen guten Reiseführer, in welchem gut die Etappen und Wege genau beschrieben sind, auch Herbergen sind dort verzeichnet, in welchen ich vorhabe zu übernachten.
      Zeit braucht man laut Internet ca. 6 Wochen, ich habe aber 10 Wochen Zeit und geplant mir auch die Städte mal richtig anzuschauen, somit habe ich genug Zeit für mal einen Tag Pause.
      Ja das wird auf alle Fälle eine Herausforderung für mich werden, aber ich hoffe das mein Körper mir nach einiger Zeit geben wird ob er jetzt noch mehr Essen braucht oder nicht, auf jeden Fall werde ich es beobachten 🙂
      Ich beantworte gerne deine Fragen und finde es toll, dass du dich interessierst. So sehe ich vll auch noch was was ich jetzt komplett vergessen habe.

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