Der Sonne entgegen

Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel. (4. Mose 24,17) 

Heute ist der 06. Januar, Tag der heiligen drei Könige, die einfach losgingen, um Jesus an seiner Krippe ihre Ehrerbietung zu zollen. Die Geschichte kurz zusammengefasst: Drei Sterndeuter sehen einen unbekannten Stern aufgehen, packen ihre Taschen mit kostbaren Sachen (Gold, Weihrauch, Myrrhe), laufen dem Stern hinterher, weil sie irgendwo gelesen haben, dass er sie zu einem neugeborenen, besonderen König bringt, finden Jesus und beschenken ihn. Für mich klingt das auf einer Seite schon etwas verrückt. Also nicht der Aspekt mit Jesus, sondern das die Weisen einfach losgelaufen sind, irgendeinem Stern hinterher. Sie haben ihr schönes zu Hause verlassen und einen langen Weg ohne festes Ziel angetreten, alles was Halt gab waren Weissagungen (s.o.) und ein Stern. Was wäre gewesen, wenn der Stern auf einmal verschwunden wäre?  Die Geschichte (ob sie nun so statt gefunden hat oder nicht, sei dahingestellt) symbolisiert aus meiner Sicht einen großen Vertrauensbeweis. Vertrauen darauf, dass der Stern führt, dass Gott den Weg weist. Der Stern war ein Zeichen von Gott ein Wegweiser zu seinem Sohn. Worauf haben die Weisen gehofft, dass die dem Zeichen geglaubt haben? Was war ihre Motivation? Ich denke es war die Hoffnung auf einen besonderen, nicht gewöhnlichen König, einen gerechten Herrscher, der Veränderung zum Guten zum Frieden bringt. Die drei Heiligen wollten dabei sein, haben sich dafür in eine ungewisse Zukunft gewagt und wurden mit dem Ziel belohnt, weil sie vertraut haben, geglaubt haben – dem Stern, aber auch ihrem Wissen und dem Weg. Dieser Tag mit diesem feierlichem Hintergrund eignet sich finde ich super für eine Probewanderung. Nur hatte ich keinen besonderen Stern, sondern die Sonne welcher ich gefolgt bin.img_20170106_123002.jpg

Hellblauer Himmel, an dem nur vereinzelt kleine schneeweiße Wölkchen stehen, die Sonne strahlt frei und warm auf den verschneiten Weg; die Uhr zeigt 10:10 und das Thermometer -12°C. Ich habe meine Wandersachen angezogen, Schicht für Schicht: Thermounterwäsche, Wanderhose, Fleecepullover, Strickjacke, Softshelljacke, Mütze, Handschuhe, Schuhe. „Hoffentlich ist es auch wirklich kalt draußen, bin beim Anziehen ganz schön ins Schwitzen gekommen.“Den Rucksack mit 8 kg auf dem Rücken und ich stapfe los. Die erste halbe Stunde ist immer hart, ehe man sich an die Bewegung gewöhnt hat, kommt man erstmal ins schwitzen. Die Waden schienen mir mit einem Ziehen am Anfang sagen zu wollen: „Bist du verrückt jetzt zu laufen? Wir wollen viel lieber auf der Couch liegen…“ Doch nach einiger Zeit schien ich mich eingelaufen zu haben und ruckzuck lagen 4 h Winterwanderung kreuz und quer durch den verschneiten Wald hinter mir. Auch meine Körpertemperatur regelte sich mit der Zeit, sodass ich weder fror noch schwitzte, bloß mein Kinn war am Ende etwas eingefroren. Ich würde sagen: Kältetest bestanden, auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass ich in Spanien -12 °C vorfinde, gestern sagte der Wetterbericht für Sevilla 17 °C und puren Sonnenschein voraus. wp-1483716736465.jpegWo ich lang gelaufen bin weiß ich nicht mehr, hoch und runter, mal quer durch den Wald, als mir der Weg zu langweilig wurde und irgendwann war ich wieder vor der Haustür. Zwischendurch machte ich an einem Supermarkt, naja mit etwas Umweg vom Weg, halt und gönnte mir einen heißen Kaffee und eine Packung Müsliriegel. Ich kam mir überhaupt nicht komisch vor in voller Montur durch die Regale zu schlendern :P. Der Schnee hatte Vor- und Nachteile. Die Gegend sah wunderschön aus, sodass es Freude machte einfach zu laufen und die Natur zu betrachten, dazu war der Weg nicht matschig. Auf der anderen Seite musste ich feststellen, dass es anstrengender ist durch den Schnee zu laufen, dies melden mir meine Waden zurück. Den Schneetest haben meine Wanderschuhe mit Bravour bestanden und von Blasen ist auch nichts zu erahnen. Also eine voll erfolgreiche Tour. Es werden wohl so um die 15 km gewesen sein – vergleichbar mit einer kleinen Tagesetappe. Kam ich an eine Kreuzung, lief ich dorthin, wohin die Sonne schien, meinen Schatten ließ ich hinter mich fallen. Ich muss zugeben zwischendurch zweifelte ich, ob es der richtige Weg gewesen war, immer nur der Sonne zu folgen, besonders als ich weit und breit kein Weg mehr sah und Schilder sind sowieso rar… Immerhin verschwand die Sonne nicht. 🙂

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