05.01.17

Das Verlangen ist stark, der Kampf ist hart, die Gedanken zu verlockend. Essen essen essen… Ich habe das ständige Verlangen danach, kann es nur schwer kontrollieren. Besonders schlimm war es in den letzten Tagen auf der Behindertenfreizeit. Doch wieso? Hätte nicht alles super sein müssen? Ich hatte doch mega viel Spaß und war gerne dabei. Ich dachte immer ich müsste nur Weihnachten überstehen, dann würde es gehen, doch Doris (siehe „Mein Kugelfisch“) wurde noch nerviger und hat sich mega aufgeblasen. Ja die Tage waren anstrengend, ich habe viel Kraft gebraucht, sowohl körperlich als auch geistig, aber ich habe echt zu viel gegessen, um den Bedarf zu decken. Es kommt mir vor als hätte ich ununterbrochen nur gefressen. Oft habe ich über mein Sättigungsgefühl gegessen, einfach weil ich nicht aufhören konnte, es war wie ein Film der immer weiter gelaufen ist. Der Druck kotzen zu gehen war oft da. Manchmal war der Entschluss schon gefasst, der Gang auf die Toilette schon im Kopf vollendet. Perfekte Bedingungen waren vorhanden, genug zu essen, geschlossene Toiletten und genügend Gelegenheiten („ich geh mal schnell, das und das holen…). Das Vorhaben schien so leicht umzusetzen, so präsent, doch jedes mal habe ich den Entschluss nicht umgesetzt. Ich habe kein einziges Mal gekotzt auf der Freizeit, habe ausgehalten und durchgehalten. Den Gedankenkampf jeden Abend beim Buffet gewonnen. „Ich bin gerade auf einer Behindertenfreizeit, ich habe Teilnehmer zu betreuen, ich habe Verantwortung, ich will es hier nicht tun, ich würde dann weitermachen, es würde sich hochschaukeln, denk an das Kalium…“- gute starke Gedanken, die mich anscheinend überzeugten. Zu viel Schokolade, Knabberzeug und leckeres Abendbrot und viele andere Dinge zwischendurch zeigen sich nun knallhart auf der Waage. Ich fühle mich voll, zu dick, eklig, ungenügend, ich bin einfach unzufrieden mit mir. Wenn ich in den Spiegel schaue sehe ich nur zu viel Fett. Wieso musste ich so viel essen, wieso hört das Verlangen jetzt nicht auf? Ich wollte doch eigentlich abnehmen durch die Freizeit, viel Bewegung und körperliche Arbeit und nun habe ich 3 Kilo drauf… Ich hatte Ablenkung, eine Aufgabe, ständig was zu tun… und trotzdem haben die Gedanken, die Krankheit, die Anspannung so viel Raum eingenommen. Ich bin super Auto gefahren (so nen schönen großen Kleinbus), auch im totalen Regenchaos, habe keine Probleme bei pflegerischen Dingen gehabt, bei stressigen Situationen immer einen ruhigen Kopf bewahrt, toll animiert und gute Laune verbreitet (mich zum lustigen Volldepp gemacht), immer einen Rat gewusst, die anderen Teamer unterstützt und ausgeholfen, alles in allem ich war eine prima Teamerin. Das wurde mir sogar schon häufiger von Teilnehmern und Teamern so zurückgemeldet. Doch ich kann es nicht annehmen, sehe es nicht. Das was ich mache ist doch normal, nichts besonderes. Meine Arbeit habe ich gut gemacht, habe Freude dabei verspürt und trotzdem war ich unzufrieden mit mir. Nicht direkt mit dem was ich geleistet habe sondern mit mir selbst. Ich kann diese Leistungen glaube ich nicht selbst anerkennen. An manchen Tagen war der Druck so groß, die Überwindung kotzen zu gehen schien so überwindbar, das schlechte Gewissen so überzeugend. Aber ich habe es geschafft, mir nichts anmerken lassen, es leise in einem innerem Kampf ausgetragen, mich gegen die schlechten Gedanken behauptet. Ausgehalten, angenommen, dass es gerade so ist. Nach außen hin die perfekte Maske, habe mich an Aufgaben festgehalten, versucht durch Tätigkeiten abzulenken. Es hat funktioniert, ob es der richtige Weg war, werde ich wohl erst in der Zukunft wissen. Der wenige Schlaf, die ständige Aufmerksamkeit, die langen Ausflüge, die körperliche Arbeit (Rolli schieben, Pflege, heben), das Animieren und Motivieren, das kalte und regnerische Wetter am letzten Tag, das Auto fahren…generell die Freizeit, scheinen mich beansprucht zu haben (auch wenn ich es nie wirklich zugeben werde). Nachdem ich gestern gegen 17 Uhr zu Hause reingeschneit bin (im wahrsten Sinne des Wortes), legte ich mich müde, energielos, einfach fertig aufs Bett und schlief fast durchgehend bis heute kurz vor 9 Uhr. Trotz gefasstem Entschluss zu Hause wieder kotzen zu gehen, der verdammten Zahl auf der Waage, dem blöden Spiegelbild, der Hose, die einfach zu eng war, dem vielen Essen überall, der nervigen Familie, dem ganzen Termin- und Vorbereitungsstress vor dem Jakobsweg, einfach dem starken Druck und Verlangen, der Anspannung und immer noch etwas Müdigkeit kann ich den Tag heute als kotzfrei verbuchen. Annehmen, akzeptieren, aushalten, aushalten, aushalten…

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